Reinbek

Behörde lehnt neue Zufahrt zum Recyclinghof ab

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René Soukup
Anwohner der Glinder Straße in Reinbek ärgern sich über lange Autoschlangen vor dem Recyclinghof

Anwohner der Glinder Straße in Reinbek ärgern sich über lange Autoschlangen vor dem Recyclinghof

Foto: Wolfgang Schmidt

Landesbehörde missbilligt Vorschlag der Abfallwirtschaft Südholstein. Reinbeks Bürgermeister will Verkehrsministerium einschalten.

Reinbek.  Die Anwohner der Glinder Straße im Reinbeker Stadtteil Schönningstedt werden sich an Wochenenden weiter über blockierte Einfahrten und Autoschlangen vor ihren Grundstücken aufregen. Verursacher dieser Missstände sind Kunden des Recyclinghofs der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH). Die Idee, jene anders auf die Anlage zu leiten und auch wieder zurück, kam beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Lübeck (LBV) nicht gut an. Die zuständige Behörde lehnte jetzt eine Bauvoranfrage des Entsorgungsunternehmens ab.

Politiker befürworten direkte Verbindung zur Kreisstraße

Dessen Geschäftsführer Dennis Kissel möchte eine Straße auf der westlichen Seite des Geländes Richtung Glinde auf einem Acker schaffen in direkter Verbindung zur Sachsenwaldstraße, die zugleich eine Kreisstraße ist. Diese Variante befürworteten auch Politiker der Stadt Reinbek.

„Ich halte die Mitteilung des LBV für eine Frechheit. Da muss man gegen ankämpfen“, sagt Heinrich Dierking, Fraktionsvorsitzender der Wählergemeinschaft Forum 21. Für das Anlegen einer Zu- und Abfahrt bedarf es einer Sondernutzungserlaubnis. Diese wird unter anderem erteilt, „wenn Gründe des Wohls der Allgemeinheit die Änderung erfordern“, heißt es im Schreiben der Behörde. Dieser Tatbestand liege ihrer Ansicht nach nicht vor. Sie hält die einzige Route zum Recyclinghof über die Tempo-30-Zone für ausreichend. Das kann Dierking genauso wenig nachvollziehen wie Grünen-Fraktionschef Günther Herder-Alpen. Der sagt: „Ich bin von der Nachricht alles andere als begeistert.“

Anlieger der Glinder Straße klagen seit Jahren über die Verkehrsproblematik. Sie kritisieren auch, dass schwere Lastwagen morgens zu schnell durch die Straße fahren und viel Lärm machen. Hauseigentümer berichten von Setzrissen in den Wänden durch die Erschütterungen.

Bürgermeister Björn Warmer reagiert ebenfalls mit Unverständnis auf die Haltung des Landesbetriebs: „Ich sehe das nicht so und gebe mich mit der Antwort nicht zufrieden.“ Er wolle jetzt das Verkehrsministerium in Kiel einschalten. Zudem wird der Verwaltungschef die Stormarner Landtagsabgeordneten Lukas Kilian (CDU) und Martin Habersaat (SPD) in dieser Angelegenheit kontaktieren – in der Hoffnung, Unterstützer zu finden.

Für AWSH-Chef Kissel ist die negative Reaktion auf seine Anfrage keine Überraschung. „Ich habe es erwartet, wir haben in der Vergangenheit ja ähnliche Vorschläge gemacht und daraufhin keine Zustimmung der Behörde erhalten.“ Er bedaure das sehr.

Die Abfallwirtschaft Südholstein wäre auch dem Wunsch der Anlieger nachgekommen und umgezogen. Das Unternehmen hatte sich in der Vergangenheit um ein Grundstück nahe der Carl-Zeiss-Straße im Gewerbegebiet bemüht. Die Reinbeker Politiker erteilten dem Vorhaben jedoch hinter verschlossenen Türen und ohne Ausarbeitung einer Verwaltungsvorlage eine Absage, weil sie die Fläche als schützenswert und Biotop ansahen. Trotzdem drängten die Entscheidungsträger auf einen Standortwechsel, das Rathaus prüfte andere Alternativen – auch auf Flächen, die in Privateigentum sind. Allerdings war keines der angedachten Areale machbar.

Reinbek soll 2019 über Verkauf des Grundstücks entscheiden

Deshalb soll die AWSH jetzt auf dem städtischen Grundstück bleiben. Dort möchte das kommunale Unternehmen, an dem die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg zu je 25,5 Prozent beteiligt sind, eine neue Anlage bauen und rund zwei Millionen Euro investieren. Allerdings nur, wenn es Planungssicherheit hat, der Pachtvertrag laut Kissel auf 20 Jahre erweitert wird oder die AWSH das Gelände erwirbt. Den jetzigen Kontrakt kann Reinbek nach fünf Jahren kündigen.

Björn Warmer will der Politik 2019 dazu eine Vorlage zur Entscheidung reichen. „Ich bin für einen Verkauf. Und es muss dafür gesorgt werden, dass auf dem Hof mehr Anlieferer stehen zur Entlastung der Straße“, sagt Heinrich Dierking. Günther Herder-Alpen betont, er sei für beide Varianten offen. „Wir müssen sehen, wie sich die Finanzen der Stadt entwickeln.“

Die AWSH betreibt im Süden Schleswig-Holsteins 13 Recyclinghöfe. Der Reinbeker ist mit bis zu 1000 Kunden am Tag der höchst frequentierte.

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