Stormarn

ADFC: Schotterpisten gefährden Radfahrer

| Lesedauer: 6 Minuten
René Soukup
Am Ostring in Großhansdorf beginnt an der Grenze zu Ahrensburg eine Waldstrecke für Radfahrer. Auch hier wurde Schotter mit großen Steinen aufgeschüttet. Das ist für Radfahrer brandgefährlich. Jürgen Hentschke vom ADFC warnt vor dem Befahren.

Am Ostring in Großhansdorf beginnt an der Grenze zu Ahrensburg eine Waldstrecke für Radfahrer. Auch hier wurde Schotter mit großen Steinen aufgeschüttet. Das ist für Radfahrer brandgefährlich. Jürgen Hentschke vom ADFC warnt vor dem Befahren.

Foto: René Soukup

Viele in Tourenkarten genannte Routen wie in Trittau, Glinde oder Ahrensburg sind nach Ansicht des Radclubs ungeeignet.

Ahrensburg.  Ungezählte spitze Steine, viele von ihnen fünf Zentimeter lang, bilden auf mehreren Hundert Metern eine Schotterschicht – zum Beispiel im Beimoorwald zwischen Ahrensburg und Hammoor, aber auch auf zahlreichen anderen Waldwegen in Stormarn. Diese sind in Radführern als offizielle Routen aufgeführt. Für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) ist die Beschaffenheit des Bodens ein Ärgernis. Er warnt vor erhöhter Sturzgefahr.

„Mich haben etliche Radfahrer, die nicht in unserem Verein organisiert sind, auf die misslichen Zustände angesprochen“, sagt Jürgen Hentschke, Stormarns stellvertretender ADFC-Vorsitzender. Der 65-Jährige kennt alle Radrouten im Kreis und organisiert Touren, an denen in der Regel zwischen 25 und 30 Personen teilnehmen. „Wegen des Schotters habe ich für den Bereich Ahrensburg drei Strecken aus dem Programm gestrichen“, so der Ammersbeker. Er vergleicht das Fahren auf dem Untergrund mit jenem auf Kopfsteinpflaster. „Man rutscht hier seitlich weg. Die Wege werden von etlichen Radurlaubern genutzt. Es ist unmöglich, mit 30 Kilo Gepäck voranzukommen.“ Es werde jedes Jahr schlimmer, weil immer mehr Strecken auf diese Art und Weise geschottert würden. Früher, sagt Hentschke, war der Untergrund feinkörniger und mehr mit Sand vermischt. Sein Wunsch ist zugleich eine Forderung: Die Wege sollen an der Oberfläche wieder genauso verdichtet werden, um die Gefahr für Radfahrer zu bannen.

Frau des Vize-Vereinsvorsitzende verletzte sich bei einem Sturz

2018 ist laut Hentschke eine ältere Frau bei einer ADFC-Tour im Beimoorwald gestürzt und hat sich Schürfwunden zugezogen. Schlimmer erwischte es seine Frau Gabi im Mai dieses Jahres. Auch sie katapultierte auf einer Schotterpiste vom Rad, schlug sich den Bereich rund um die Kniescheibe auf und zog sich eine schmerzhafte Prellung zu. Die 64-Jährige sei drei Wochen extrem bewegungseingeschränkt gewesen, habe weder Autofahren noch Einkaufen können. Dabei hatte sie noch Glück im Unglück, war nämlich so schnell weggerutscht, dass keine Zeit blieb, um auch nur ein bisschen zu reagieren – etwa den Fuß von der Pedale zu nehmen, um damit zuerst den Boden zu berühren. Gabi Hentschke hätte auch zuerst mit der Schulter auf die spitzen Steine fallen können. Verletzungen an dieser Stelle des Körpers sind oft langwierig.

Auch die breiten Reifen von Mountainbike sind wenig hilfreich

Wer meint, er sei auf solchen Wald- und Feldwegen mit einem Mountainbike auf der sichereren Seite, irrt gewaltig. „Breitere Reifen bringen überhaupt nichts“, sagt Jürgen Hentschke. Er rät dazu, auf den Schotterpisten vom Rad zu steigen und zu schieben.

Wege mit dem für Radfahrer so gefährlichen Untergrund gibt es vielerorts in Stormarn. Hentschke sagt: „Die gesamte Hahnheide in Trittau ist betroffen.“ Zudem nennt er einen Abschnitt in Jersbek am Oberteicher Weg, die Bahntrasse von Bad Oldesloe Richtung Grabau sowie einen Waldweg in Glinde, der ins Industriegebiet führt. Im Beimoorwald sowie an anderen Stellen hat sich das Abendblatt selbst ein Bild vor Ort gemacht. Etwa auf dem Feldweg vom Barsbütteler Ortsteil Stemwarde nach Langelohe. Hier kommt erschwerend hinzu, dass der Boden mit Schlaglöchern übersät ist, die teilweise knöcheltief sind.

Viele kantige Steine auf dem Kuhlenmoorweg in Ahrensburg

Jede Menge kantige Steine liegen auch auf dem Kuhlenmoorweg in Ahrensburg bei der Moorwanderbrücke – eine bei Radfahrern beliebte Strecke. Dort wechseln sich Bereiche mit groben Schotter und für den ADFC unbedenkliche ab. „Das ist sehr trügerisch. Man denkt hier ans Tempomachen und ist gleich wieder in der nächsten Gefahrenzone“, sagt Hentschke. Noch achtsamer müssen Radfahrer auf dem Waldweg in Großhansdorf am Ostring an der Grenze zu Ahrensburg wegen des Gefälles sein sein. Hentschke hebt mehrere große Steine auf, sagt: „Hier ist nichts fest, dabei wurde schon vor drei Jahren geschottert.“ Dieser Zustand sei unhaltbar.

Forstwirtschaftswege müssen 40 Tonnen schwere Lastwagen aushalten

Zuständig für den Wald in Großhansdorf sind die schleswig-holsteinischen Landesforsten mit Hauptsitz in Neumünster, gegründet als Anstalt öffentlichen Rechts im Januar 2008. Das Unternehmen trägt Verantwortung für rund ein Drittel der 173.412 Hektar großen Waldfläche des Landes, ist mit einem Umsatz von zuletzt rund 15 Millionen Euro allein aus dem Holzverkauf ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. In mehr als 30 Förstereien sitzen die Ansprechpartner vor Ort.

Das Sagen in Großhansdorf sowie im Beimoorwald hat die Försterei Lütjensee in Person von Andreas Körber. Er betont gegenüber dem Abendblatt die Notwendigkeit des auch aus größeren Steinen bestehenden Schotters: „Es handelt sich hier um Forstwirtschaftswege, die 40 Tonnen schwere Lastwagen aushalten müssen.“ Ionut Huma, Sprecher der Landesforsten, begründet die aktuelle Bearbeitung der Wege so: „Früher war es Praxis, dass ein kiesähnliches Material verwendet wurde. Da es sich aber aufgrund seiner runden Struktur schlecht verzahnte, nutzt man seit einigen Jahren gebrochenen Granitstein.“ Dieser verzahne sich besser und setze sich auch nach drei bis vier Wochen. „Es tut uns leid, dass Erholungssuchende sich kurzfristig einschränken müssen“, so Huma. Die Verärgerung darüber sei für ihn nachvollziehbar.

Er nennt noch einen weiteren Aspekt, der ihm wichtig ist und nicht die Holzabfuhr betrifft. Die Wege dienten auch der Schadensbekämpfung, beispielsweise nach Stürmen oder Waldbränden. „Zudem können Rettungskräfte bei der Waldarbeit oder in der Freizeit verunfallte Personen schnell erreichen und retten.“

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