Stormarn
Reinbek/Bad Oldesloe

Wie Kliniken in Stormarn um Pflege-Nachwuchs werben

Sie sind auf dem Weg zur Pflegefachkraft (v. l.): Anna Lena Koopmann, Michelle Goletz, Gabriel Holst und Lisa Lindenthal.

Sie sind auf dem Weg zur Pflegefachkraft (v. l.): Anna Lena Koopmann, Michelle Goletz, Gabriel Holst und Lisa Lindenthal.

Foto: Andrea Schulz-Colberg / HA

Aktionen gegen Fachkräftemangel und ein lädiertes Berufsbild. Reinbeker Krankenhaus St. Adolf-Stift lädt zum Ausbildungsparcours.

Reinbek. Das Image ist lädiert. Wer in einem Krankenhaus in der Pflege arbeitet, muss mit Drei-Schichten-System klarkommen und körperlich wie psychisch belastbar sein. Nicht jeder ist dem gewachsen – wie das so ist, wenn zum Beruf zugleich Berufung gehört. Um vor allem junge Menschen als Gesundheits- und Krankenpfleger zu gewinnen, unternehmen die Krankenhäuser im Kreis Stormarn viel, um zu zeigen, wofür dieser Beruf auch steht: sinnstiftende und erfüllende Arbeit mit und für kranke Menschen.

Zahl der Ausbildungsplätze in Pflegeschule verdoppelt

Das Reinbeker Krankenhaus St. Adolf-Stift richtet deshalb am morgigen Freitag, 21. Juni, einen Ausbildungsparcours in der hauseigenen Pflegeschule aus, den zweiten dieser Art. „Im vergangenen Jahr waren 120 Besucher da – ein toller Erfolg“, sagt Krankenhaus-Sprecherin Andrea Schulz-Colberg.

An seiner Pflegeschule bildet das Krankenhaus in Reinbek bereits seit 1952 aus: rund 1500 Schüler in 72 Jahrgängen. Dass die Fachkräfte von morgen heute ausgebildet werden müssen, weiß auch das Land Schleswig-Holstein – im vergangenen Jahr bewilligte es eine Aufstockung der Ausbildungsplätze von 69 auf 150 im März 2020. „Das ist eine Verdopplung innerhalb von drei Jahren“, sagt Schulz-Colberg.

Gute Übernahmechancen im Anschluss

Aktuell werden an der Pflegeschule 101 Auszubildende unterrichtet, weitere 30 starten am 1. September. Und im März 2020 kommen noch einmal bis zu 30 neue Pflegeschüler hinzu. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Der Verdienst im ersten Jahr: 995 Euro, plus Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Die Theorie umfasst 2100 Stunden (Blockunterricht), die Praxis 2500 Stunden, gute Perspektiven eingeschlossen: wer das Examen nach drei Jahren besteht, hat hervorragende Chancen, übernommen zu werden. Eine Besonderheit ist in Reinbek die im Herbst 2018 eröffnete Schülerstation, die vom Pflegenachwuchs eigenverantwortlich organisiert wird – angeleitet und beaufsichtigt von erfahrenen Pflegekräften, versteht sich. Eine ideale Vorbereitung auf den Berufsalltag, die das Selbstvertrauen stärkt, so fasst Schulleiterin Christa Knigge die Vorteile dieser neuen Station zusammen.

Pro Jahr werden in Reinbek mehr als 19.000 stationäre sowie rund 25.000 ambulante Patienten behandelt. 950 Menschen arbeiten insgesamt in dem Krankenhaus, eine Großteil davon (etwa 500) im Pflegedienst. 334 Mitarbeiter sind examinierte Pflegekräfte – Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger oder Operationstechnische Assistenten. Allein in diesem Jahr hat das Krankenhaus bisher schon 46 examinierte Pflegekräfte eingestellt – darunter auch die zehn philippinischen Pflegekräfte, die kürzlich ihren Anerkennungslehrgang bestanden haben (das Abendblatt berichtete). Sechs weitere Pflegekräfte sind Anfang Juni nach Deutschland gekommen. Zusätzlich erwartet das Krankenhaus in diesem Jahr noch weitere Fachkrankenpfleger von den Philippinen für die Bereiche Intensiv und Anästhesie: „Diese Stellen sind besonders schwer zu besetzen“, sagt die stellvertretende Pflegedirektorin Jennifer Siewert.

Mit Online-Marketing gegen ein ramponiertes Image

Ein ganzes Paket wurde in Reinbek geschnürt, um Fluktuation zu reduzieren und neue Mitarbeiter zu gewinnen. Die Ausbildung des Nachwuchses ist nur ein Bestandteil. Flexible Arbeitszeiten, Angebote speziell für junge Eltern und Karriereplanung gehören auch dazu. Ebenso wie die Digitalisierung: „Im Vergleich zu anderen Häusern sind wir da schon sehr weit“, sagt Jennifer Siewert: „Diese digitale Pflegedokumentation entlastet sehr vom Papierkram.“

Vom Fachkräftemangel betroffen ist natürlich auch die Asklepios Klinik Bad Oldesloe. Das Problem trifft schließlich alle Gesundheitseinrichtungen. Viele Menschen hätten noch ein längst überholtes Bild von Krankenschwestern im Kopf, sagt Asklepios-Sprecher Mathias Eberenz: „Aber die Zeiten haben sich verändert und damit auch die Anforderungen an den Beruf.“ Um diese Botschaft zu transportieren, setze die Klinik in Bad Oldesloe unter anderem auf „forciertes und ansprechendes Online-Marketing“. „Videos zur und über die Ausbildung sollen potenzielle Bewerber mehr ansprechen“, sagt Eberenz. Zudem setzt die Klinik auch auf Job-Messe, den Tag der offenen Tür und Schülerpraktika.

In der Asklepios Klinik werden jährlich rund 6000 Patienten stationär und 6800 im Medizinischen Versorgungszentrum behandelt. Die Zentrale Notaufnahme bringt es auf 8500 Patientenkontakte. Es gibt 40 Vollzeitstellen für Ärzte (die Anzahl der dort beschäftigten Mediziner ist höher, da viele in Teilzeit arbeiten). So ist es auch bei den Pflegekräften, für die das Haus 98 Vollzeitstellen ausweist. Aktuell arbeiten zudem acht Auszubildende in der Pflege. Für weitere acht beginnt am 1. November der nächste Ausbildungskurs.

Pflegeausbildung Konkret. Von Schülern für Schüler: Der Schnuppertag in der Pflegeschule am Krankenhaus St. Adolf-Stift in Reinbek, Hamburger Straße 41, beginnt Freitag, 21. Juni, um 10.30 und endet gegen 15.30 Uhr.