Stormarn
Lesung

Bargteheider wollen Selfie mit Robert Habeck

Den Moment festhalten: Wie viele andere Gäste möchte auch Sylvia Kroll ein Foto mit Robert Habeck.

Den Moment festhalten: Wie viele andere Gäste möchte auch Sylvia Kroll ein Foto mit Robert Habeck.

Foto: Christina Schlie

Der Grünen-Chef liest im ausverkauften Kleinen Theater aus seinem neuen Buch. Die Besucher sind trotz einiger Pannen begeistert.

Bargteheide.  Es war ein Start mit Hindernissen. Wenn die Deutsche Bundesbahn Verspätung hat, dann ist auch ein Robert Habeck, Grünen-Bundesvorsitzender, machtlos. Die 340 Besucher im ausverkauften Saal des Kleinen Theaters, die zu Habecks Lesung erschienen waren, mussten sich in Geduld üben. Lutz Herberg, Inhaber der Bargteheider Buchhandlung und Initiator der Lesung, fuhr kurzentschlossen dem Zug entgegen und sammelte den Star des Abends am Bahnhof in Büchen ein.

Endlich auf der Bühne im Kleinen Theater angekommen, war dann der Tontechniker verschwunden. Mit 40 Minuten Verzögerung, doch gut gelaunt und erfreut zum zweiten Mal in Bargteheide zu sein, startete Habeck in den Abend. „Hier fühlt es sich an wie zu Hause.“

Viele junge Gäste besuchen die Lesung des Politikers

„Wer wir sein könnten“ heißt der neue Titel, den der promovierte Philosoph, Schriftsteller und Politiker vorstellte. Gespickt mit Texten aus seinen Vorgängerbänden und humorvollen Beschreibungen seiner politischen Laufbahn begeisterte Habeck das Publikum. Darunter auch viele jüngere Gäste, die teils aus Neugier, teils als Begleitung der Eltern die Lesung besuchten.

„Ich habe das Buch zu Weihnachten bekommen und wollte mal schauen, wie er so ist“, sagt der 18-jährige Tom Weisleder. Der Abiturient ist von Habecks Art und dessen gut zu verstehender Sprache begeistert. „Er schafft es, auch die jüngere Generation anzusprechen“, sagt der Bargteheider.

Der Grünen-Chef wirbt für mehr Kommunikation

Sprache ist das Thema des Abends. „Sprache, das ist das eigentliche politische Handeln. Sprache schafft Realität, Realität schafft Sprache. Wird sie zur Verrohung, was wird dann aus unserer Gesellschaft?“ Fragen, mit denen sich Robert Habeck beschäftigt hat. Sein Buch skizziert das Zusammenspiel von Politik und dem gesprochenen Wort. Es soll Mut machen, sich zu äußern. „Viel zu oft werden wir von Zahlen dominiert“, so der Grünen-Chef.

Er plädiert für das Miteinanderreden, das Zuhören und Denken, aktive Beteiligung. Er zitiert philosophische Schriften von Émile Durkheim, Václav Havel und Albert Camus. Er plaudert aus dem politischen Nähkästchen. „Die Sondierungsgespräche 2017 fühlten sich an wie eine zu lange Klassenfahrt in einem zu engen Bus.“ Habeck ist ehrlich und selbstreflektiert. Er hat stets die Lacher auf seiner Seite. Die Fragen aus dem Publikum nimmt er auf, auch wenn die Zeit nicht für alle Themen reicht. Die anfängliche Verspätung wirkt sich auf den Abend aus.

Thema ist auch Robert Habecks Facebook-Rückzug

Für den 49-Jährigen ist der Abend ein Spagat. Er versucht, den Wünschen der Besucher – gerade die weiblichen Gäste bitten immer wieder um ein Selfie - gerecht zu werden und doch sein Buch und die eigene Überzeugung an den Mann und die Frau zu bringen. „2018 war ein gutes politisches Jahr. Es ist uns gelungen, offene Diskussionen zu führen“, so der Grünen-Chef.

Auch zu seinem Rückzug von Facebook und Twitter äußert er sich. Er stehe für echte Gespräche und den direkten Austausch. Robert Habeck wirbt leidenschaftlich und anschaulich für eine friedliche Demokratie und begeistert damit das Bargteheider Publikum.

„Wer wir sein könnten“, 127 Seiten, 14 Euro, erschienen bei Kiepenheuer und Witsch