Stormarn
Sicherungsmaßnahme

Bargteheider Bürger fühlen sich eingezäunt

Anwohnerinnen des Quartiers An den Fischteichen kritisieren die Einzäunung (v.l.): Julia van Hunen und Rhodesian Ridgeback Amira, Anja Berg, Gabi Malkowski, Brigitte Leppin, Sabine Koritke.

Anwohnerinnen des Quartiers An den Fischteichen kritisieren die Einzäunung (v.l.): Julia van Hunen und Rhodesian Ridgeback Amira, Anja Berg, Gabi Malkowski, Brigitte Leppin, Sabine Koritke.

Foto: Lutz Kastendieck

Stadt lässt abwassertechnische Anlagen nach Unfall in Glinde 2018 in mehreren Wohngebieten und am Stadtteich massiv einfrieden.

Bargteheide.  Im Wohnquartier An den Fischteichen im äußersten Süden von Bargteheide sind im Februar dieses Jahres mannshohe Zäune um Entwässerungsgräben und Regensammelbecken errichtet worden. Seitdem wird die Sinnhaftigkeit der Maßnahme von Anwohnern kritisch hinterfragt. „20 Jahre gibt es das Wohngebiet jetzt und ebenso lange die Entwässerungsanlagen. Warum nun plötzlich jedes Rinnsal auf diese Weise eingezäunt werden muss, erschließt sich einfach nicht“, sagt Gabi Malkowski stellvertretend für viele.

Selbst bei Starkregen steige Wasserstand nur leicht an

Klaus Mairhöfer, partei- und fraktionsloser Bürgerkandidat in der Bargteheider Stadtvertretung und selbst Bewohner der Siedlung, kann den Unmut der Nachbarn verstehen. Selbst bei Starkregen steige der Wasserstand in den Gräben höchstens auf 30 Zentimeter. „Da können wir ja von Glück reden, dass Bargteheide nicht an Elbe und Ostsee grenzt. Werden die womöglich auch bald mit Zäunen versehen?“, fragt er.

Hier werde jedenfalls mit Kanonen auf Spatzen geschossen – und das nicht mal konsequent. An einem Graben zwischen Libellenweg und Schilfweg ist der Zaun für ein Gebüsch auf mehreren Metern unterbrochen. Mit dem Ergebnis, dass sich genau dort nach wie vor Kinder ihren Weg zur Grabensohle bahnen, um Schiffchen fahren zu lassen oder einfach nur durch den Morast zu waten.

Nach Ansicht der Stadtverwaltung dürfe aber genau das nicht sein. Schon gar nicht nach dem schrecklichen Unfall, der im August vergangenen Jahres in Glinde passiert ist. Zwei Kinder waren in ein Regenrückhaltebecken gefallen, nachdem sie sich vom Gottesdienst einer afroamerikanischen Kirchengemeinde entfernt hatten. Die Retter konnten die beiden Jungen im Alter von fünf und sechs Jahren zwar noch einmal reanimieren. Wenig später verstarben sie dann aber im Krankenhaus.

550 Meter Zaun für 25.000 Euro wurden installiert

„Die Abwasserentsorgungsgesellschaft Bargteheide ABaG als Betreiber und die Stadtverwaltung haben den Unfall zum Anlass genommen, um bei einer Begehung sämtliche abwassertechnischen Anlagen im Stadtgebiet hinsichtlich ihrer Sicherung zu überprüfen“, sagte Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht dem Abendblatt.

Um der Verkehrssicherheitspflicht Genüge zu tun und mögliche Schadenersatzansprüche abwehren zu können, habe man sich an einem Gutachten des TÜV Nord orientiert, das entsprechende Richtlinien beinhalte. Im Nachgang sind allein im Wohnquartier An den Fischteichen für rund 25.000 Euro Zäune in einer Länge von 550 Metern installiert worden. Zuvor waren bereits der „Stadthausteich“ am Marktplatz sowie Bereiche der Regenrückhaltebecken und Gräben im Wohngebiet An der Trabrennbahn gesichert oder bereits vorhandene Zäune ertüchtigt worden.

Unterdessen läuft bereits ein neues Ausschreibungsverfahren für die Errichtung weiterer Schutzzäune. „Alle abwassertechnischen Anlagen in der Stadt und im Amt unterliegen einer Gefährdungsbeurteilung, werden entsprechend begutachtet und wenn erforderlich eingezäunt“, so Jürgen Engfer, Leiter des Fachbereichs Planung, Umwelt und Öffentliche Sicherheit der Stadt und zugleich Geschäftsführer der ABaG.

Wege sind nun beidseitig von Zäunen gesäumt

Bei den Bewohnern des Quartiers An den Fischteichen stößt das Ausmaß der Sicherungsmaßnahmen dennoch auf Unverständnis. „Teilweise werden die Wege im Park zwischen der Siedlung und den Teichen nun sogar beidseitig von Zäunen gesäumt“, berichtet Gabi Malkowski. Anja Berg bezweifelt, dass solch eine Zerschneidung von Naturräumen überhaupt zulässig ist: „Einsicht in das TÜV-Gutachten blieb uns bislang verwehrt.“

Und warum wurde ein Schutzzaun für ein Gebüsch einfach unterbrochen? Aus Sicht der Stadtverwaltung und der Abwasserentsorgungsgesellschaft Bargteheide sei das erklärte Sicherungsziel dennoch vollumfänglich erreicht worden. Es werde davon ausgegangen, dass der dichte Bewuchs des Gebüschs „eine ausreichende Barriere für die Unpassierbarkeit darstellt“, heißt es auf Abendblatt-Nachfrage wörtlich.

So reagierte Glinde nach dem Unfall

Im August vergangenen Jahres starben zwei Jungen, nachdem sie in Glinde in ein Regenrückhaltebecken gefallen waren. Die dortige Umzäunung war löchrig. Ein Sprecher des Abwasser Zweckverbands Südstormarn, der in Glinde und Umgebung für die Niederschlagsentwässerung zuständig ist, erklärte auf Abendblatt-Anfrage, dass die Sammelbecken in der Stadt grundsätzlich umzäunt seien. Neu gebaute Anlagen würden ebenfalls durch entsprechende Geländer eingefriedet. Die Entwässerungsgräben seien unterdessen nicht durch Zäune geschützt. Teilweise würden sie in den Zuständigkeitsbereich der Stadt oder anderer Abwasserentsorgungsgesellschaften fallen. Abgestimmte Maßnahmen seien bislang noch nicht gemeinsam diskutiert worden. Alle Anlagen werden regelmäßig auf ihr Gefahrenpotenzial hin überprüft und gegebenenfalls angepasst, so der Sprecher.