Stormarn
Ahrensburg

500 Menschen setzen Zeichen gegen Fremdenhass

Charlotte Hilbig (v.l.), Pheline und Ina Emmerich protestieren gegen rechte Parolen an der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule.

Charlotte Hilbig (v.l.), Pheline und Ina Emmerich protestieren gegen rechte Parolen an der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule.

Foto: Melissa Jahn

Große Demo nach rassistischen Schmierereien an öffentlichen Einrichtungen in Ahrensburg und Bargteheide in der Schlossstadt.

Ahrensburg.  „Wir wollen das Klima in Ahrensburg bestimmen. Wir wollen für eine weltoffene, solidarische Gesellschaft sorgen – für eine Stadt mit Zivilcourage.“ Mit diesen Worten begründete Bernadette Kölker, Sprecherin des Runden Tisches Ahrensburg, ihre Motivation zum Aufruf zu einer Demonstration gegen Rassismus. Mehr als 500 Menschen folgten dieser Argumentation am Sonnabend, nahmen an der Aktion unter dem Motto „Ahrensburg bleibt bunt“ am Rathaus sowie an einem Protestzug durch die Innenstadt teil.

Auslöser für die Demonstration waren fremdenfeindliche Parolen wie „Ausländer raus“ gewesen, die unbekannte Täter in der Schlossstadt sowie in Bargteheide an mehrere Schulen, eine Flüchtlingsunterkunft, ein Jugendhaus und das Freibad gesprüht hatten. Wie berichtet, ermittelt der Staatsschutz in Lübeck in diesen Fällen. Auch der Sachschaden ist erheblich. Die Städte Ahrensburg und Bargteheide hatten Strafanträge gestellt. Am Sonnabend setzten nun Bürger, Vereine und Institutionen in Ahrensburgs Innenstadt ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. Dazu hatte der Runde Tisch für Zivilcourage und Menschenrechte aufgerufen.

Hamburger fuhren extra zu Kundgebung in Ahrensburg

Marita und Bernd Müller-Feldhusen reisten aus Hamburg-Eilbek an, um dabei zu sein. Die Rentner haben sich nach eigenen Angaben schon für Flüchtlinge in Lampedusa eingesetzt, „gegen rechte Gesinnung im Allgemeinen“. Gerade ältere Menschen sollten sich bemerkbar machen, sagt Marita Müller-Feldhusen: „Wir sind nicht allein, haben Kinder und Enkelkinder. Mit unseren Protesten wollen wir etwas in den Köpfen der Menschen bewegen.“

So auch Schüler der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule in Ahrensburg und des Autonomen Jugendhauses Bargteheide, die von den rassistischen Schmierereien direkt betroffen sind. „Im Dezember wurden unsere Autos demoliert, im Februar wurde das Außengelände verwüstet, Türklinken und der Briefkasten abgetreten“, sagt eine Sprecherin des Jugendhauses, die lieber anonym bleiben möchte. „Nun wurden sogar Schultische von geflüchteten Kindern mit ausländerfeindlichen Parolen beschmiert“, berichtet sie. Die Hetze richte sich gegen Menschen mit Migrationshintergrund, andere Religionen und auch gegen die Politik.

Bürgervorsteher plädiert für mehr Toleranz

Ahrensburgs Bürgervorsteher Roland Wilde erinnerte in einer Ansprache vor dem Rathaus an die Flüchtlingsströme, die die Stadt während des Zweiten Weltkriegs meisterte. Er plädierte für mehr Toleranz. Kritik übte Roland Wilde an den zahlreichen Fahnen von Parteien und Institutionen, die während der Demo in die Höhe gehalten wurden. „Was wir hier wollen, hat mit Parteipolitik nichts zu tun“, sagte Wilde. „Ich hätte mir einen neutralen Protest gewünscht.“

Das unterstrich auch Bernadette Kölker. Es gehe ihr und ihren Mitstreitern darum, sich eindeutig gegen Fremdenhass zu positionieren und „Alltagsrassismus etwas entgegenzusetzen“. Dazu gehöre auch, etwas aus der Geschichte für die Gegenwart zu lernen.