Ehrenamt

Warum sich diese Glinder Feuerwehrfrauen engagieren

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Dörte Hoffmann
Keine Angst vor schwerem Gerät: Patricia John (vorn l.) und Pauline Koch (vorn r.) sowie Janina Schütt, Jana Böhling und Sophie Rheinsberg (hinten v. l.)

Keine Angst vor schwerem Gerät: Patricia John (vorn l.) und Pauline Koch (vorn r.) sowie Janina Schütt, Jana Böhling und Sophie Rheinsberg (hinten v. l.)

Foto: dörte hoffmann

In Glinde sind 14 von 80 Mitgliedern weiblich. Sie schätzen die Kameradschaft und bescheinigen sich selbst ein „Helfersyndrom“.

Glinde.  Egoistisch? Keine Spur von Engagement? Keineswegs, es gibt viele junge Leute, denen nicht alles egal ist, die sich kritisch informieren und beteiligen. Die ehrenamtlich unterwegs sind und die Ärmel hochkrempeln. Sie sind die „Mitmischer“ aus unserer Region. Wir stellen sie in einer Serie vor.

Für Patricia John war es klar, als sie aus einer kleinen Gemeinde bei Kiel für die Ausbildung nach Glinde zog. „Ich gehe zur Freiwilligen Feuerwehr, dann lerne ich ganz schnell neue Leute mit gleichen Interessen kennen“, sagte sich die 22-Jährige. Denn mit Brandschützern und Ehrenamt kennt sie sich aus.

Schließlich ist die Feuerwehr in vielen Dörfern der Dreh- und Angelpunkt – eigentlich für alles. In Glinde hat sie ebenfalls ein tolles Team gefunden, in dem sie sich bestens aufgehoben fühlt. Auch hier ist die FF eine feste Größe in der Stadt. Nicht allein wegen des Osterfeuers, das in diesem Jahr trotz kleiner Flammen wegen des Sturmes wieder einmal die ganze Stadt auf die Beine brachte und an den Mühlenteich lockte.

Mehr als 80 Aktive in Glinder Wehr

Zum Team mit mehr als 80 Aktiven zählt beispielsweise Pauline Koch. Sie ist eine von insgesamt 14 Frauen in der Glinder Wehr. „Irgendwie haben wir alle das Helfersyndrom“, ist sich die 20-jährige Schülerin mit den anderen „Deerns“ der FF einig. Pauline Koch hat bereits eine Ausbildung zur Optikerin absolviert und drückt nun erneut die Schulbank. Zur Feuerwehr ist sie durch ihre Freundin Janina Schütt gekommen, die eines Tages früh morgens an ihr vorbeiraste, weil ihr Brandmelder sie zu einem Einsatz rief. Richtig neidisch sei sie da gewesen und habe sofort beschlossen, selbst aktiv zu werden. Nun trägt Pauline wie alle anderen stets einen Funkmelder („Pieper“) bei sich, um im Notfall sofort aufzubrechen.

„Im Grunde sind wir rund um die Uhr, also 24 Stunden täglich an 365 Tagen für den Ernstfall bereit“, erklärt Patricia John. Vergangenes Jahr sei die FF Glinde fast jeden Tag im Einsatz gewesen. „Davon war ich 156-mal dabei.“ Hinzu kommen natürlich noch die zahlreichen Übungs- und Ausbildungsdienste. Die 22-Jährige macht gerade den Lkw-Führerschein, der von der Stadt bezahlt wird. „Die Theorie habe ich bereits bestanden“, erzählt sie beim jüngsten Übungstreffen an der Feuerwache am Oher Weg.

Neben der FF noch weitere Ehrenämter

Janina Schütt (20), die gerade das Studium „Soziale Arbeit“ absolviert, engagiert sich neben der FF sogar noch beim Kinder- und Jugendhospiz Muschel in Bad Segeberg als Online-Trauerbegleiterin für junge Menschen.

Sophie Rheinsberg und Jana Böhling, beide 17, sind noch in der Jugendwehr und dürfen bei Einsätzen noch nicht helfen. Bei ihnen ist die Mitgliedschaft quasi Familiensache. Während Jana bereits die vierte Generation ihrer Familie in der FF vertritt, trifft Sophie ihren Papa an der Wache. Gemeinsam mit Patricia pflegt sie den FF-Auftritt in den Sozialen Medien. „Auf Facebook und Instagram veröffentlichen wir Fotos und kleine Berichte über das, was bei uns so los ist“, erklärt Sophie.

Nicht nur zeitlich nimmt ihr Engagement großen Raum ein. Vieles, was sie erleben, kann auch belastend sein. Aber die Kameradschaft und das unbedingte Vertrauen zueinander mache alles wieder wett. Ein bisschen Adrenalin im Blut, ein tolles Team um sich herum und ein gewisses Ansehen in der Bevölkerung – das mache den Dienst so beglückend, darüber sind sich die fünf jungen Frauen einig.

Auch „Einsätze“ bei Festen

„Da finde ich es immer mal ganz lustig, hinterm Tresen zu stehen und Getränke zu verkaufen“, sagt Pauline Koch über die „Feuerwehr-Einsätze“ bei den Festen in der Stadt.

Vorbelastet in Sachen Feuerwehr ist sie nicht. „Bei uns in der Familie war nie einer dabei. Und jetzt habe ich sogar meine Mutter überredet mitzumachen“, erzählt sie verschmitzt. Die ausgebildete Steuerfachangestellte wird sich nun in der Verwaltung der Wehr nützlich machen.

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