Stormarn
Natur

Ammersbek lässt seinem Wald viel Freiraum

Förster Jens Lübbers und Bürgermeister Horst Ansén im Schnakenredder. Hier sollen junge Bäume zurückgeschnitten werden, damit Altbäume weiter wachsen können.

Förster Jens Lübbers und Bürgermeister Horst Ansén im Schnakenredder. Hier sollen junge Bäume zurückgeschnitten werden, damit Altbäume weiter wachsen können.

Foto: Marc R. Hofmann / HA

Gemeinde setzt mit neuenm Förster von der Landwirtschaftskammer auf möglichst natürliche Pflege. Mehr Laub- und weniger Nadelbäume.

Ammersbek.  „Ökonomie, Ökologie und Erholung sind die drei Aufgaben des Waldes laut Landeswaldgesetz“, sagt Jens Lübbers. Er ist Förster bei der Landwirtschaftskammer und betreut seit vergangenem Jahr auch rund 85 Hektar Wald der Gemeinde Ammersbek. Für die Kammer ist Lübbers außerdem für die Wälder der Städte Ahrensburg, Glinde und Bad Oldesloe zuständig.

„Welcher Schwerpunkt gesetzt wird, entscheidet jeweils der Besitzer“, sagt er. Andere große Baumbestände in der Region, wie zum Beispiel der Beimoorwald, gehören hingegen dem Land. Dort werden regelmäßig Bäume gefällt, um das Holz zu verkaufen. Ein Umstand, der immer wieder für Irritationen bei besorgten Passanten sorgt.

„Wir haben uns für einen anderen Weg entschieden“, sagt Horst Ansén, Bürgermeister von Ammersbek. Die Wälder der Gemeinde seien verhältnismäßig klein, jung und liegen zum Teil in Naturschutzgebieten. „Deshalb bietet sich hauptsächlich eine naturnahe Nutzung an“, so Ansén. Das sei zum einen günstiger, aber auch natürlicher.

Internationale Organisation FSC prüfte Nachhaltigkeit

Selbstverständlich hat die Sicherung von Straßen und Wegen am Waldrand Priorität. „Wenn ein Baum auf einen Weg zu fallen droht, müssen wir handeln“, sagt er. Im Wald selbst können dagegen umgestürzte Bäume liegen bleiben. Aufgeräumt sein müsse es dort nicht. „Es ist schließlich kein Park“, so der Bürgermeister. Den Menschen sei auch bewusst, dass es bei Sturm im Wald gefährlich sein könne.

Um die naturnahe Ausrichtung zu dokumentieren, hat die Gemeinde ihre Wälder vom Forest Stewardship Council (FSC) zertifizieren lassen. Die gemeinnützige internationale Organisation überprüft die nachhaltige Bewirtschaftung und bestätigt sie mit einem Siegel.

Pilz an Eschen bereitet Sorgen

Alles regelt sich jedoch auch im Ammersbeker Wald nicht von selbst, der zu rund 67 Hektar erst in den 1990er-Jahren aufgeforstet wurde. Meinungsverschiedenheiten mit dem bisherigen Förster hätten dafür gesorgt, dass in den vergangenen Jahren wenig getan wurde. „Einige Bäume sind vom sogenannten Eschentriebsterben befallen“, sagt Horst Ansén. Es müsse noch geklärt werden, welcher Handlungsbedarf bestehe.

Grundlage für das weitere Vorgehen soll ein Gutachten sein, dass Sachverständiger Arne Petersen im Auftrag der Gemeinde erarbeitet hat. Die wesentlichen Fragen lauten: Welche Bäume gibt es? In welchem Zustand sind sie? Und welche Handlungsoptionen bestehen? Auf dieser Basis erstellt der neue Förster Jens Lübbers einen jährlichen Wirtschaftsplan, den er den politischen Gremien im Herbst vorstellen will. Die Gemeinde hat dann das letzte Wort, was umgesetzt wird.

Der 35-Jährige sieht mehrere Schwerpunkte. „An einigen Knicks stehen wertvolle Altbäume wie Buchen und Eichen, die von den aufgeforsteten Jungbäumen bedrängt werden“, sagt er. So zum Beispiel am Schnakenredder im Ortsteil Hoisbüttel. Außerdem sorge das Eschentriebsterben durch einen aus Asien nach Europa eingeschleppten Pilz (Hymenoscyphus fraxineus) für flächendeckende Schäden an Bäumen aller Altersklassen. „Das gefährdet den Wald“, sagt Lübbers.

Parteien und Naturschützer unterstützen den Weg

Ob und wie stark eingegriffen werden muss, entscheidet im konkreten Fall die Untere Forstbehörde in Mölln. Denn einmal angelegt, sind Waldbesitzer zum Erhalt verpflichtet. Mitarbeiterin Hanka Kaczmarek sagt: „Die Gespräche dazu dauern noch an.“

Außerdem plant Jens Lübbers, nach und nach Nadelbäume zu fällen, etwa im Ortsteil Rehagen/Schäferdresch. „Dort planen wir einen Umbau hin zu heimischen Laubbäumen“, so der Förster. Die Ammersbeker Politik und auch der Naturschutzbund (Nabu), der mit einer eigenen Ortsgruppe vertreten ist, zeigen sich von den ersten Vorschlägen des Försters angetan.

Nabu ist gegen Einsatz von schweren Maschinen

Die Naturschützer sehen sich als Anstoßgeber für die Entwicklung in der Gemeinde. Petra Ludwig-Sidow, die sich im Nabu und auch bei den Grünen im Ort engagiert, sagt: „Wir haben ein Konzept aufgestellt, dass von der Gemeinde aufgegriffen und dann in Absprache mit den Fraktionen weiterentwickelt wurde.“ Für sie ist es wichtig, der Natur im Wald möglichst freie Hand zu lassen. „Darum setzen wir uns auch gegen den Einsatz schwerer Maschinen ein, die den Boden mehrere Meter tief verdichten“, so die Nabu-Vorsitzende.

Sie schätzt die Möglichkeiten der Naherholung für die Bürger. „Waldbaden“, wie sie den beruhigenden Spaziergang im Wald nennt, wirke stressmindernd. Ähnlich sieht das Klaus Tim, der für die Grünen im Umweltausschuss sitzt. „Ich habe mit dem neuen Förster ein gutes Gefühl“, sagt er auf Abendblatt-Nachfrage.

Parteien nehmen die Ideen positiv auf

Positiv äußern sich auch andere Parteien. Mark Körholz (FDP) sagt: „Ich wohne hier, weil ich es grün mag.“ Neele Okens (Wählergemeinschaft UWA), sagt: „Bezüglich des Eschentriebsterbens sollten wir abwarten, was die Forstbehörde sagt.“ Erst dann sei klar, ob aufgeforstet werden müsse oder Abwarten ausreiche.

Etwas weniger euphorisch, aber doch zustimmend sind Sozial- und Christdemokraten. Jürgen Ehrig, Fraktionschef der SPD, sagt: „Wir unterstützen den neuen Förster.“ Für Christiane Maas, Fraktionschefin der CDU, „sind wir nicht die treibende Kraft, stellen uns dem aber auch nicht in den Weg“. Ein guter Neuanfang für den Ammersbeker Wald in eine Zukunft als Zufluchtsort für Tiere und Menschen gleichermaßen.