Stormarn
Stormarn

Fluglärm-Initiativen: „Regeln werden ständig missachtet“

Für Starts und Landungen auf dem Hamburger Flughafen gibt es Bahnbenutzungsregeln.

Für Starts und Landungen auf dem Hamburger Flughafen gibt es Bahnbenutzungsregeln.

Foto: Christophe Gateau / picture alliance / Christophe Gateau

Keine Landungen aus Richtung Stormarn zwischen 22 und 7 Uhr: Diese Vorgabe wurde 2018 nicht in einer einzigen Nacht erreicht.

Ahrensburg.  Die drei Stormarner Bürgerinitiativen gegen Fluglärm fühlen sich von der Hamburger Umweltbehörde und der Flughafengesellschaft nicht ernst genommen. Laut Jahresbericht 2018 sind 1174 verspäteten Nachtflüge zwischen 23 Uhr und Mitternacht ein Höchststand. Während ein Beschwerdeführer im Schnitt sechs Eingaben machte, waren es in Ahrensburg rund 470, in Bargteheide 320, in Jersbek gut 120, in Elmenhorst knapp 90 – und in Großhansdorf mehr als 1000 (wir berichteten ).

„Nicht die sich zu Recht beschwerenden Bürger stellen das Problem dar, sondern der überbordende Fluglärm und die permanenten Regelverstöße“, sagt René Schwartz, Stormarner Sprecher der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW). Die in der Betriebsgenehmigung sowie im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss festgeschriebene Flugpause von 23 bis 6 Uhr sei nur in 53 von 365 Nächten eingehalten worden. Und 20 Flüge nach Mitternacht (2017 waren es noch 36) würden gar nicht erwähnt.

Elmenhorster beklagen „extrem lautere“ Überflüge

Die Bahnbenutzungsregel, nach der zwischen 22 und 7 Uhr keine Landungen aus Nordosten (über Stormarn) erfolgen sollen, sei nicht einmal eingehalten worden. „Niemand unternimmt etwas dagegen, dass die Ausnahme zur Regel gemacht wird.“ Die Zahl von 0,7 Prozent der 156.600 Flüge zwischen 23 und 24 Uhr sei Trickserei. „Wenn man nur die relevante letzte Stunde ab 22 Uhr heranzieht, sind es 25 bis 30 Prozent“, sagt Schwartz.

Mehr Gehör fordert auch die Gruppe Fluglärmgeplagte Gemeinde Elmenhorst (FGE). „Die Stormarner Politik setzt sich nicht oder sehr, sehr wenig für die betroffenen Bürger ein“, sagt Susanne Mollner. Viele Menschen beschwerten sich nicht, weil sie der Meinung seien, dass dies nichts mehr bringe. Anderen fehle die Zeit, das aufwendige Beschwerdeformular für jeden Überflug einzeln auszufüllen.

Überflüge seien mit um die 70 Dezibel (dBA) „extrem lauter“ geworden. Vermehrt werde vor 6 Uhr über Stormarn gekreist, um die Zeit bis zur Landeerlaubnis zu überbrücken. Auch für den Bereich Jersbek, Elmenhorst, Bargteheide und nicht nur für die direkten Nachbarn müsse der Flughafen zum Beispiel Lärmschutzfenster mit Smartphonebedienung bezahlen.

Jersbeker finden, dass kleinere Orte nicht gehört werden

Der Rückgang von 41.000 auf 28.000 Beschwerden aus Stormarn ist für die Initiative Fluglärmschutz Jersbek keinesfalls ein Zeichen für weniger Lärm. „Insbesondere in den Abendstunden donnern Flieger oft in geringen Abständen über die Häuser“, sagt Sprecher Markus Jahn. Unterhaltungen auf der Terrasse oder Schlafen bei geöffnetem Fenster seien kaum möglich.

„Menschen, die auf dem Land Ruhe suchen, werden besonders belastet.“ Denn anders als in der Stadt sei der Grundrauschpegel sehr niedrig, weshalb der Lärmanstieg pro Flieger als besonders störend empfunden werde. Da der Schall nicht durch hohe Bauten gebremst werde, breite sich der Lärmteppich während der Rushhour sogar ohne Unterbrechung aus. Jahn: „Im Unterschied zu bevölkerungsstarken Gebieten haben wir jedoch das Gefühl, weniger gehört zu werden.“