Stormarn
Kirchenmusik

Männerchor begeistert in Ahrensburger Gotteshaus

Für die Zugaben traten die Gregorian Voices mit Chorleiter Ivan Uzunov (r.) vor den Altar. Das Publikum freute sich über den Genuss zum Abschluss.

Für die Zugaben traten die Gregorian Voices mit Chorleiter Ivan Uzunov (r.) vor den Altar. Das Publikum freute sich über den Genuss zum Abschluss.

Foto: Elvira Nickmann / HA

Kritik der Woche: Die Gregorian Voices ziehen Ahrensburger Publikum mit Gesängen und Popsongs in ihren Bann.

Ahrensburg. Seit 1986 der im Mittelalter angesiedelte Hollywood-Film „Der Name der Rose“ in die Kinos kam, erleben gregorianische Mönchsgesänge eine Renaissance. 1990 landete die Popgruppe Enigma mit ihrem Song „Sadeness“, in dem Teile von gregorianischen Gesängen verwendet wurden, sogar einen Nummer-eins-Hit in vielen europäischen Ländern sowie in Japan. Dass die Faszination der einstimmigen liturgischen Gesänge in lateinischer Sprache nach wie vor ungebrochen ist, zeigte sich auch beim Konzert der Gregorian Voices in der katholischen Kirche St. Marien in Ahrensburg. Der Auftritt des bulgarischen Männerchors, der sich auf das Genre spezialisiert hat, war erwartungsgemäß ausverkauft.

Als die Sänger mit ihren braunen Kutten in den mit wenigen Kerzen und auf die Wand hinter dem Altar gerichteten farbigen Lichtspots in den nur spärlich erhellten Altarraum einziehen, wird es augenblicklich still in den Bankreihen. Ob die Gewandung das Klischee des Geheimnisvollen, das der Gregorianik anhaftet, bedienen oder authentisch wirken soll – seine Wirkung scheint es jedenfalls nicht zu verfehlen. Laut Programmheft ist die Erlaubnis zum Tragen der Mönchsgewänder eine seltene und die größte einer Reihe von internationalen Auszeichnungen, die das Oktett seit seiner Gründung 2011 erhalten hat.

Nachdem sich die Sänger im Halbrund hinter dem schlichten Altar aufgestellt haben, schlagen sie die Kapuzen zurück und eröffnen das Konzert mit der Motette „Ave Maria … Virgo serena“. Die beeindruckenden Stimmen tragen weit und erzeugen augenblicklich eine besondere und erhebende Atmosphäre. Das mag mit ein Grund dafür sein, dass die Harmonien des Gesangs auch nicht religiöse und Menschen aller Generationen in ihren Bann zu ziehen vermögen, wie das altersgemischte Publikum in der St.-Marien-Kirche beweist.

Konzert ist in alte und neue Kompositionen aufgeteilt

Das Programm ist thematisch gegliedert: Der erste Teil ist den gregorianischen Chorälen sowie Liedern der Renaissance und des Barock vorbehalten, nach der Pause sollen ausgewählte Pop-Klassiker zu Gehör gebracht werden.

Chorleiter Ivan Uzunov dirigiert aus dem Chor heraus, statt davor zu stehen. Das zweite Stück beginnt mit der dunklen, aber sehr sanften Stimme Nikolay Bikovs. Es ist der Choral „Salve Regina“, der in der Zeit zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert entstanden ist. Die Hymne „Adoro Te devote“ beginnt in den höchsten, wechselt mit der Zeile „Visus, tactus, gustus in te fallitur, sed auditu solo tuto creditur“ zu den tiefsten Tönen. Im zweiten Teil nehmen die Chorstimmen an Volumen zu und füllen den ganzen Raum, sind sogar als Vibrationen wahrzunehmen. Das Stück verklingt mit einem „Amen“ des Chors. Das Publikum spendet begeistert Beifall.

Musik hat beinahe hypnotische Wirkung

Die Musik entfaltet eine fast hypnotische Wirkung. Das liegt nicht allein an den Kompositionen, sondern auch den exzellenten ausdrucksstarken Stimmen der Sänger. Einen besonderen Hörgenuss bietet der an die Gottesmutter Maria gerichtete Gesang „Regina coeli“, der den Sängern viel Können abverlangt und mit einem kraftvollen Halleluja endet. Was sich die Verantwortlichen beim Zusammenstellen des Programms dabei gedacht haben, als Schlussstück für den authentischen ersten Teil ausgerechnet „Ameno“ der New-Age-Gruppe Era zu wählen, kann nur vermutet werden. Auch wenn Puristen diese Entscheidung nicht teilen können, scheinen die Programmplaner damit den Geschmack des Publikums getroffen zu haben. Außerdem fügt es sich zugegebenermaßen erstaunlich gut ein und ist als Bindeglied zwischen Alt und neu auch gar nicht so schlecht geeignet.

Nach der Pause geht es weniger meditativ zu. Der Klassiker „My Way“ klingt hier naturgemäß völlig anders als bei Frank Sinatra und auch etwas gewöhnungsbedürftig. Dass die Mönchskutten irgendwie so gar nicht dazu passen wollen, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Viel besser und vor allem authentischer ist da schon „The Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel. Dieser Song entfaltet in der Bearbeitung für diesen Chor einen unvergleichlichen Charme, lässt alle Stimmen gut zur Geltung kommen und scheint wie für das Oktett wie gemacht. Die Stimme von Chorleiter Uzunov mit ihrem leicht nasalen, prägnanten Unterton hat ihren Soloauftritt bei Stings „Fields of Gold“.

Popsongs vervollständigen das Repertoire

Beim Lionel-Ritchie-Hit „Hello“ geht viel von der Atmosphäre des Songs durch die falsche Besetzung verloren. Passender wäre an dieser Stelle vermutlich Bariton Asen Gyurov gewesen. Doch das folgende wundervoll arrangierte „What a wonderful world“ gleicht das mehr als aus. Den Zuhörern gefällt das innovative Programm jedenfalls sichtlich, sie bedenken die Sänger für ihre Leistung mit langem Applaus.