Stormarn
Reinfeld

Ulrike Röhr ist Chefin von 32.000 Landfrauen

Ulrike Röhr leitet in Reinfeld einen Betrieb mit Mutterkuhhaltung. Seit 2018 ist sie Vorstandsmitglied der Landwirtschaftskammer.

Ulrike Röhr leitet in Reinfeld einen Betrieb mit Mutterkuhhaltung. Seit 2018 ist sie Vorstandsmitglied der Landwirtschaftskammer.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Als Verbandspräsidentin stellt sich die Reinfelderin landesweit den wachsenden Herausforderungen. Das Abendblatt hat sie getroffen.

Reinfeld..  Gleich zu Beginn des Gesprächs mit dem Abendblatt überrascht Ulrike Röhr mit einem Bekenntnis: „Auch wenn ich mit Herz und Seele Landfrau bin – Kuchen backen zählt nicht unbedingt zu meinen Stärken“, sagt die Präsidentin des 32.000 Mitglieder starken Landfrauenverbands Schleswig-Holstein. Nach kurzer Gedankenpause fügt die in Reinfeld lebende Unternehmerin hinzu: „Das öffentliche Bild der Landfrauen hat sich in den zurückliegenden Jahren ohnehin verändert.“

Viele Landfrauen arbeiteten heutzutage nicht mehr auf einem Hof oder hätten ihre Wurzeln in der Landwirtschaft. „Berufe wie Grafikerin, Ärztin, Bürgermeisterin, Hebamme oder Tischlerin sind unter unseren Mitgliederinnen ebenso vertreten wie Jobs in hochmodernen landwirtschaftlichen Betrieben“, sagt Röhr. Die moderne Landfrau engagiert sich für gemeinnützige und soziale Projekte. Mit einem umfassenden Angebot an Weiterbildungsmaßnahmen mit beruflichen, gesellschaftlichen, kulturellen oder sozialen Themen spricht der größte Frauenverband Deutschlands (rund 500.000 Mitglieder) alle Frauen in den ländlichen Bereichen an.

Röhr hat einen kleinen Betrieb mit Mutterkuhhaltung

Nachhaltigkeit, Lebensmittelverschwendung und Vermeidung von Plastikmüll sind dabei Schwerpunktthemen. „Nachhaltigkeit hat auch, aber nicht nur, etwas mit Umweltschutz zu tun. Sondern vor allem damit, dass gegenwärtige und zukünftige Generationen vergleichbare Lebensbedingungen haben sollen“, sagt Röhr. Die Landfrauen in ihrem Team, von denen die 61-Jährige mit Stolz spricht, hielten an der Basis auf der Suche nach aktuellen Themen Augen und Ohren offen, sammelten und bündelten Ideen. Röhr: „Daraus entwickeln wir dann unser Programm für die Frauen.“

Seit 1991 lebt Röhr in Reinfeld. Der familiengeführte Ackerbaubetrieb wird von Sohn Klaas geleitet. Ulrike Röhr selbst hat einen kleinen Betrieb mit Mutterkuhhaltung. Diese der Fleischerzeugung dienende Haltungsform repräsentiert zwar nur einen kleinen Teil der Rinderwirtschaft, hat sich in den vergangenen 20 Jahren aber als landwirtschaftlicher Wirtschaftszweig etabliert.

Röhr ist eine leidenschaftliche Stormarnerin. „Landschaftlich hat der Kreis mit seinen Wäldern und Seen enorm viel zu bieten“, sagt die Landfrauenpräsidentin. „Durch die Nähe zu Hamburg und Lübeck kommt auch das kulturelle Leben nicht zu kurz.“ Die nötige Entspannung holt sie sich in dem auf der Hofanlage bienenfreundlich angelegten Gemüse- und Blumengarten. Der Klimawandel ist ein Thema, mit dem auch Röhr sich intensiv auseinandersetzt – und dies auch von jedem anderen fordert. „Jeder Mensch sollte sich darüber im Klaren sein, dass er schon im Kleinen etwas bewegen kann, indem er in seinem direkten Umfeld schonend mit der Umwelt umgeht“, sagt sie.

Auf politischer Ebene haben Landfrauen längst eine hohe Akzeptanz. „Wir sind gut vernetzt und stehen über aktuelle Belange in stetigem Austausch mit den jeweils zuständigen Stellen“, sagt Röhr. Die Landfrauen unterhalten unter anderem Kooperationen mit der Verbraucherzentrale, der Ärztekammer, verschiedenen Bildungszentren, dem Bauernverband, dem Landesfrauenrat und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Übrigens: Die Hauptversammlung der letztgenannten Institution wählte Ende 2018 mit Röhr und der neuen Vorsitzenden Ute Volquardsen zwei Stormarnerinnen in den neunköpfigen Vorstand.

Imke Schoor war neun Jahre Mitglied der Landjugend

Bewusst hat sich Imke Schorr gegen eine berufliche Laufbahn auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern in Havighorst (Gemeinde Feldhorst) entschieden. „Als Physiotherapeutin habe ich meinen Traumjob gefunden “, sagt die 29 Jahre alte Reinfelderin. Sie fügt hinzu: „Dennoch bin ich von Herzen Landwirtschaftstochter.“ Neun Jahre war Schorr Mitglied der örtlichen Landjugend. 2018 gründete sie mit Gleichgesinnten das autarke Projekt Junge Landfrauen Stormarn. „Die meisten unserer Mitglieder stehen mitten im Berufsleben, einige von den jungen Frauen hatten mit der Landwirtschaft zuvor überhaupt keine Berührungspunkte“.

Wer den Spirit der Landfrauen kennenlernen möchte, kann mit einem der fünf Ortsvereine in Stormarn Kontakt aufnehmen. Die rund 1100 Mitglieder des Kreislandfrauenverbands verteilen sich auf die Ortsvereine Reinfeld, Bad Oldesloe, Bargteheide, Tangstedt und Südstormarn. Die nötigen Kontaktangaben sind im Internet unter der Adresse www.landfrauen-stormarn.de zu finden.

Landfrauen wollen ihre Werte auch an Jüngere weitergeben

„Die Stimmung gegenüber Neuankömmlingen auf unseren Veranstaltungen ist positiv, es wird miteinander geredet, Aufgeschlossenheit ist selbstverständlich,“ sagt Röhr. „Wir kümmern uns, wenn es einem unserer Mitglieder gesundheitlich nicht gut geht – weil es ein gutes Netzwerk gibt.“ Auf die Frage, wo sie die Landfrauen in 20 Jahren sieht, antwortet Ulrike Röhr nach kurzer Gedankenpause: „Die Landfrauen werden eine stabile Gruppe bleiben, die sich kontinuierlich weiterentwickelt, Werte generationsübergreifend weitergibt und dabei den Spagat zwischen Tradition und Moderne bewältigt.“