Stormarn
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Glinde: Totes Baby war eine Frühgeburt

Die Staatsanwaltschaft hofft darauf, dass sich die Eltern des toten Säuglings melden und bereitet eine Plakataktion vor.

Glinde. Bei dem in Glinde gefundenen toten Baby handelt es sich um eine Frühgeburt. Die Obduktion im Lübecker Uniklinikum habe ergeben, dass der Junge vermutlich etwa zwei Monate zu früh geboren wurde, sagte die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, Ulla Hingst, am Montag. Rechtsmediziner haben ermittelt, dass der Todeszeitpunkt schon einige Tage vor dem Fund gewesen ist. Ob es allerdings eine Totgeburt war, dazu will die Staatsanwaltschaft keine Angaben machen.

„Der Fokus der weiteren Ermittlungen liegt auf der Klärung der Identität des Kindes und der Kindseltern“, sagt Polizeisprecher Stefan Muhtz. Aktuell sind Experten mit molekulargenetischen Untersuchungen zur Bestimmung des DNA-Schemas des Jungen beschäftigt. Hinweise aus der Bevölkerung, die den Beamten bei der Klärung des Falls helfen könnten, gibt es nur wenige. Laut Muhtz liegt deren Zahl im einstelligen Bereich – wohl auch, weil das Waldstück abgelegen und nicht stark frequentiert ist.

Die Staatsanwaltschaft hofft, dass sich die Mutter noch von sich aus meldet. „Wir bereiten jetzt eine Plakataktion vor. Einen vergleichbaren Fall gab es 2011 in Bad Schwartau, damals sind wir damit erfolgreich gewesen“, sagt Oberstaatsanwältin Ulla Hingst.

Notfallseelsorger und Sozialarbeiter an der Schule

Am Glinder Gymnasium herrscht auch am Montag keine Normalität – drei Tage, nachdem ein Sechstklässler bei einer Müllsammelaktion unweit der Schule den toten Säugling entdeckt hatte. Er kommt am Montag trotz allem zur Schule – wie die anderen Schüler auch. Die Stadt ist mit drei Schulsozialarbeitern im Gymnasium im Einsatz, Notfallseelsorger sind vor Ort – sie bieten den Jungen und Mädchen Betreuung an.

Die Seelsorger gehen mit jeweils einem Lehrer in den Unterricht der sechsten Klassen und geben den Kindern die Möglichkeit zu reden, schildert die Rektorin des Gymnasiums, Eva Kuhn. Der Unterricht beginnt am Montag erst mit der zweiten Stunde, zuvor steht eine Dienstversammlung für das Kollegium auf dem Programm. Die Lehrkräfte werden auf den aktuellen Stand gebracht.

Glindes Bürgermeister versuchte sofort zu helfen

Der Schock sitzt immer noch tief in der 18.700 Einwohner zählenden Kommune im Süden Stormarns. „Für die Kinder war das ein einschneidendes Erlebnis“, sagt Bürgermeister Rainhard Zug. Er war zu dem Zeitpunkt des Fundes gegen 11 Uhr bei einer Besprechung in Wentorf im Kreis Herzogtum Lauenburg, eilte sofort ins Schulzentrum, als ihn die Nachricht erreichte. „Weinende Kinder wurden schon betreut“, berichtet der Verwaltungschef. Er habe mit Lehrern und Rettungskräften gesprochen.

Was kann die Stadt als Schulträger machen, um den Jungen und Mädchen bei der Verarbeitung des Erlebten zu helfen? „Wir sind mit der Schulsozialarbeit präsent, insbesondere ist jetzt aber das Fingerspitzengefühl der Pädagogen gefragt“, so Zug.

Mehrere Schüler waren nach dem Leichenfund kollabiert

Schulleiterin Eva Kuhn spricht mit Blick auf Freitag von Kindern, die sehr verstört gewesen seien. Mehrere Mädchen waren vor Schreck kollabiert. Wie jedes Jahr hatte sich das Gymnasium an der Müllsammelaktion „Schleswig-Holstein räumt auf“ beteiligt und dabei auch den Gellhornpark ins Visier genommen, der an das Schulgelände grenzt.

Das Wäldchen ist etwa 30 Meter breit und gut 200 Meter lang. Dort waren mehrere Kinder einer sechsten Klasse unterwegs. Ein Zwölfjähriger wollte nahe eines Trampelpfades ein blaues Handtuch aufheben – und erlebte einen Moment, den er wohl nie vergessen wird. Eingewickelt in den Stoff, teils aber auch im Erdreich verscharrt, lag der tote Säugling.

Kriseninterventionsteam betreut Schüler

In Glinde hat derweil ein Kriseninterventionsteam aus den Leitungen des Gymnasiums und der im selben Schulzentrum ansässigen Sönke-Nissen-Gemeinschaftsschule, der Schulaufsicht, Notfallseelsorgern und Schulsozialarbeit beschlossen, dass in den kommenden Tagen Experten für die Nachsorge der jungen Menschen vor Ort sind. Sie werden auch Lehrkräften Hilfe anbieten. „Auch ich bin sofort da, wenn die Schule mich braucht“, sagt Bürgermeister Zug.

Der 48-Jährige hat einen Tag nach dem grausamen Fund beim Stadtputz mitgemacht, zu dem alle Bürger geladen sind. Er sagt: „Die Ereignisse vom Freitag waren dort das Gesprächsthema. Das hat die Menschen bewegt und aufgeschreckt.“

280 Anmeldungen seien Rekord gewesen. Allerdings kamen dann nur rund 120 freiwillige Müllsammler. Der Grund: Die Schulen hatten ihre Teilnahme abgesagt – rund 100 Jungen und Mädchen waren registriert. „Außerdem wurde in sozialen Netzwerken irrtümlich vom Ausfall der Veranstaltung berichtet“, so Zug.