Stormarn
Mülltrennung

Stormarner wollen die Plastikflut eindämmen

Markus Schulz vom Bargteheider Rewe-Supermarkt hat Claudia Mac Arthur ein Bio-Produkt ohne Plastikverpackung gereicht.

Markus Schulz vom Bargteheider Rewe-Supermarkt hat Claudia Mac Arthur ein Bio-Produkt ohne Plastikverpackung gereicht.

Foto: Christina Schlie

Im Kreis fallen jedes Jahr Tausende Tonnen Müll an. Aktionen an Schulen in Ahrensburg und Bargteheide. Grüne laden zur Diskussion.

Ahrensburg/Bargteheide. Zum Frühstück einen Becher Joghurt, mittags Fertig-Salat aus dem Supermarkt und abends schnell die Tiefkühlpizza in den Backofen – allesamt Produkte in Plastikverpackungen. 18 Millionen Tonnen derartigen Mülls fielen 2017 laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bundesweit an. In Stormarn waren es nach Informationen der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) im vergangenen Jahr 6850 Tonnen. „Eine fast konstant bleibende Zahl. Bevölkerungswachstum und Bewusstseinsveränderung gleichen sich aus“, sagt AWSH-Abteilungsleiter Olaf Stötefalke.

Rentner Wolfgang Holtz ist alarmiert. Er ärgert sich täglich über die vielen Plastikverpackungen: „Dadurch entsteht so viel unnötiger Müll.“ Kunststoff sei ein Werkstoff, den es mit Bedacht einzusetzen gilt. Der Oldesloer versucht bewusst, seinen Plastikmüll zu reduzieren. Jeden Mittwoch und Sonnabend kommt er auf den Wochenmarkt, um einzukaufen. Zwei Äpfel, Weintrauben, Radieschen und einige kleine Gurken – alles ohne Verpackung – liegen diesmal in seinem Stoffbeutel. Den hat er immer dabei, denn Plastik kommt ihm nicht in die Tüte. „Das mache ich schon seit Jahren so“, sagt der 78-Jährige. „Ich bin damit aufgewachsen, früher gab es nur Stoffbeutel.“ Die Milch, erinnert sich Holtz, habe er noch an der Milchstation in Glasflaschen gezapft, seine Äpfel vom Baum gepflückt. „Heute ist alles in Plastik verpackt“, beschwert er sich. Besonders schlimm sei es, dass selbst Lebensmittel mit Schale, wie zum Beispiel Bananen oder Gurken, noch zusätzlich eingeschweißt werden.

Kunststoff begegnet uns fast überall

Ob Joghurtbecher, Fahrradschlauch oder Legostein, das nahezu unvergängliche Material begegnet uns überall. Doch wie lässt sich das verhindern? Darüber wollen die Bargteheider Grünen am Mittwoch, 13. März, bei einer Veranstaltung im Stadthaus reden. An dem Abend soll es um Erfahrungen, Lösungswege und neue Ideen gehen, sagt die Ortsvorsitzende Claudia Mac Arthur. Als Experten sind Vertreter der AWSH und der Superseven GmbH, einem Unternehmen für alternative Verpackungen, vor Ort. Außerdem haben Marlies Fritzen, Landtagsabgeordnete der Grünen, sowie Markus Schulz vom Rewe-Supermarkt in Bargteheide ihre Teilnahme zugesagt.

„Ich bin Hobby-Taucherin und habe selbst gesehen, wie Plastikmüll die Meere verschmutzt“, sagt Mac Arthur. „Ich habe einmal gelesen, dass alles Plastik, was man in seinem Leben gebraucht hat, immer noch existiert.“

Der Kampf gegen den Plastikmüll ist schwierig. „Nicht sichtbares Plastik, sondern das Mikroplastik wie beispielsweise in Kosmetik- und Hygieneprodukten muss man verstärkt unter die Lupe nehmen“, sagt Sabine Reichel, Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Reinfeld-Nordstormarn. „Dieses wird in Kläranlagen nicht gefiltert und landet so wieder in unseren Gewässern.“ Dass die Vermeidung von Plastikmüll auch die junge Generation umtreibt, zeigen die „Fridays for Future“-Demonstrationen. Weltweit gehen junge Menschen für eine konsequente Klimapolitik auf die Straße. Für Freitag, 15. März, ruft Nils Bollenbach, Mitglied des Grünen-Ortsverbandes in Bargteheide, zu einer Demo vor dem Rathaus auf. Er sagt: „Wir müssen selbst aktiv werden, und das fängt im Kleinen an.“

Schüler wollen Ressourcen mit Beutelbäumen schonen

Schüler des Eric-Kandel-Gymnasiums in Ahrensburg sind bereits aktiv. Sie haben mit ihrem Projekt „Beutelbäume“ den Wettbewerb des Vereins „Zukunftsfähiges Schleswig-Holstein“ und der Christian-Albrecht-Universität gewonnen. Sie haben in Läden bemalte Äste aufgestellt, an denen Menschen Jutetaschen entleihen können, um Plastikmüll zu sparen. Jährlich werden in Deutschland 2,5 Milliarden Plastiktüten verbraucht – 29 Tüten pro Kopf mit einer Gebrauchsdauer von nur 25 Minuten, besagt eine Statistik des BUND.

Am Bargteheider Kopernikus Gymnasium versucht man, mithilfe eines nachfüllbaren Trinkwasserspenders der Flut der Plastikflaschen Herr zu werden. „Jeder kann einen Beitrag leisten“, sagt Claudia Mac Arthur und ruft zum Mitmachen auf. Noch bis zum 18. April dauert unter anderem die Aktion #plastikfasten des BUND (www.bund.net).

Supermarkt ersetzt Folien um Bio-Obst durch Aufkleber

Auf dem Wochenmarkt in Bad Oldesloe sinkt unterdessen die Nachfrage nach Plastiktüten. Mitgebrachte Körbe und Taschen sind hier keine Seltenheit mehr. „25 bis 30 Prozent meiner Kunden verzichten auf Plastiktüten“, sagt Marktbeschicker Thomas Burmester. Selbst beim Verkauf der Stiefmütterchen kommt Burmester ohne Plastikverpackung aus. Auch am Stand von Assales Hossai, der südländische Spezialitäten verkauft, kommen immer häufiger Kunden, die ihre eigenen Behälter mitbringen und befüllen lassen. „Rund ein Viertel der Kunden sind vorbereitet, überwiegend ältere Menschen“, sagt der Geschäftsmann zum Abendblatt.

Ein Umdenken findet auch in einigen Supermärkten statt. „Wir machen uns viele Gedanken, wie man den Plastikwahnsinn reduzieren kann“, sagt Markus Schulz vom Rewe-Markt in Bargteheide. Bei frischem Bio-Obst und -Gemüse würde man immer häufiger auf Aufkleber und Papierbanderolen setzen anstatt auf Folienverpackungen. Auch Mehrwegverpackungen nehmen deutlich zu, so Schulz.