Resümee

Ex-VHS-Chefin kritisiert Ahrensburger Politik und Verwaltung

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Gisela Euscher ist seit 2003 an der VHS Ahrensburg tätig. Bis 2016 war sie deren Leiterin.

Gisela Euscher ist seit 2003 an der VHS Ahrensburg tätig. Bis 2016 war sie deren Leiterin.

Foto: Filip Schwen

Zum endgültigen Abschied verweist Gisela Euscher auf Personalengpass. Und sie äußert Wünsche.

Ahrensburg. Gisela Euscher war immer ganz nah dran an den gesellschaftlichen Entwicklungen in Ahrensburg. 14 Jahre leitete sie die Volkshochschule (VHS) der Schlossstadt, zeichnete verantwortlich dafür, welche Schwerpunkte das Kursangebot der Einrichtung setzte. „Es sollen Inhalte sein, die die Menschen bewegen“, sagt sie. 2016 zog sich Euscher aus privaten Gründen vom Chefposten zurück, blieb der VHS aber als Pädagogin für die Bereiche Gesellschaft und Kultur erhalten. Jetzt wechselt sie nach 16 Jahren in den Ruhestand.

Im Jahr 1981 kam Euscher nach Ahrensburg

„Ich habe Vieles gelernt. Besonders, gemeinsam als Team Dinge voranzubringen“, sagt sie im Rückblick. 1981 zieht Euscher nach Ahrensburg. Nach Stationen im Jugendzentrum Bruno-Bröker-Haus und als Referentin für Berufs- und Weiterbildung beim Hamburger Senat übernimmt die Diplom-Pädagogin 2003 die Leitung der Ahrensburger VHS. Ihre Hauptaufgabe wird die Anpassung an den bundesweiten Markenauftritt der Volkshochschulen. Doch die größte Herausforderung kommt 2015 auf Euscher zu: „Die Flüchtlingskrise erforderte es, blitzschnell ein breites Angebot an Integrationskursen auf die Beine zu stellen.“ Mit dem Ergebnis ist sie zufrieden.

Die VHS besitze eine hohe Integrationskraft, nicht nur für Menschen mit Migrationshintergrund, sondern für alle neu zugezogenen Ahrensburger. Von zentraler Bedeutung für das Wirken der VHS sei die Verankerung in der Stadt, in Netzwerken: „Sie muss überall ihren Fuß drinnen haben“, sagt Euscher. Mehr als 1000 Neu-Ahrensburger im Baugebiet Erlenhof müssten in das soziale Leben der Stadt eingebunden werden, suchten Anlaufstellen. Unternehmen und Verwaltung seien auf die Volkshochschule als Fortbildungseinrichtung angewiesen.

Personal-Vakanz schlage sich im Kursangebot nieder

Im Bereich der Bürgerbeteiligung hätte Euscher gern mehr umgesetzt. „Ich wünsche mir eine Vertretung der Kursteilnehmer und eine Dozentenvertretung“, sagt sie. Auch das Kuratorium, bestehend, aus Bürgern, Dozenten, Politikern, Verwaltung, Unternehmensvertretern, Kirchen und Gewerkschaften, hätte Euscher gern wiederaufleben lassen. Sie blicke mit Sorge in die Zukunft, personelle Engpässe machten der Bildungseinrichtung zu schaffen. „Innerhalb weniger Monate verlassen uns inklusive mir vier pädagogische Mitarbeiter, aber bisher ist nur eine Stelle nachbesetzt“, sagt sie. Dabei würden die dringend benötigt, um die rund 200 Dozenten in sieben Fachbereichen zu betreuen, den Kursplan zu erstellen und die strategische Ausrichtung zu koordinieren.

„Politik und Verwaltung könnten der Volkshochschule mehr Aufmerksamkeit schenken“, sagt sie. Es dauere zu lang, bis die Stellen zur Neubesetzung ausgeschrieben würden. „Aber wir brauchen Planungssicherheit, die VHS erstellt im Herbst ihr Programm für das kommende Frühjahr.“ Die Vakanz schlage sich im Kursangebot nieder. „Mein Posten als Leiterin ist seit fast drei Jahren nur interimsweise besetzt“, beklagt Gisela Euscher.

Ihrem Nachfolger, der voraussichtlich noch im Sommer seinen Posten antreten wird, gibt sie den Tipp. Besonders die Bildungsbedarfe der jungen Leute genau im Blick zu behalten. „Digitalisierung, neue Kommunikationsformen und der Umgang mit Fakten zeichnen sich als bestimmende Themenfelder ab.“

( fsn )

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