Stormarn
Kritik der Woche

Gestresster Playboy verliert Kontrolle über seine Affären

Jaqueline (Susann Molter, r.) hat Erklärungsbedarf: Was hat die Schweizer Kollegin Judith (Barbara Hergert) in ihrer Wohnung zu suchen? Damit bahnt sich Ungemach für Robert (Andreas Scharbau (2. v. l.) und Bernhard (Jan Roetting) an. Ob die beiden noch rechtzeitig einen Ausweg aus dem Dilemma finden?

Jaqueline (Susann Molter, r.) hat Erklärungsbedarf: Was hat die Schweizer Kollegin Judith (Barbara Hergert) in ihrer Wohnung zu suchen? Damit bahnt sich Ungemach für Robert (Andreas Scharbau (2. v. l.) und Bernhard (Jan Roetting) an. Ob die beiden noch rechtzeitig einen Ausweg aus dem Dilemma finden?

Foto: Elvira Nickmann

„Boeing, Boeing“ des Kleinen Theaters Sandesneben feiert Premiere: Casanova muss ein Leben mit drei Freundinnen organisieren.

Sandesneben. Anders als es der Titel des neuen Stücks „Boeing, Boeing“ des Kleinen Theaters Sandesneben vermuten lässt, geht es inhaltlich weniger um Flugzeuge als vielmehr um Flugpläne. Diese spielen eine ebenso gewichtige Rolle im Leben des Hamburger Innenarchitekten Bernhard (Jan Roetting) wie sein Terminkalender. Wie gewichtig, davon konnte sich das Publikum bei der Premiere der Komödie im Lauenburger Hof ein Bild machen.

Gleich drei Stewardessen hat sich Bernhard als Freundinnen zugelegt, Mann gönnt sich ja sonst nichts. Jaqueline (Susann Molter) ist bei Air France angestellt, Janet (Monika Cantzler) arbeitet für eine amerikanische Fluglinie und Judith (Barbara Hergert) ist Stewardess bei Swissair. Natürlich darf keine der drei von den anderen beiden Verlobten erfahren.

Veränderte Flugzeiten sorgen für Chaos

Logistik heißt das Zauberwort, das dem peniblen Casanova die Kontrolle über Liebesleben und ein Zuhause ermöglicht, in dem es wie in einem Taubenschlag zugeht: Kaum hat eine Frau das Haus verlassen, steht schon die nächste vor der Tür. Was Bernhard für das Nonplusultra hält, stößt bei Haushaltsperle Bertha (Anne Suer) auf wenig Verständnis. Und sein alter Freund Robert (Andreas Scharbau), der zu Besuch ist, hält seinen Lebenswandel nicht nur für moralisch verwerflich, sondern zumindest für ebenso herausfordernd. Zu herausfordernd, wie sich herausstellen soll, denn veränderte Flugzeiten sorgen bald für Chaos im Hause Bernhard.

Das Ensemble hat die Handlung in die Gegenwart verlegt. Die Boulevardkomödie des Bühnenautors Marc Comoletti stammt allerdings aus dem Jahr 1960, und das ist dem Stoff auch anzumerken. Die verstaubten Rollenklischees machen sich penetrant bemerkbar.

Da ist es gut, dass es bei diesem Klamauk vorwiegend auf Charme und Tempo ankommt. Für Charme sorgen die Stewardessen mit schwyzerdütschem, französischem und englischem Akzent, den sie stringent durchhalten.

Jede Stewardess hat ihren ganz eigenen Charakter

Dazu arbeitet jede Darstellerin die individuellen Charakterzüge ihrer Figur gut heraus, die im Verlauf des Geschehens noch für manche überraschende Wendung sorgen. Anne Suer kann in der Rolle der mürrischen Haushälterin überzeugen. Zusammen mit Robert versucht sie, den schönen Schein bis zuletzt aufrecht- und die drei Damen voneinander fernzuhalten. Immer kürzer werden die Abstände, innerhalb derer Robert Porträtfotos umdrehen muss, damit sie nur die jeweils anwesende Stewardess zeigen. Je mehr das Ganze an Fahrt aufnimmt, umso mehr kommt es auf Timing und passgenaue Übergänge an.

Eine Herausforderung, die das Ensemble scheinbar mühelos meisterte. Das war ganz nach dem Geschmack des Publikums, das die Darsteller am Ende mit viel Applaus bedachte.