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Ammersbek

Dorfgeschichte: als Hoisbüttel Soldaten gefangen hielt

Ammersbeks Bürgermeister Horst Ansén und Archivarin Angela Behrens.

Ammersbeks Bürgermeister Horst Ansén und Archivarin Angela Behrens.

Foto: HA

Aufwendig aufgearbeitete Dokumente werfen Schlaglicht auf Geschichte des Ammersbeker Ortsteils. Doch noch bleiben einige Fragen offen.

Ammersbek.  Ein völlig unbekanntes Kapitel der Hoisbütteler Dorfgeschichte brachte ein Dachbodenfund in dem Ammersbeker Ortsteil zu Tage. Demnach waren in den Jahren des Ersten Weltkrieges mehrere Kriegsgefangene im Ort untergebracht. In der Spitze haben 24 feindliche Soldaten im Jahr 1917 in Hoisbüttel gearbeitet. Woher sie kamen, was nach Kriegsende mit ihnen geschah und wo sie gearbeitet haben, ist noch unklar.

„Spannende Fragen, die durch den Fund aufgeworfen wurden“, sagt Angela Behrens, die das Ammersbeker Gemeindearchiv leitet. Vor drei Jahren brachte der hiesige Bürgerverein 9000 Papiere zu der Historikern. Nach einer aufwendigen zweijährigen Restaurierung und Digitalisierung durch eine Leipziger Spezialfirma ist jetzt klar, was für ein historischer Schatz damals geborgen wurde.

Haushaltsauflösung brachte Dokumente ans Licht

Neben den Blättern zu den Kriegsgefangenen, die nach Einschätzung der Historikerin auch landesweit Relevanz für weitere Forschungsarbeiten haben dürften, bietet das Konvolut Gemeindeunterlagen aus der Zeit zwischen 1890 und Mitte der 1930er-Jahre, die erstmals einen detaillierten Blick auf die Dorfgeschichte ermöglichen.

Themen sind beispielsweise der Neubau der Volksschule, die Organisation der Feuerwehr, Wahlen, Viehzählungen und Gewerbeanmeldungen. Unter den Papieren fand die Historikerin außerdem das Plakat einer bäuerlichen Versicherung, die vor typischen Arbeitsunfällen in der Landwirtschaft warnt und dabei etwa zur Vorsicht im Umgang mit der Sense mahnt. Aufgetaucht waren die vergilbten und porösen Blätter bei einer Haushaltsauflösung in Kisten und Kartons auf dem Dachboden der Hoisbütteler Villa, die einst Erwin Münch gehörte. Münch war zwischen den Jahren 1934 und 1944 Bürgermeister im Ort.

Land förderte Aufarbeitung

„Ich bin froh, dass die Papiere ins Rathaus gelangt sind“, sagt Ammersbeks Bürgermeister Horst Ansén, der sich auch über eine Förderung aus dem Landesprogramm zum Erhalt schriftlichen Kulturgutes freut: Rund 29.000 Euro gab es für das 32.200-Euro-Projekt aus Kiel. Ammersbek steuerte 3200 Euro bei.

Die digitalen und restaurierten Akten werden jetzt sortiert und archiviert. Mit einem Abschluss sei frühestens Ende 2020 zu rechnen. Dann sollen die Daten auch in der Wissensdatenbank der Deutschen Digitalen Bibiliothek hochgeladen werden. Wer das Konvolut bereits jetzt einsehen möchte oder eine Frage zur Zeit hat, kann sich im Archiv der Gemeinde melden.