Stormarn
Ehrenamt

Braak: Wie ein Dorf seine Feuerwehr rettet

Foto: Sebastian Knorr

Wegen Nachwuchsmangels war sogar schon eine Pflichtwehr im Gespräch. Doch jetzt gibt es Neuzugänge auch in Ahrensburg und Stapelfeld.

Braak.  Sie sind eine Notlösung, wenn sich zu wenig Einwohner freiwillig zur Brandbekämpfung melden: Drei Pflichtfeuerwehren gibt es in Schleswig-Holstein. In List auf der Insel Sylt, in Burg im Kreis Dithmarschen und in Friedrichsstadt im Kreis Nordfriesland werden Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren für den Dienst in der Feuerwehr eingezogen – er bleibt ein Ehrenamt. Jüngst war nun auch im Kreis Stormarn von einer Pflichtfeuerwehr die Rede: Wie berichtet, stand auch die Freiwillige Feuerwehr Braak mit ihren 23 aktiven Mitgliedern kurz davor, in ihrer jetzigen Form aufgelöst zu werden.

Jetzt gibt es Entwarnung in der 990-Seelen-Gemeinde an der Autobahn 1. Zehn neue Mitglieder sollen binnen der nächsten Monate zu der Truppe stoßen. Damit würde die kleine Wehr auf 33 Mitglieder anwachsen – ein Erfolg, mit dem hier so recht niemand mehr gerechnet hatte. Werbemaßnahmen und Gespräche mit Betrieben im Gewerbegebiet des Ortes hatten zunächst keine Wirkung gezeigt. Nun aber.

Werbung für die Wehr führt in Ahrensburg zum Erfolg

Gelöste Stimmung also bei Wehrführer Klaus Eggers, der beim monatlichen Dienst am Sonntagmorgen an der Wache steht: „Das Damoklesschwert Pflichtfeuerwehr scheint an uns vorüber gegangen zu sein“, sagt er. Hoffnung mache außerdem, dass die Jugendfeuerwehrabteilung mit 16 Neuanmeldungen im vergangenen halben Jahr auf rund 40 Mitglieder angewachsen ist. Positive Nachrichten auch aus der Nachbargemeinde Stapelfeld: Deren Feuerwehr zählt derzeit rund 40 Helfer, sieben neue Bewerber gehen jetzt zur Ausbildung. Die beginnt für die Wehren im Amt Siek Ende Februar. „Ab Mai fahren sie schon Einsätze mit“, sagt Stapelfelds Wehrführer Marcus Claus.

Über zehn neue Mitglieder darf sich außerdem die Truppe in Ahrensburg freuen, die zuletzt etwa mit großen Bannern („Wir brauchen dich!“) auf fehlende Mitglieder in der Schlossstadt aufmerksam gemacht hatte. „Vier sind schon ausgebildet, vier werden ausgebildet und zwei Interessenten sind noch unentschlossen“, sagt Tim Moormann, der sich um die Anwerbung neuer Helfer kümmert. „Unsere Werbung war ein voller Erfolg“, sagt er. 2019 gehe es mit neuen und anderen Aktionen weiter.

Mit 67 Jahren scheiden Mitglieder aus aktiven Dienst aus

Die Entwicklung freut auch Gerd Riemann, den Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Stormarn. „Die Wehren haben gute Werbung gemacht. Es dürfen aber gern noch mehr neue Mitglieder kommen“, sagt er mit Blick auf Kollegen, die mit 67 Jahren aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Gerade für die größte Stadt im Kreis wünsche er sich eine starke Wehr: „In Ahrensburg sah es bis zuletzt nicht rosig aus“, so Riemann, der die abnehmende Begeisterung nicht verstehen kann: „Das macht Spaß“, sagt er. Die Ahrensburger Wehr habe außerdem eine tolle technische Ausrüstung – inklusive Leiterwagen.

Klaus Eggers ist seit 45 Jahren in Braak bei der Feuerwehr: „Wir hatten auch mal 50 Mitglieder.“ Die Einwohnerzahl von Braak sei kontinuierlich gestiegen, Zugezogene engagierten sich aber nur selten in der Feuerwehr. Auf die fünf neuen Mitglieder, die heute zum Dienst erschienen sind, trifft das nicht zu: Zwei junge Frauen, eine von ihnen ist vor zwei Jahren nach Braak gezogen, ein Mittvierziger, der vor eineinhalb Jahren kam und zwei Studenten, die eine Wohngemeinschaft im Dorf gegründet haben. Ihr dritter Mitbewohner – auch er will Feuerwehrmann in Braak werden – lässt sich heute entschuldigen.

Helfen gehört zu einer guten Nachbarschaft

Jeden ersten Sonntag im Monat treffen sich die Braaker Helfer zum Dienst: Heute steht eine Übung mit dem Sprungpolster auf dem Dienstplan – einem großen Luftkissen zur Rettung von Menschen, die absturzgefährdet sind. Für Stefanie Strauch (35) ist es ihr erster Dienst. Ihr Freund ist bereits bei der Wehr aktiv. Sie wolle helfen, sagt sie. Das neue Hobby solle aber auch Spaß machen. Neben Strauch steht Melanie Graca (32), auch ihr Partner ist schon in der Wehr. Seinetwegen ist sie vor zwei Jahren von Hamburg nach Braak gezogen. „Ich hatte ja so meine Bedenken, ob das Landleben mir gefällt“, sagt Graca, „jetzt hoffe ich, dass wir nie wieder wegziehen.“

Es sei vor allem die Dorfgemeinschaft, die der 32-Jährigen gefällt. Zur guten Gemeinschaft gehöre auch, dass ein Nachbar kommt, wenn es brennt oder ein Unfall auf der Landstraße passiert. Das ist das Prinzip Freiwillige Feuerwehr. Garca sagt, sie wolle ihren Beitrag dazu leisten, dass das auch in Zukunft funktioniert.

In Braak muss die Umkleide für Damen erweitert werden

Genaus so sieht es Andreas Dorau (47), der schon seit Oktober dabei ist. Am heutigen Freitag wird er als Mitglied aufgenommen. „Gemeinschaft ist extrem wichtig“, sagt er, „gerade in der heutigen Zeit.“ Sich zu engagieren, sei für ihn selbstverständlich: „Nur so kann das Dorfleben funktionieren.“

Student Paul Brandes (20) weiß schon, was auf ihn zukommt. Er war acht Jahre in der Jugendfeuerwehr in Braak und kehrt jetzt mit Verstärkung zurück. Mitbewohner Niclas Könnecke (21) aus Rahlstedt, der in Hamburg Politologie studiert, ist erfreut, sich mit dem Einsatz in der Wehr einen Kindheitstraum zu erfüllen.

Wie in vielen anderen Gemeinden im Kreis müssen in Braak jetzt erst einmal neue Uniformen, Stiefel und Helme angeschafft werden. Außerdem wird die Damenumkleide erweitert. Eine Wand wird um einen Meter versetzt, damit fünf neue Spinde hier Platz finden, die auch von der Jugendfeuerwehr genutzt werden. Geld dafür habe die Gemeinde schon zugesichert, sagt Eggers, der hofft, dass sich die neuen Mitglieder in Braak wohlfühlen.