Stormarn
Themenwoche

Trittauer Passionstafeln werden neu entdeckt

Barbara Fischer (l.), Katrin Röttinger vom Verein Kirche & Musik und Jochen Pause mit einer der Relieftafeln, die Teil des Altarensembles sind.  

Barbara Fischer (l.), Katrin Röttinger vom Verein Kirche & Musik und Jochen Pause mit einer der Relieftafeln, die Teil des Altarensembles sind.  

Foto: Elvira Nickmann

Die Kirchengemeinde schafft mit einer Veranstaltungsreihe Zugang zu den expressionistischen Werken des Künstlers Franz Hötterges.

Trittau.  In den 1960er-Jahren wurden die hölzernen Passionstafeln, die zu beiden Seiten des Altars in der Martin-Luther-Kirche Trittau angebracht waren, abgenommen und in der Balgkammer der Orgel eingelagert. Bis zu ihrer Wiederentdeckung im Zuge der Kirchenrenovierung in den Jahren 2009 und 2010 gerieten sie in Vergessenheit. Jetzt widmet die Kirchengemeinde den Passionstafeln des expressionistischen Künstlers Franz Hötterges eine Themenwoche unter der Überschrift „Musik und Kunst zur Passionszeit“.

Mit Chorgestaltung bewältigte Künstler Kriegsgeschehen

Vom 24. bis zum 31. März werden sechs der zwölf Tafeln in der Kirche gezeigt und in Verbindung mit Andachten und einem musikalischen Programm vorgestellt. Den Auftakt der Themenwoche bildet das Konzert am Sonntag, 24. März (17 Uhr) mit dem schwedischen Cellisten Ludwig Frankmar. Der Spezialist für alte Musik und historische Aufführungspraxis bringt Klangpassionen von Virgiliano, Telemann und Bach zu Gehör, die den musikalischen Bogen zu den ausgestellten Passionsreliefs schlagen. Jochen Pause, Vorsitzender des Ausschusses Geschichte & Kunst des Kirchengemeinderats, erläutert im Anschluss an das Konzert ab 18.15 Uhr die expressionistisch gestalteten Tafeln, deren Formensprache und Symbolik sich dem Betrachter nicht auf den ersten Blick erschließt.

Als Franz Hötterges die Kunstwerke in den Jahren 1946 bis 1949 schuf, standen ihm die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs noch sehr lebendig vor Augen. „Er war Katholik und hat darin sehr stark das Leiden betont“, erläutert Jochen Pause, der sich umfassend mit der Ikonografie beschäftigt hat. Hötterges habe die Holzreliefs als Teil seiner Neugestaltung des Altarraums geschaffen. Sieben der Tafeln entsprächen dem Kreuzweg, die anderen seien „individuell ausgeprägt“, was typisch für einen expressionistischen Künstler sei. Doch genau diese Gestaltung habe schließlich zu ihrer Einlagerung geführt. Pause sagt: „Später wurden sie nicht mehr vom Kirchenschiff aus verstanden.“

Kreiskantorin begleitet Andachten an der Orgel

Ein Schicksal, das laut Pause zwar viele expressionistische Kunstwerke ereilt, das den Tafeln nach Ansicht der Kirchengemeinde aber nicht länger zuteil werden sollte. Um sie für ein breites Publikum zu erschließen, brachten verschiedene Ausschüsse ihre Ideen mit ein.

Daraus entstand das Projekt, dass unterschiedliche Herangehensweisen ermöglicht. Konfirmanden, Jugendchor Jona, Senioren, Schüler und ein ökumenischer Kreis stellen in Andachten jeweils eine Tafel aus ihrer Sicht vor. Die täglichen Andachten begleitet Kreiskantorin Barbara Fischer an der Orgel. Sie nimmt mittels Tonhöhe, Klangdichte, Lautstärke und Klangfarbe Bezug auf die dargestellten Szenen. Den Abschluss der Reihe bildet der Kantatengottesdienst zum Bergfest der Passionszeit, bei dem Kantorei, Jugendchor und Instrumentalensemble Bachs Motette „Jesu meine Freude“ zu Gehör bringen.