Stormarn
Veranstaltung im KuB

Bad Oldesloe: Studenten zeigen die Oper „Weiße Rose“

Christin Stanowsky (Sopran) und Martin Trømsborg (Bariton) von der Musikhochschule Lübeck spielen die Geschwister Scholl.

Christin Stanowsky (Sopran) und Martin Trømsborg (Bariton) von der Musikhochschule Lübeck spielen die Geschwister Scholl.

Foto: Finn Fischer

Die Künstler führen die „Weiße Rose“ im KuB in Bad Oldesloe auf. Der preisgekrönter Regisseur verzichtet komplett auf Requisiten.

Bad Oldesloe.  Es sind die Stunden vor der endgültigen Dunkelheit: Den inneren Kampf zweier junger Menschen in einer Todeszelle zeigt die Oper „Weiße Rose“, die an diesem Sonnabend von Studenten der Musikhochschule Lübeck im Kultur- und Bildungszentrum (KuB) in Bad Oldesloe aufgeführt wird. Acht Gesangssolisten verkörpern in einer eindrucksvollen Inszenierung die Gefühlswelt der von den Nazis zum Tode verurteilten Geschwister Hans und Sophie Scholl, wie sie versuchen, ihre Todesangst Stunden vor der Urteilsvollstreckung in Visionen, Selbstgesprächen und reflektierten Monologen zu verarbeiten.

Dabei kommt die von Regisseur Selçuk Cara umgesetzte Zimmermann-Oper ohne Effekthascherei, pathetische Heldeninszenierung, Geschrei, Requisiten und aufwendige Kostüme aus. Nur Licht, Schatten, Nebel, Gesang und Schauspiel. Für Cara ist Reduktion eines der stärksten Stilmittel, die die Opernwelt zu bieten hat: „Wir wollen die Gefühle zeigen und die Gedanken, die diesen beiden Menschen womöglich in der Todeszelle kamen.“ Alles, was dabei stören könnte, hat der preisgekrönte Regisseur und Opernsänger mit Zustimmung Udo Zimmermanns und des Verlags gestrichen. Selbst auf das Finale, den Tod der Geschwister Scholl, wird verzichtet. Ebenso wie auf die übliche „Moral von der Geschichte“ am Ende des Stücks.

Selçuk Cara bezeichnet das Konzept als Wandeloper

Vielmehr schwingt diese im Subtext der Inszenierung mit: Die Nazis konnten vielleicht die Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl umbringen, ihre Gedanken aber nicht. Nicht nur inhaltlich hat das Stück nur noch wenig mit einer Oper im klassischen Sinne gemein. Die Bühne ist schon aufgebaut, diesmal als Podest in der Mitte des Raumes. Eine klassische, frontale Oper werden die Zuschauer hier nicht zu sehen bekommen. Stattdessen finden sie sich inmitten des Schauspiels wieder.

Als Wandeloper bezeichnet Selçuk Cara das Konzept. Reduziert ist auch die Ausstattung des Saals: Stühle gibt es keine. Nur eine Sitzreihe, damit sich Zuhörer bei Bedarf während der 70 Minuten langen Oper ausruhen können. Sonst können und sollen sie sich frei um die Bühne herum bewegen. Begleitet werden die Studierenden von einem Kammerorchester der Musikhochschule Lübeck unter der Leitung von Professor Robert Roche.

Das Orchester spielt auf einer Empore

Auch hier weichen die Theatermacher von den üblichen Normen ab. Das Orchester spielt diesmal nicht auf der Bühne, sondern oberhalb des Geschehens auf der Empore. „Bis Probenbeginn wussten wir nicht, wie das wirken würde, aber es funktioniert“, sagt Roche. Die Auslagerung der Instrumente hat einen pädagogischen Grund. Die Sänger, sagt Cara, sollen nicht immer zum Dirigenten schauen, um ihren Einsatz nicht zu verpassen, sondern auf die Musik hören. Bei den Proben wird deutlich: Die mittlerweile mehrjährige Kooperation zwischen dem KuB und der Musikhochschule bietet ein perfektes Umfeld und viel Raum für Experimente. Cara jedenfalls ist zufrieden: „Ich würde das Stück, so wie es jetzt ist, auch in jedem anderen Opernhaus der Welt aufführen.“

Die „Weiße Rose“ wird am Sonnabend, 15. Juni, um 20 Uhr im Saal des Kultur- und Bildungszentrums (Beer-Yaacov-Weg 1) aufgeführt. Karten gibt es für 18,50 Euro (erm. 12,50 Euro) im Vorverkauf und für 20,50 (erm. 14,50 Euro) an der Abendkasse. Tickethotline: 04531/504-199. Infos unter www.kub-badoldesloe.de.