Stormarn
Reinbek

Neue Ausstellung im Schloss zeigt „Bilder vom Ankommen“

In seiner Fotomontage stellt Jamaluddin Hussein die Zerstörung einer irakischen Stadt einer Ansicht des Reinbeker Schlosses gegenüber.

In seiner Fotomontage stellt Jamaluddin Hussein die Zerstörung einer irakischen Stadt einer Ansicht des Reinbeker Schlosses gegenüber.

Foto: Jamaluddin Hussein

Ausstellung lädt dazu ein, die Perspektive zu wechseln und die Heimat aus einem neuen Blickwinkel zu entdecken. Eröffnung am 2. Mai.

Reinbek.  Die Fotografien der Ausstellung „Bilder vom Ankommen“ sind eine Einladung an die Besucher, einen Perspektivwechsel zu vollziehen und Heimat aus einem neuen Blickwinkel zu entdecken. Am Donnerstag, 2. Mai (19 Uhr), wird die Bilderschau im Reinbeker Schloss eröffnet. Die gezeigten Arbeiten sind das Ergebnis eines gemeinsamen Workshops von Geflüchteten und Menschen ohne Migrationshintergrund.

Das Konzept des Projekts haben die Verantwortlichen von Reinbeker Flüchtlingsinitiative, Kulturzentrum Reinbek und der Volkshochschule (VHS) Sachsenwald erstellt. Es nutzt Fotografie als verbindendes und kommunikatives Element – in einem ersten Schritt zwischen Teilnehmern des Workshops und im zweiten zwischen den Kreativen und den Besuchern der Ausstellung. Das Fotoprojekt gehört zu der kreisweiten Veranstaltungsreihe „Fliehen – einst geflohen. Geschichten von Flucht und Vertreibung in Schleswig-Holstein“, die vom Museumsnetzwerk Stormarn-Lauenburg im Kulturknoten Mölln koordiniert wird.

Die Bilder entstanden innerhalb von 14 Tagen

„Die Aktion ist gut angenommen worden“, lautet das Fazit der Leiterin des Kulturzentrums Elke Güldenstein, die die Zusammenarbeit mit der VHS lobt. Bei dem Vorhaben sei es nicht allein um die individuelle Beschäftigung mit dem Thema Flucht gegangen, sondern um die kreative und integrative Arbeit im Workshop. „Mit dem Workshop ist das Wichtigste bereits passiert. Wir wollten nicht nur etwas zeigen, sondern auch den Schaffensprozess begleiten“, erläutert Güldenstein, die die Vernissage als i-Tüpfelchen des Projekts bezeichnet.

Das Fotografieren und die anschließende Bildbearbeitung böten Möglichkeiten, sich ganz praktisch untereinander auszutauschen und auf dieser Ebene miteinander in Kontakt zu treten. Die Kulturchefin ist sich sicher: „Das Tun an sich wirkt schon integrativ.“

Das kann Karin Tillmanns bestätigen. Die Reinbeker Künstlerin, die sich nebenbei um die Homepage der Reinbeker Flüchtlingsinitiative kümmert, hat sich mit ihrem Mann Fred an dem Projekt beteiligt. Die Zusammensetzung der Teilnehmer war ausgewogen: Vier Geflüchteten – drei Männern und einer Frau – standen dabei vier Einheimische gegenüber. „Das Wetter an den beiden Workshop-Wochenenden war schlecht, aber wir hatten 14 Tage Zeit, die Bilder zu machen“, erzählt Tillmanns. Die Arbeit des Cameo-Kollektivs, das den Workshop leitete, schildert sie als professionell und ideenreich. „Es gab Erfahrungsübungen, bei denen Gefühle provoziert wurden“, sagt sie. Gefühle wie Fremdheit und das Ausgeschlossensein von einer Gruppe. Das habe geholfen, die eigene Sichtweise zu reflektieren: „Es war sehr berührend“, beschreibt sie diese Erfahrung.

Die Künstler sind bei der Vernissage anwesend

Nach ihrer Einschätzung trauen sich Flüchtlinge normalerweise nicht so nach vorne. Daher habe sie einige zuvor persönlich auf den Workshop hingewiesen. Alle hätten gut zusammengearbeitet, den Umgang mit Bildbearbeitungsprogrammen erlernt, ihre Ergebnisse gegenseitig beurteilt und gemeinsam eine Auswahl getroffen. Diese zeigt Facetten dessen, was es heißt, neu in einer Gesellschaft oder Gruppe anzukommen: von einer Porträt-Serie über neu angekommene Reinbeker, eine künstlerische Arbeit über eine Mauer, die das Ankommen blockiert, bis zum Foto-Essay über das Ankommen am Meer. Die Künstler sind bei der Vernissage anwesend.

Vernissage Do 2.5., 19.00 Uhr, Ausstellung bis 16.6., Mi-So 10.00 bis 17.00 Uhr, Schloss Reinbek, Schlossstraße 5, Eintritt Vernissage frei.