Stadtentwicklung

Bargteheide: „Seeteufel“ ist plötzlich ein Denkmal

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Der Pavillon "Seeteufel" am Bargteheider Bahnhof. 

Der Pavillon "Seeteufel" am Bargteheider Bahnhof. 

Foto: HA / Lutz Kastendieck

Der Pavillon aus den 1960er-Jahren soll jetzt in die Neugestaltung des Bahnhofsumfelds integriert werden.

Bargteheide.  Kürzlich ist der Stadtverwaltung Post vom Landesamt für Denkmalpflege ins Rathaus geflattert, die dort einiges Erstaunen ausgelöst hat. Darin wird mitgeteilt, dass der Pavillon gegenüber dem Bahnhof, Eingeweihten besser bekannt als „Seeteufel“, Mitte April in die Liste geschützter Kulturdenkmale des Landes Schleswig-Holstein aufgenommen worden ist.

„Das hat sogar die Fachleute in der Bauabteilung überrascht. Offenbar soll jetzt der Charme der 1960er-Jahre konserviert werden“, sagt Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht. Seit dem Ende des ehemaligen Fischrestaurants 2015, in dem sich etliche Pächter erfolglos versucht haben, wirkt das Lokal zunehmend vernachlässigt. In einschlägigen Internetforen kursieren seit Längerem Vorschläge, das Gebäude einfach abzureißen und mehr Parkplätze für den Bahnhof einzurichten.

Charakteristisches Zeugnis moderner Kleinarchitektur

Dieser Option hat das Landesamt für Denkmalpflege nun eine ultimative Absage erteilt. Der 1968/69 erbaute Pavillon mit dem Schmetterlingsdach gilt als „seltener Vertreter dieser Baugattung“, er sei „ein charakteristisches Zeugnis moderner Kleinarchitektur seiner Zeit“ und in seiner Art „stadtbildprägend“, heißt es in dem Schreiben.

Nach dem Eigentümerwechsel im Vorjahr hat die Stadt bereits einen Baustopp verhängt. Das gesamte Bahnhofsumfeld gehört neben der Rathausstraße zu jenem Innenstadtbereich, das mittels eines Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) umgestaltet und dadurch deutlich aufgewertet werden soll. Da für das Areal der einstigen Schankwirtschaft kein Vorkaufsrecht seitens der Stadt notariell festgeschrieben ist, wollte es die Kommune im Vorjahr ursprünglich selbst erwerben, unterlag aber einem Mitbewerber.

Fahrradparkhäuser sollen mehr Stellplätze bekommen

Durch die Entscheidung der Denkmalschützer sieht die Stadt nun gute Chancen, hinsichtlich des Pavillons wieder ins Geschäft zu kommen. Bekanntermaßen sind Denkmalschutz-Auflagen hoch. Da im Zuge der Städtebauförderung bis zu zwei Drittel aller geplanten Maßnahmen zuschussfähig sind, könnte die Kommune notwendige Sanierungen sicher leichter finanzieren als ein privater Investor.

Auch für die andere Seite der Bahnhofstraße gibt es neue Ideen und Pläne. Bereits im Oktober des Vorjahres hatte die Raiffeisenbank Bargteheide das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude erworben, um sich „mit dem kleinen Tor zur Welt aktiv an der Neugestaltung des Bahnhofsumfelds beteiligen zu können“, so Vorstandsmitglied Matthias Behr. Durch den Neubau der S-Bahnlinie 4 stehen die Bahnsteige vor einem aufwendigen Umbau. In diesem Zusammenhang fordern die Grünen in einem aktuellen Antrag zwei eingeschossige Fahrradparkhäuser für je 100 Räder westlich und östlich der Bahntrasse. „Die momentanen Kapazitäten reichen schon jetzt nicht mehr aus, der Stellplatzbedarf wird in Zukunft sogar noch zunehmen“, sagt Fraktionschefin Ruth Kastner.

Unterstützung erhalten die Grünen von der Wählergemeinschaft für Bargteheide. Auch sie plädiert schon jetzt für deutlich mehr Stellplätze. „Wir wollen eine Sammelschließanlage auf der Westseite des Bahnhofs mit zunächst 56 Plätzen“, so der WfB-Vorsitzende Gerhard Artinger. Gleichzeitig sollen die vorhandenen Stellplätze von 94 auf 160 aufgestockt werden. Damit sei zugleich gesichert, dass vorhandene Bäume erhalten blieben und Pkw-Parkplätze nicht wegfallen müssten.

( luka )

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