Stormarn
Theater

Freunde des britischen Humors kommen aus Glinde

Eiszeit zur Tea Time (v. l.): John, Paul, Evelyn und Diana lösen ihre Eheprobleme auf unterschiedliche Weise, aber nicht gemeinsam.

Eiszeit zur Tea Time (v. l.): John, Paul, Evelyn und Diana lösen ihre Eheprobleme auf unterschiedliche Weise, aber nicht gemeinsam.

Foto: Sebastian Knorr

Seit 1983 gibt es die englischsprachige Theatergruppe, sie ist einmalig in Stormarn. Premiere von „Absent Friends“ ist am Freitag.

Oststeinbek.  Als die English Theatre Group Glinde 1983 gegründet wurde, war Jan Reuter (33) noch nicht auf der Welt. Auf dem Stundenplan des Leistungskurses Englisch am Glinder Gymnasium stand damals das Thema „Drama“ und Lehrer Wolfgang Bendokat bat seine Schüler zur praktischen Erprobung auf die Bühne der Schule.

Am Konzept hat sich in den vergangenen 36 Jahren nichts geändert. Auch wenn die Theatertruppe mittlerweile ein eigener Verein ist. Die English Theatre Group macht auch heute noch in Glinde und Umgebung Theater in englischer Sprache und hat sich damit ein Alleinstellungsmerkmal in Stormarn bewahrt. Denn im Kreis gibt es zwar viele niederdeutsche, aber keine weitere angelsächsische Schauspielgruppe. Aufgeführt werden zeitgenössische Stücke und Klassiker. Nur Shakespeare gehe gar nicht, sagt Jan Reuter. Den überlassen sie den Profis.

Ein Verein, ein Freundeskreis und eine Leidenschaft

Der 33-Jährige, der in der Presseabteilung der Elbphilharmonie arbeitet, sitzt im Oststeinbeker Bürgersaal. Seit einer knappen Woche können die Laienspieler hier proben. Am Wochenende feiern sie mit Alan Ayckbourns „Absent Friends“ (Freunde in Not) Premiere. Licht, Kostüme, Bühne, Requisiten, Soundeffekte: Alles ist in der Hand des Vereins, der derzeit zwölf Mitglieder hat.

„Ein tolles Hobby“, sagt Reuter, der in Glinde wohnt und schon früh ein Interesse für die Kunst hatte, Geschichten zu erzählen. „Mit elf Jahren wollte ich Filmregisseur werden“, erinnert sich Reuter. Traurig, dass es nicht geklappt hat, sei er aber nicht. Das seichte Gewässer der Laienspielgruppe habe gegenüber dem Haifischbecken der Profis nämlich schlagende Vorteile: „Wir können uns die Hauptrollen geben, die wir im normalen Leben wahrscheinlich nie bekommen hätten.“

Mitglieder sind auch Freunde

Und dann ist da ja auch noch die Tatsache, dass der kleine Verein gleichzeitig ein Freundeskreis ist. Auf der Bühne macht sich gerade Jans Bruder Arne bereit. Mit einigen der Anwesenden habe er 2004 zusammen Abi gemacht, sagt Jan noch. Dann muss er ins Kostüm. Gleich beginnt die Probe mit dem ersten Akt.

Mit Alan Ayckbourn hat sich die Glinder Theatergruppe einen wahren Vielschreiber ausgesucht und einen Autor, der weiß, wie man eine Pointe setzt. Zuletzt wurde Ayckbourns Boulevardkomödie „Ab jetzt“ am Hamburger Schauspielhaus bejubelt. Die Glinder Hobbyschauspieler haben sich für „Absent Friends“ entschieden, das Ayckbourn Anfang der 1970er-Jahre geschrieben hat.

Sechs alte Bekannte kommen zur Tea Time zusammen

In diese Zeit entführt auch die Glinder Inszenierung, für die das Regie-Duo aus Nica F. Brandao und Jörg Finger verantwortlich ist. Mit viel Lust haben die Hobbyschauspieler tief in die 70er-Jahre-Klammottenkiste gegriffen und unter anderem einen beigen Rollkragenpullover, herrlich geschmacklose Perücken und eine Krawatte in Überbreite gefunden. Optisch macht auch das Bühnenbild einiges her: Möbel aus der Zeit stehen vor einem wirkungsvollen Hintergrund aus vier knalligen Stellwänden: Rechts ist eine Bar, links stehen Teetassen auf einem Couchtisch bereit.

Der Humor des Stückes ist dabei ebenso wie die Sprache „very British“: Zur Tea Time haben die Eheleute Diana und Paul vier alte Freunde geladen. Sie wollen Colin aufmuntern, dessen Verlobte kürzlich verstorben ist. Es kommt dann komödiengerecht anders als geplant. Denn Colin ist nicht todtraurig, sondern nervt alle mit seiner guten Laune. Der Rest hat dazu noch ganz andere Probleme: Ehekrach, Neurosen, ein schreiendes Neugeborenes. Und so ist kollektives Schweigen das Beste, was dem Freundeskreis an diesem unterhaltsamen Theaterabend auf der Glinder Bühne passieren kann.

Absent Friends Fr. 1.1., 19.30, Bürgersaal Oststeinbek, Möllner Landstraße 22, Tickets mit freier Platzwahl: 10,-; weitere Termine: Sa, 2.1., 19.30 und So, 3.1., 17.00

Die Geschichte

Vor 36 Jahren spielte der Leistungskurs Englisch des Glinder Gymnasiums unter der Leitung von Lehrer Wolfgang Bendokat die ersten Stücke unter dem Namen „English Theatre Group“ – daraus entstand eine AG. Deren vorläufiges Ende kam 2008: Bendokat wurde Interimsschulleiter und hatte keine Zeit mehr. Die Schauspieler kamen erst beim Glinder Theoter ut de Möhl unter. 2016 gründeten sie ihren eigenen Verein.