Stormarn
Schreit er zu laut?

Der kuriose Hahnenkampf im Villenviertel von Aumühle

Ein krähender Hahn macht einem Aumühler Ehepaar das Leben schwer

Ein krähender Hahn macht einem Aumühler Ehepaar das Leben schwer

Foto: Fotolia / ananaline - stock.adobe.com

Landleben oder Lärmbelästigung? Ein junger Hahn bringt ein Ehepaar um den Mittagsschlaf. Die alarmieren mehrere Behörden.

Aumühle.  Ein kleiner Hahn macht Elisabeth und Peter Ruge großen Kummer. Kräht das Federvieh doch ausgerechnet immer dann, wenn sich das Ehepaar zum Mittagsschläfchen hingelegt hat. Nickerchen hier, Krähen dort – das passt im beschaulichen Aumühle für die 80-Jährigen nicht zusammen.

Über den nahenden Frühling können sich die weit gereisten Journalisten aktuell gar nicht freuen. „Uns graut schon vor dem Sommer“, gibt Elisabeth Ruge zu. Dann läuft der Hahn in Nachbarsgarten aus ihrer Sicht zu Höchstform auf. Sich nach dem Mittagessen auf den Terrassenliegen ein wenig aufs Ohr hauen – „unmöglich“, sagen beide unisono. „Wir haben lange im lauten Paris gewohnt, sind extra ins Grüne gezogen, um unsere Ruhe zu haben. Und jetzt das“, sagt Elisabeth Ruge.

Bürgermeister und Amt sind eingeschaltet

Ein Hahn im Nachbarsgarten quält sie und ihren Mann seit Jahren. Sterbe einer, komme der nächste, haben sie beobachtet. Der aktuelle Hahn ist noch jung und die Ruges ahnen: „Die Stimme ist noch nicht mal ausgereift.“ Jetzt hat sich auch noch ein anderer Nachbar eine kleine Hühnerschar zugelegt, hält diese ebenfalls in Freilandhaltung. „Wird aus Aumühle nun ein Hühnerstall?“, fragen die beiden bange.

Mittlerweile beschäftigen sich auch das Amt Hohe Elbgeest und Aumühles Bürgermeister Knut Suhk mit dem „ruhestörenden Hahn“ von der Kuhkoppel. Selbst im Kreis hat sich der Gockel schon einen Namen gemacht. Denn die Ruges lassen nichts unversucht, damit in Aumühle bald wieder Ruhe herrscht. Veterinär-­amt, Ordnungsamt, Gesundheitsamt – viele Experten haben sich schon mit dem Hahn beschäftigt. Alle kommen zu demselben Ergebnis: Es ist in einem Wohngebiet erlaubt, eine kleine Hühnerschar samt Hahn zu halten – auch in Aumühle.

Hat die Polizei tatsächlich die Nachbarn befragt?

Doch wirklich ernst genommen fühlen sich die Ruges von den Amtsvertretern nicht. Aus ihrer Sicht vernebele wenig verständliches Amtsdeutsch die Tatsache, dass die Mitarbeiter ihren zahlreichen Beschwerden gar nicht ernsthaft nachgegangen seien. Dass die Polizei schon 2017 tatsächlich weitere Anwohner gefragt habe, ob auch sie sich von dem Hahn gestört fühlten, lasse sich durch eigene Recherchen nicht verifizieren, so die Ruges. „Wir haben nämlich ebenfalls die Runde bei angrenzenden zehn Häusern gemacht: In der Kuhkoppel und in der Sachsenwaldstraße. Und mit welchem Ergebnis? Alle fühlten sich vom Hahnenschrei belästigt“, so Peter Ruge. Einen Polizisten will keiner der Nachbarn, so die Ruges, zu Gesicht bekommen haben. „Darf ein Amt die Bürger anschwindeln?“, fragt das Ehepaar nun.

Zumindest die Tierhalterin selbst kann bestätigen, dass sich in ihrem Garten schon zahlreiche Amtsvertreter die Klinke in die Hand gegeben haben. „Keiner hatte etwas zu beanstanden. Im Gegenteil. Die Experten haben meine Hühnerhaltung als vorbildlich bezeichnet“, erklärt Karin Fronemann. Die Aumühlerin ist Psychotherapeutin und Homöopathin mit eigener Praxis im Haus und kennt sich nicht nur mit der menschlichen Gesundheit, sondern auch mit Geflügelhaltung aus – sie kommt von einem Hühnerhof.

Die Besitzerin will sich nicht von dem Hahn trennen

Dem Hahn mittags einfach Stubenarrest zu verordnen, wie von den Ruges gefordert, das gehe nicht. „Der Hahn ist schlau, lässt sich nicht fangen“, sagt seine Besitzerin. Sie selbst habe schon mehrmals einen Hahn in andere Hände abgegeben, wenn er zu oft, zu laut und zu unpassenden Zeiten gekräht habe. Der jetzige Hahn falle nicht in diese Kategorie. Er sei eher der zurückhaltende Typ, der seine zehn Hühner-Damen mit seiner Anwesenheit, aber nicht mit seiner Stimme bei Laune hält. Die Ruges geben an, dass der Hahn mittags in zwei Stunden gut zehn Minuten kräht. Zuviel für die Nachbarschaft im Villenviertel? Definitiv nicht, sagt Karen Fronemann. Sie will sich von ihrem Hahn nicht trennen. „Warum sollte ich das tun, wenn die überwiegende Mehrheit der Nachbarn mit ihm kein Problem hat?“

Aumühles Bürgermeister Knut Suhk (Grüne) betrachtet das Problem bislang noch aus der Ferne. Er ist als Mediator für Situationen ausgebildet, bei denen sich zwei Parteien unversöhnlich gegenüber stehen. Suhk: „Würde ich mich derart einbringen, hätte ich 50 Fälle dieser Art pro Jahr.“