Stormarn
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Oldesloer fordern bessere Radwege und mehr Stellplätze

Reiner Hinsch ist der Kreisvorsitzende des ADFC und Ortsvorsitzender in Bad Oldesloe

Reiner Hinsch ist der Kreisvorsitzende des ADFC und Ortsvorsitzender in Bad Oldesloe

Foto: Finn Fischer

Der ADFC will die Situation in der Kreisstadt für Fahrradfahrer verbessern und sich dafür jetzt auch mehr politisch einbringen.

Bad Oldesloe.  Bessere Radwege, zusätzliche Stellplätze, mehr Rücksicht im Straßenverkehr: Der Oldesloer Ortsverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) hat im historischen Rathaus seine Ziele für die nächsten Jahre diskutiert. Der Verein will sich stärker in politische Entscheidungsprozesse einbinden.

Einen wichtigen Anstoß für das Treffen gab der Radwege-TÜV der Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn. In einer Serie wurden Städte und Gemeinde im Sommer 2018 auf deren Fahrradfreundlichkeit getestet. „Das gab eine riesige Resonanz“, sagte der Stormarner ADFC-Vizechef Jürgen Hentschke. So habe sich etwa in Steinburg ein neuer Ortsverband gegründet, Großhansdorf beschloss ein umfangreiches Ausbauprogramm. Jürgen Hentschke: „Die Serie hat uns und den Anliegen der Radfahrer viel Aufmerksamkeit beschert.“

Das gilt auch für Bad Oldesloe. Die Kreisstadt hatte beim Radwege-TÜV nur die Note 4 bekommen. In den vergangenen Jahren wurden einige Projekte umgesetzt, um die Situation für Radfahrer zu verbessern. Doch da ist noch „Luft nach oben“, sagt Ortsvorsitzender Reiner Hinsch. Positiv bewertet er einzelne Projekte wie die Fahrradstraße am Bahnhof oder Schutzstreifen auf den Fahrbahnen, die zuletzt auf mehreren Straßen aufgemalt wurden. „Ein großes Thema ist und bleibt die Hagenstraße, die saniert werden muss“, sagte Reiner Hinsch. Die Planungen seien schon weit fortgeschritten. Aber jetzt müsse der ADFC auch ein Auge darauf haben, dass bei der Sanierung die Bedürfnisse der Radfahrer Berücksichtigung finden.

Bei der Hagenstraße handelt es sich um eine verkehrsberuhigte Einbahnstraße mit einem dafür verhältnismäßig hohen Verkehrsaufkommen. Tiefe Schlaglöcher und unübersichtliche Fahrbahnmarkierungen machen die Straße für Radfahrer zu einem gefährlichen Pflaster. Ansätze, die Straße komplett für den Autoverkehr zu sperren, scheiterten am Widerstand von Einzelhändlern.

Fehlende Beschilderung ist ein Problem und sorgt für Streit

Als einzige Alternative gilt derzeit eine durchgehende Asphaltierung. Das Tempolimit von 20 soll bestehen bleiben. Politischer Streitpunkt sei noch die Frage, wie Radfahrer sicher die Einbahnstraße in beide Fahrtrichtung nutzen könnten. „Wir sind dafür, dass Radfahrer auch entgegengesetzt der Fahrtrichtung fahren dürfen“, sagte Hinsch. Allerdings müsse aus Erfahrungen mit der Bahnhofstraße gelernt werden. Auch auf dieser Einbahnstraße ist Begegnungsverkehr von Rad- und Autofahrern erlaubt. „Leider ist die Beschilderung sehr schlecht. Radfahrer werden regelrecht aufs Korn genommen“, sagte der Stadtverordnete Andreas Lehmann (CDU), der häufig mit dem Rad unterwegs ist und sich bei dem Termin über die Bedürfnisse der Radler informierte. Die Radfahrer seien zwar oft im Recht, „aber das bringt ihnen nichts, wenn sie im Graben landen.“

Von Pöbeleien und Bedrängungen durch Autofahrer berichteten auch andere Teilnehmer der Runde. „Normalerweise heißt mehr Radverkehr auf der Straße auch mehr Sicherheit für alle. Aber bezogen auf die Oldesloer Autofahrer bin ich mir da nicht mehr so sicher“, sagte Lehmann. Um Fragen wie diese künftig klären zu können, will sich der ADFC stärker an politischen Prozessen beteiligen. Der Club hat sich für die Gründung einer Fahrrad-AG ausgesprochen. Durch die Gruppe könnten Anliegen von Radfahren in der Stadt an die Politik herangetragen werden. Laut Hentschke gebe es in anderen Kommunen wie Trittau solche Arbeitsgruppen. Und die seien „extrem erfolgreich“. So ein Gremium mit fachlich versierten Leuten sei sinnvoll. Denn, so Henschke, die meisten Entscheidungsträger seien eben immer noch Autofahrer.

Untätig ist die Oldelsoer Politik allerdings nicht. Die Stadt wird fahrradfreundlicher, wenn auch im gemächlichen Tempo. Der Bau einer großen Fahrradparkanlage am Bahnhof steht kurz vor der Umsetzung. Das wurde lange Zeit von Radfahrern gefordert. „Die Stellplatzsituation am Bahnhof ist katastrophal“, sagte Radfahrer Hauke Petersen (30) beim Radwege-TÜV des Abendblattes. Der Oldesloer will künftig noch mehr auf das Auto verzichten und häufiger das Fahrrad nutzen.

Auch Sabrina Schieffelke ist überzeugte Radfahrerin. Sie kommt im Monat auf gute 150 Kilometer. „Ich bin viel in Hamburg und Lübeck gefahren; im Vergleich ist Bad Oldesloe diesbezüglich nicht schlecht“, sagt die 36-Jährige.

Doch auch hier gibt es immer noch zu viele Schlaglöcher. Um Ideen und Verbesserungsvorschläge von Oldesloer Radfahrern zu sammeln, organisiert der ADFC-Ortsverein ab sofort jeden ersten Donnerstag im Monat um 19 Uhr einen Biker-Stammtisch im Restaurant Bosporus (Rümpeler Weg 2). Weitere Infos unter www.adfc-stormarn.de.