Stormarn
Prozess

Gericht lehnt Deal mit Autodieben ab

Die Verteidiger Christian Schumacher (l.) und Bettina von Hindte sitzen vor ihren Mandanten Grzegorz K. und Artur T.

Die Verteidiger Christian Schumacher (l.) und Bettina von Hindte sitzen vor ihren Mandanten Grzegorz K. und Artur T.

Foto: Dorothea Benedikt

Mindesntens 840.000 Euro Schaden. Angeklagte erhoffen mildes Urteil gegen Geständnis. Doch eine Einigung scheitert.

Glinde.  Deutliche Augenringe, der Kopf gesenkt. So verfolgt Grzegorz K. die Anklage der Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht in Lübeck. Mehr als eine halbe Stunde braucht die Juristin am Donnerstag, um alle Taten aufzuzählen. Der 37-Jährige sowie ein Mitangeklagter sollen zwischen September 2017 und Juli 2018 in Glinde, Barsbüttel, Oststeinbek, Bargteheide sowie in Hamburg und Umgebung 35 Autos gestohlen haben. In sechs Fällen scheiterten die mutmaßlichen Diebe, es blieb beim Versuch. Der Schaden wird auf 840.000 Euro geschätzt.

Grzegorz K. und der 32 Jahre alte Artur T. hören zwar die Vorwürfe der Staatsanwältin, doch die Polen dürften kein Wort davon verstehen. Auf dem Tisch vor ihnen liegt eine Übersetzung der Anklage. Zwischen den Männern sitzt eine Dolmetscherin. Diese hat jedoch keine Aussage der Männer zu übersetzen. Beide schweigen am ersten Verhandlungstag zu den Vorwürfen, die ein Muster erkennen lassen und zeigen, dass beide nicht allein gehandelt haben.

Spezialisiert auf teure Ford und Mazda

So sollen sich Grzegorz K. und Artur T. auf den Diebstahl von hochwertigen Autos der Marken Ford und Mazda spezialisiert haben. Die Anklagebehörde ist überzeugt, dass T. zunächst allein auf Beutezug gegangen ist. Im September soll er in Hamburg einen Ford Mondeo aufgebrochen haben. Mit speziellem Werkzeug und Geräten habe der 32-Jährige anschließend einen Schlüsselrohling technisch „angelernt“, um das Auto zu starten. Nach diesem Schema sei Artur T. immer wieder vorgegangen, ab Mai 2018 gemeinsam mit Grzegorz K.

Die gestohlenen Autos sollen die beiden Täter in Wohngebieten in anderen Orten abgestellt haben. So wurde ein in Hamburg entwendeter Ford S-Max in Lüneburg entdeckt, bevor ein Kurier das Auto nach Polen bringen konnte. Denn auch dies war Teil des Plans. Ermittlungen ergaben zudem, dass die Kuriere Kennzeichen-Dubletten an die Autos schraubten. Die gefälschten Nummernschilder passen zu den gestohlenen Automodellen und wurden zuvor auf der Straße ausgespäht. Zwei Kuriere wurden in Deutschland festgestgenommen. Auch den Beamten in Polen ging ein Mann ins Netz, der im Auftrag des Duos handelte.

Fahnder observierten die beiden Männer

Die Seriendiebe ahnten offenbar nicht, dass die Polizei auf ihrer Spur war. Seit Mai 2018 observierten Fahnder K. und T., überwachten auch ihre Telefone. So gewann die Polizei Einblicke in weitere kriminelle Kooperationen. Mit anderen Autodieben, die sich offenbar auf das Überwinden sogenannter Keyless-Go-Systeme spezialisiert hatten, sollen die Angeklagten zwei Mercedes in Barbüttel gestohlen haben. Am 17. Juli hatten die Ermittler genug Beweise gesammelt. Grzegorz K. und Artur T. wurden in Hamburg festgenommen und sitzen seitdem in U-Haft.

Am ersten Prozesstag versuchten die Verteidiger, mit dem Gericht einen Deal auszuhandeln: Geständnis gegen eine geringere Strafe. Doch die Parteien konnten sich nicht einigen. Somit wird das Verfahren mit der Beweisaufnahme und Vernehmung von Zeugen fortgeführt. Mit einem Urteil wird am 26. Februar gerechnet.