Kommunalpolitik

Reitbahn und Kino: Der große Schlagabtausch in Ahrensburg

| Lesedauer: 7 Minuten
Janina Dietrich
Das Bauprojekt Alte Reitbahn hat die Ahrensburger Politik in zwei Lager gespalten. Befürworter des Vorhabens sind CDU, Grüne und WAB. Gegner die SPD, FDP und Linke.

Das Bauprojekt Alte Reitbahn hat die Ahrensburger Politik in zwei Lager gespalten. Befürworter des Vorhabens sind CDU, Grüne und WAB. Gegner die SPD, FDP und Linke.

Foto: Schulz, Volkmar / KEYSTONE

Stadtverordnete stimmen den Plänen für die beiden Areale zwar mehrheitlich zu, doch es gibt auch heftige Kritik von drei Faktionen.

Ahrensburg.  Vernichtende Kritik von den Gegnern, große Begeisterung bei den Befürwortern: Das Bauprojekt Alte Reitbahn und die damit verbundenen Kino-Pläne an der Bahnhofstraße spalten die Ahrensburger Politik. Es haben sich zwei Lager gebildet – und diese lieferten sich vor der finalen Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung einen knapp 90-minütigen Schlagabtausch. Gegenseitige Vorwürfe inklusive.

CDU, Grüne und WAB befürworten das Vorhaben und haben mit 26 von 40 Stimmen eine relativ komfortable Mehrheit im Stadtparlament. Im Vorfeld gab es daher kaum Zweifel, dass die Beschlüsse zur Aufstellung der Bebauungspläne für beide Areale positiv ausfallen würden – und so kam es letztlich auch.

Auf der Alten Reitbahn sollen knapp 60 Wohnungen entstehen

Das Konzept des Investors Melchers sieht vor, auf der Alten Reitbahn knapp 60 Wohnungen, davon bis zu 19 öffentlich geförderte, eine Tiefgarage mit rund 200 Plätzen und Flächen für einen Edeka-Markt zu bauen. Dieser soll von der Bahnhofstraße umziehen, um dort Platz für ein Kino mit sechs Sälen und knapp 620 Sitzplätzen zu machen. Zudem sind auf dem Grundstück 38 „Kleinstwohnungen“ (30 bis 45 Quadratmeter groß) geplant. Baubeginn an der Alten Reitbahn könnte laut Melchers-Gruppe im Sommer 2020 sein, das Kino soll nach derzeitigem Stand bis Ende 2023 fertig sein.

Die Linke beantragte gleich zu Beginn der Diskussion, später eine namentliche Abstimmung über die Projekte vorzunehmen, „damit jeder noch einmal über seine Entscheidung nachdenkt und hinterher dafür geradestehen muss“, wie der Fraktionsvorsitzende Ali Haydar Mercan sagte. Dann legte er nach: „Wollen Sie den Fehler vom Lindenhof wiederholen? Für ein Kino? Oder einen Edeka-Markt?“, fragte er in Richtung der Projektbefürworter. Die Bebauung des ehemaligen Parkplatzes am Bahnhof mit einem Wohn- und Geschäftshaus war politisch ähnlich umstritten, wurde nach jahrelanger Diskussion schließlich 2016 von CDU und Grünen auf den Weg gebracht. „Wir hätten gern ein Kino, aber nicht zu diesem Preis“, sagte Mercan. „Viele Ahrensburger brauchen Sozialwohnungen. Das ist der tatsächliche Bedarf, den wir in der Stadt haben.“

Peter Egan (WAB) zeigte sich von den Vorwürfen genervt

Dann ergriff Bela Randschau das Wort. „Was kann einen dazu bewegen, dieser Vorlage zuzustimmen?“, wetterte der SPD-Politiker. „Das ist eines der letzten Grundstücke, auf dem wir als Stadt eine Gestaltungshoheit haben.“ Er warf den Projektbefürwortern vor, auf eine vor die Nase gehaltene Karotte reinzufallen: das Kino. „Wir haben keinerlei Garantie, dass es jemals gebaut wird.“

Peter Egan zeigte sich von den Vorwürfen genervt. „Sie erzählen seit dreieinhalb Jahren immer das Gleiche, bewegen sich keinen Schritt und zeigen kein Gefühl für die Stimmung in der Stadt“, sagte der WAB-Fraktionsvorsitzende. „Die Mehrheit der Ahrensburger möchte ein Kino. Und wir haben uns bei den Planungen einen guten Schritt vorwärts bewegt, haben jetzt viel mehr Sozialwohnungen und Parkplätze als ursprünglich vorgesehen.“ Den Linken warf er vor, „Luftschlösser“ zu wollen.

Das Kino ist ein Projekt, das viele Ahrensburger wollen

Auch Detlef Levenhagen (CDU) wies die Kritik zurück. „Wir erfüllen mit dem Projekt alle Vorgaben, die wir uns selbst auferlegt haben“, sagte er und nannte als Beispiel die 2017 beschlossene 30-Prozent-Quote für Sozialwohnungen. „Das Kino ist ein Projekt, das viele Ahrensburger wollen. Und das geht halt nur, wenn der Edeka-Markt umzieht.“

Nach Ansicht von Nadine Levenhagen (Grüne) werden auch die Geschäfte in der Innenstadt und die Gastronomie davon profitieren, „wenn wir mit dem Kino Menschen aus dem Umland nach Ahrensburg locken“. Ihr Fraktionskollege Benjamin Stukenberg sagte: „Wir bauen nicht zu viel, überfordern nicht die Infrastruktur und bekommen Sozialwohnungen. Das Konzept ist sehr gut.“ SPD-Fraktionschef Jochen Proske ist anderer Meinung, behauptete in Richtung der Befürworter: „Wenn der Investor nicht das Kino in Aussicht stellen würde, hätten Sie der Reitbahn-Bebauung so nie zugestimmt.“ Er forderte die Verwaltung auf zu prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten die Stadt habe, wenn der Investor nach dem Kauf der Alten Reitbahn das Kino an der Bahnhofstraße doch nicht baue oder der Betrieb nach kurzer Zeit wieder eingestellt werde.

Thomas Bellizzi (FDP) spricht von einer „Schädigung der Stadt“

Thomas Bellizzi (FDP) bezeichnete den geplanten Bau an der Alten Reitbahn als „Betonklotz“, sprach von einer „Schädigung der Stadt Ahrensburg“ durch das Vorhaben. „Auf den Visualisierungen ist alles grafisch schön aufbereitet, mit einem Park. Aber die Realität wird anders aussehen.“ Er befürchte, dass durch die Neubürger die Beschwerden über den Lärm auf dem Stormarnplatz während der Fußballspiele noch weiter zunehmen werden. Zudem sei der AOK-Knoten schon jetzt extrem ausgelastet. „Mit dem Edeka-Umzug gibt es noch mehr Verkehr.“ Auch steige mit dem Zuzug weiterer Familien die Nachfrage nach Betreuungsplätzen, die in Ahrensburg schon jetzt Mangelware seien. Detlef Levenhagen zeigte sich verärgert über die Worte. „Du hast zehn Minuten geredet und nur kritisiert. Das war recht inhaltslos“, so der CDU-Politiker. „Denn du hast nicht gesagt, was du mit dem Grundstück machen würdest.“ Und an Jochen Proske gewandt schob er hinterher: „Sie wollen nur hoch bauen. Das wäre eine Verschandelung der Stadt.“

Am Meinungsbild änderte die hitzige Diskussion nichts. CDU, Grüne und WAB brachten den Bebauungsplan für die Alte Reitbahn auf den Weg, beim Areal Bahnhofstraße stimmte auch die FDP dem Aufstellungsbeschluss zu.

Weitere Infos: Ahrensburg startet mit Umkleidehaus-Bau

Die Ankündigung der SPD, mit einem Dringlichkeitsantrag den Bau des Umkleidehauses auf dem Stormarnplatz um drei Monate zu verschieben, hat bei der Stadtverordnetenversammlung große Proteste ausgelöst. Zahlreiche Fußballer kamen zur Sitzung in den Marstall, um ihrem Unmut darüber Luft zu machen, insbesondere die Roter Stern Kickers. Auch Georg Tür, Vorsitzender des FC Ahrensburg, wandte sich mit einem emotionalen Appell an die Politiker: „Ich bitte alle Fraktionen, das Umkleidehaus bauen zu lassen. Die Zustände im Bruno-Bröker-Haus sind katastrophal und unwürdig für Ahrensburg.“ Die Worte zeigten Wirkung. SPD-Fraktionschef Jochen Proske zog den Dringlichkeitsantrag zurück, sagte: „Wir haben gemerkt, dass der Fokus der Betroffenen darauf liegt, jetzt ein Umkleidehaus zu bekommen.“ Der Bau werde zügig in Angriff genommen, sagte Bürgermeister Michael Sarach. Der Haushalt 2019 sei in der vergangenen Woche vom Innenministerium genehmigt worden. Sarach: „Die Ausschreibungen für die Arbeiten können rausgehen.“

( LH Architekten )

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