Stormarn
Ahrensburg

Sexueller Missbrauch: Opfer kritisieren die Kirche

Betroffenen-Sprecher Anselm Kohn

Betroffenen-Sprecher Anselm Kohn

Foto: Martina Tabel

Ahrensburger Initiative fordert „Gauck-Behörde für Missbrauchsinformation“. Präventionsarbeit der Kirche sei unzureichend.

Ahrensburg. Als Nachweis für einen ernsthaften Willen, Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen aufzuarbeiten, fordert die Initiative „Missbrauch in Ahrensburg“ eine Art „Gauck-Behörde für Missbrauchsinformationen“. „Die Aufarbeitung bereits geschehenen sexuellen Missbrauchs in unserer Gesellschaft bleibt weit hinter den Erwartungen der Betroffenen zurück“, sagt Sprecher Anselm Kohn.

In einer Erklärung kritisieren sein Bruder Stephan Kohn und er die bisherigen Präventionsbemühungen der Kirchen und des Bundesbeauftragten für sexuellen Missbrauch als unzureichend. Sie griffen immer noch zu kurz und seien damit zum Scheitern verurteilt.

Anlass für die Kritik war ein Fachtag in Hannover, bei dem die evangelische Kirche über den Stand der Aufarbeitung informiert hatte. Bischöfin Kirsten Fehrs kündigte dort am Dienstag an, dass die Kirche eine zentrale Anlaufstelle für Opfer sexualisierter Gewalt einrichten werde. Sie solle eine „Lotsenfunktion bei der Aufarbeitung“ übernehmen. Die Anlaufstelle ist Teil eines Elf-Punkte-Plans, den die Synode der Evangelischen Kirche im Herbst 2018 beschlossen hatte.

Initiative: Kirchliche Freiheiten auf den Prüfstand stellen

Auch weitere Studien sind geplant. Dazu sagt Anselm Kohn: „Was wir nicht gebrauchen können, ist das ewige Ankündigen von Studien, Berichten und Absichtsplänen.“ Die Initiative fordert stattdessen, dass Strukturen und Prozesse innerhalb der Kirchen verändert werden. „Sie sind einer der Gründe dafür, dass unzählige Missbräuche geschehen konnten“, heißt es in der Erklärung. Auf den Prüfstand gehöre auch die Freiheit, die den Kirchen hinsichtlich eigener Gesetzgebung und Rechtsprechung eingeräumt werde. Zudem müsse die Kirche „tätige Reue“ durch Kompensation oder Entschädigung zeigen. Alles andere sei keine Aufarbeitung, so die Initiative.

In den 1970er- und 80er-Jahren hatte ein Pastor der evangelischen Kirchengemeinde Ahrensburg Kinder und Jugendliche missbraucht, darunter auch seine Stiefsöhne. Die Taten kamen erst 2010 ans Licht, nachdem sich ein Opfer der damaligen Bischöfin Maria Jepsen anvertraut und Aufklärung gefordert hatte. Diese informierte das Kirchenamt in Kiel. Strafrechtlich waren die Taten des Pastors zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits verjährt.