Stormarn
Digitalprojekt

Reinfelderin lässt Schülerzeitungen online gehen

Susanne Braun-Speck (50) macht Webdesign, schreibt Texte für Online-Marketing, war Geschäftsführerin einer IT-Personalvermittlung und soll jetzt als IQSH-Referentin Online-Schülerzeitungen auf den Weg bringen.

Susanne Braun-Speck (50) macht Webdesign, schreibt Texte für Online-Marketing, war Geschäftsführerin einer IT-Personalvermittlung und soll jetzt als IQSH-Referentin Online-Schülerzeitungen auf den Weg bringen.

Foto: Sebastian Knorr

Unternehmerin aus Stormarn vermittelt das Digitalprojekt in Workshops. Ziel sind Ausgaben an 30 Schulen im ganzen Land.

Reinfeld.  Für 2019 hat Susanne Braun-Speck klar abgesteckte Ziele: 30 neue Online-Schülerzeitungen sollen bis Ende des Jahres landesweit entstehen. Wenn es nach der Referentin am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) geht, ist das erst der Anfang. Danach könnte es bundesweit weitergehen, in anderen Schulen oder mit anderen digitalen Projekten. Ideen hat die gebürtige Reinfelderin genug. Sie will den Schulalltag digitaler gestalten. „Wir hinken in Schleswig-Holstein mit dem Thema Digitalisierung hinterher“, sagt die 50-Jährige.

Vier Treffen in acht Wochen – dann steht das Portal

Am Dienstag, 19. Februar, startet der erste Workshop über Online-Schülerzeitungen in Reinfeld, am 27. Februar folgt ein zweiter in Barsbüttel. An vier Terminen sollen Tandems aus Lehrern und jeweils zwei Schülern innerhalb von acht Wochen lernen, wie sie eine Online-Schülerzeitung betreiben können. Rechtliche Fragen stehen ebenso auf dem Stundenplan wie Marketing und Werbung, Wettbewerbe, Technik, Recherche und die Frage, wo und wie Jugendliche einen Presseausweis bekommen.

Nach vier Treffen sollen Teilnehmer nicht nur das Handwerkszeug mitbekommen haben, sondern auch eine fertige Plattform, die mit eigenen Inhalten gefüllt werden kann. Dieses sogenannte Content-Management-System will Braun-Speck direkt an den Schulen einrichten. Bei den Workshops schöpft die 50-Jährige aus ihrer Erfahrung als Personaldienstleisterin und Werbefachfrau. Vor allem aber bringt sie die Wissenswertes aus der Arbeit an der Online-Schülerzeitung erKant.de ein. Im Februar 2017 hatte sie das Portal an der Reinfelder Immanuel-Kant-Schule gegründet, die Tochter Minoka besucht. Es dient gewissermaßen als Blaupause für die neuen Online-Schülerzeitungen im Land.

Immanuel-Kant-Schule für Portal mehrfach geehrt

Einmal im Monat ist Redaktionskonferenz in einem Büroraum im Reinfelder Alfa-Park. Zwei alte Computer sind dort auf einem langen Konferenztisch installiert, um ihn herum stehen Lederstühle – mehr Platz ist nicht. Keks-Krümel zeugen von einer der vergangenen Sitzungen der Jungredakteure. Viel Geld ist nicht da, aber die Bilanz spricht für sich: Gleich zweimal wurden die Reinfelder im vergangenen Jahr ausgezeichnet.

Vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gab es 2018 den Sonderpreis „Ideen. Umsetzen.“, und die Werner-Bonhoff-Stiftung prämierte einen Artikel über Mobbing. Am Freitag dieser Woche kam für die Seite erKant.de zudem beim Schülerzeitungswettbewerb Schleswig-Holstein in der Kategorie „Gemeinschaftsschulen mit Sekundarstufe II und Gymnasien“ ein dritter Platz hinzu, der in Kiel vergeben wurde.

Schülerzeitung ist keine Schulzeitung

Zu den alten Hasen des Online-Magazins gehört Marvin Ladwig (21), der 2018 sein Abitur gemacht hat und erKant.de weiterhin unterstützt. Mittlerweile absolviert er einen Bundesfreiwilligendienst beim Offenen Kanal in Kiel und berichtet aus der Landeshauptstadt. „Wir sind eine Schülerzeitung und keine Schulzeitung“, sagt er. Heißt: Die Autoren berichten über Themen, die junge Leute interessieren. Diese müssen nicht nur mit der Schule zu tun haben. Die Online-Ausgabe spare nicht nur Druckkosten, sondern ermögliche auch schnelle und vielfältige Berichterstattung, so Ladwig: „Ich kann mit meinem Smartphone einen Text hochladen, wir machen Videos und Bilderstrecken, außerdem ist es nicht mehr wichtig, vor Ort zu sein.“

Fünf Schüler gehören derzeit neben Ladwig zum Kernteam der Zeitung, hinzu kommen freie Mitarbeiter. „Themen sprechen wir ab“, sagt Susanne Braun-Speck, die das Projekt bis heute ehrenamtlich begleitet. Abgabedruck gebe es nicht. Braun-Speck: „Wenn ein Text fertig ist, liest noch jemand aus dem Team drüber, dann wird er online gestellt.“

Stormarner Zeitung ist Vorreiter

Dass erKant.de jetzt Vorbild für Schulen im gesamten Land wird, ist auch dem IQSH in Kiel zu verdanken, dass die Workshops ausrichtet. Gemeinsam mit Barbara Hilgert, die Unternehmen zu agilen und digitalen Arbeitsformen berät, ist Braun-Speck mit unterschiedlichen Ideen nach Kiel gefahren.

Dort sei man von dem Projekt Online-Schülerzeitung begeistert gewesen. Das liegt auch daran, dass Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) gerade das „Jahr der politischen Bildung“ ausgerufen hat. 2019 soll so besonders das Demokratieverständnis von Schülern gestärkt werden. „Eine journalistische Öffentlichkeit gehört zur Demokratie dazu“, sagt Braun-Speck, „zudem schulen wir mit dem Zeitungsprojekt digitales Arbeiten, organisieren uns in WhatsApp-Gruppen, erstellen Videos und Fotos, schreiben Texte und arbeiten gemeinsam an Projekten über das Internet.“

Infos zum Workshop können per E-Mail (kontakt@sii-kids.de) angefordert werden, Termine unter: www.sii-kids.de/iqsh-events