Stormarn
Minervapark

Stapelfeld sagt Ja zum neuen Gewerbegebiet

Die Stapelfelder wollen verhindern, dass der Durchgangsverkehr den Weg vom Kreisel durch die Hauptstraße mitten in den Ort nimmt.

Die Stapelfelder wollen verhindern, dass der Durchgangsverkehr den Weg vom Kreisel durch die Hauptstraße mitten in den Ort nimmt.

Foto: Blombach, Hinnerk / HA

Gemeindevertreter beschließen Bebauungsplan für Minervapark mit neun zu drei Stimmen. Dorf will Durchgangsverkehr heraushalten.

Stapelfeld.  Der Weg zum ersten länderübergreifenden Gewerbegebiet von Schleswig-Holstein und Hamburg ist frei. Die Stapelfelder Gemeindevertreter haben den dafür nötigen Bebauungsplan mit neun zu drei Stimmen beschlossen. Auf Hamburger Seite haben die Vorarbeiten für den sogenannten Victoriapark (26,5 Hektar) bereits begonnen. Auch im Stapelfelder Teil, dem 13 Hektar großen Minervapark, können demnächst die Bagger anrücken.

Nach jahrelangen, oft sehr kontrovers und persönlich geführten Debatten fiel die endgültige Entscheidung über den B-Plan 16 recht deutlich aus. Neun der zwölf Kommunalpolitiker – Inga Thomas (Wählergemeinschaft WGS) fehlte wegen eines anderen Termins – sagten Ja. Die beiden WGS-Vertreter Kai-Uwe Stehr und Martin Wesenberg sowie Jörg Tolzin (CDU) stimmten mit Nein. WGS und CDU haben jeweils fünf Sitze in dem Gremium, die SPD hat drei.

Hauptargument für die Befürworter des Gewerbegebiets ist die Möglichkeit, bei der Verkehrsführung mitzureden. Ziel ist es, den Durchgangsverkehr aus der Hauptstraße (Kreisstraße 107) herauszuhalten, die mitten durch den Ort führt. Auch die Alte Landstraße (Landesstraße 222), die von Hamburg-Rahlstedt zum Autobahnanschluss Stapelfeld führt, soll umgebaut werden.

Die Gemeinde will Einfluss auf die Verkehrsführung nehmen

„Niemand schwimmt auf einer Woge der Begeisterung“, sagte SPD-Fraktionschef Klaus Fechner. Aber Hamburg werde bei sich auf jeden Fall bauen. „Wenn wir Einfluss auf die Verkehrsführung nehmen wollen, dann müssen wir diese Kröte schlucken“, so Fechner.

Ähnlich argumentierte Lutz Tonne (CDU): „Das ist für keinen hier eine Herzensangelegenheit, aber wir sind auch nicht im Phantasialand.“ Da es sich bei den Zufahrten zum Gewerbegebiet um eine Kreis- und eine Landesstraße handele, müsse sich die Gemeinde mit dem Kreis und dem Ministerium in Kiel einigen. Die Gespräche seien auf einem sehr guten Weg.

„Wir sollten lieber unsere Chance nutzen, das Möglichste für Stapelfeld herauszuholen, als den Hamburgern ohne jede Mitsprache fassungslos zuzusehen“, sagte Tonne. Den Nachbarn aus der Hansestadt sei es vergleichsweise egal, auf welchen Wegen Lastwagen und Mitarbeiterautos zum Gewerbegebiet kämen. Das sah auch Heino Westphal (CDU) so. „Der doppelt so große Victoriapark kommt sowieso, und dann hätten wir den Verkehr in keinster Weise beeinflussen können.“

Sein Bruder Jürgen Westphal, der in der WGS und Bürgermeister ist, sieht dafür jetzt beste Voraussetzungen. Grund ist der Erschließungsvertrag mit der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS). Den hatten die Gemeindevertreter Minuten zuvor in nicht öffentlicher Beratung (es ging um vertrauliche Zahlen und Daten) mit zehn Ja- und einer Neinstimme bei einer Enthaltung abgesegnet.

Kritiker befürchten deutlich mehr Autoverkehr im Dorf

„Bis 2022 werden 5,6 Millionen Euro nach Stapelfeld fließen“, sagte Jürgen Westphal. „Wir sind frei in der Entscheidung, wo wir dieses Geld einsetzen.“ Auf eine konkrete Liste mit Um- oder Ausbauten von Straßen sei bewusst verzichtet worden, um flexibel reagieren zu können.

Seinen neben ihm sitzenden WGS-Fraktionschef Kai-Uwe Stehr konnte Westphal allerdings nicht ansatzweise überzeugen. „Ich sehe in dem Plan nicht einen einzigen Vorteil für Stapelfeld“, so Stehr. „Wir laden die Autofahrer förmlich dazu ein, durch unseren Ort zu fahren.“ Er befürchte, dass der Kreis Stormarn wirksame Veränderungen an der Hauptstraße nicht genehmigen und der Verkehr drastisch zunehmen werde. „Wir haben alle unsere Trümpfe verspielt, ich bin nicht so optimistisch“, sagte Stehr weiter.

L 222 wird zwischen Autobahn und „Mülle“ vierspurig

Deutlich mehr Lärmbelastung befürchten die Menschen, die an der Alten Landstraße in Höhe der Straße Kleiner Manhagen wohnen. Ihrem Ärger machten einige bereits in der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Sitzung Luft.

Denn offenbar sind auf der L 222 schon jetzt viel mehr Autos unterwegs, als bisher angenommen. Statt der zuletzt genannten 19.800 Fahrzeuge am Tag sollen es fast 30.000 sein. Um die häufigen Staus im Berufsverkehr am Autobahnanschluss Stapelfeld zu verhindern, wird die Landesstraße von der A 1 bis zur „Mülle-Kreuzung“ (Ahrensburger Weg/Groot Redder) auf etwa 900 Metern vierspurig ausgebaut. Im Tunnelbereich unter der Autobahn ist nur Platz für drei Spuren.

Auf die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn kommt nun reichlich Arbeit zu. „Wir möchten im Sommer mit der Erschließung anfangen“, sagt WAS-Geschäftsführer Detlev Hinselmann. „Es ist wichtig, dass Stapelfeld nach einem langen Weg den Startschuss gegeben hat.“

Jetzt gehe es darum, gemeinsam mit Hamburg den weiteren Zeitplan festzulegen. Als Erstes müsse die Haupterschließungsstraße angelegt werden, die von der Alten Landstraße ins Gewerbegebiet führt. Ziel ist es, im Frühjahr 2020 baureife Grundstücke anbieten zu können. Eine Vorgabe: Mindestens 80 Prozent der Parkplätze sollen in Tiefgaragen sein.