Stormarn
Prozess

Tritte gegen den Kopf: 21-Jähriger zu Geldstrafe verurteilt

Der Fall wurde vor dem Amtsgericht in Ahrensburg verhandelt

Der Fall wurde vor dem Amtsgericht in Ahrensburg verhandelt

Foto: Nadine Beck

Blutige Auseinandersetzung unter Alkoholeinfluss in Trittau: Amtsgericht Ahrensburg erkennt auf gefährliche Körperverletzung.

Ahrensburg/Trittau.  Das Amtsgericht Ahrensburg hat den 21 Jahre alten Jonas A. (alle Namen geändert) wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 400 Euro verurteilt, außerdem muss er 600 Euro Entschädigung an das Opfer zahlen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Ahrensburger den 25-jährigen Dominic L. mit Tritten so schwer verletzte, dass dieser wegen eines zweifachen Kieferbruches in einer Klinik behandelt werden musste. Außerdem erlitt das Opfer eine Platzwunde am Hinterkopf.

Der Vorfall ereignete sich am 25. Mai vergangenen Jahres in Trittau an der Rausdorfer Straße auf dem Parkplatz des Feuerwehr-Gerätehauses. Gegen 23 Uhr sei es zunächst zu einer Auseinandersetzung zwischen L. und dem 20 Jahre alten Fabian S. gekommen, der mit dem Opfer befreundet war. „Er hat mir noch Geld geschuldet“, sagte das Opfer Dominic L. über den Hintergrund des Treffens. Beide waren zu diesem Zeitpunkt stark alkoholisiert, bei L. ergab ein von der Polizei durchgeführter Alkoholtest einen Wert von 1,2 Promille. Laut eigener Aussage hatte L. auch Kokain zu sich genommen.

Nach einem Telefonat fährt plötzlich der Täter vor

„Fabian hat mich telefonisch um ein Treffen an der Rausdorfer Straße gebeten“, erklärte L. vor Gericht. Während ein 25 Jahre alter Begleiter von S. versuchte, den Streit zu schlichten, soll S. einen Anruf getätigt haben, woraufhin kurze Zeit später ein silberner VW an der Rausdorfer Straße eintraf und der jetzt verurteilte Jonas A. ausstieg. Stark angetrunken soll der Auszubildende das Opfer zunächst bedrängt und trotz Beschwichtigungsversuchen von L. diesen zu Boden gestoßen und anschließend mit Tritten am Kopf schwer verletzt haben, sodass er das Bewusstsein verlor.

Ein Anwohner, der den Konflikt beobachtet hatte, verständigte Polizei und Rettungswagen: „Ich habe ihnen davor bereits von meinem Fenster aus zugerufen, dass sie leiser sein sollen“, sagte der Zeuge, der die heftigen Wortgefechte von seiner Wohnung aus hörte. Das Opfer wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und musste notoperiert werden.

Alle Beteiligten waren an dem Abend stark alkoholisiert

Angreifer A. hatte die Tat wenige Tage später der Polizei gestanden und sich nach der Entlassung L.s aus der Klinik mit ihm in einem Ahrensburger Café getroffen. „Ich wollte ihn um Entschuldigung bitten, als ich gehört hatte, dass er im Krankenhaus war“, sagte A. vor Gericht. Das Opfer lehnte es jedoch ab, auf eine Anzeige zu verzichten.

Der Prozess wurde erschwert, weil sowohl das Opfer als auch Fabian S. und sein Begleiter angaben, wegen des starken Alkoholkonsums an jenem Tag unter großen Erinnerungslücken zu leiden. Auch wenn das Motiv des Täters unklar blieb, sah es der Richter aufgrund eindeutiger Zeugenaussagen als erwiesen an, dass der Angriff nicht aus einer zufälligen Begegnung heraus, sondern vielmehr vorsätzlich geschah. So habe A. billigend in Kauf genommen, L. lebensgefährlich zu verletzen und mutmaßlich Vergeltung für eine frühere Auseinandersetzung gesucht. Damit wies er die gegensätzliche Darstellung des Verurteilten zurück.

Täter wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt

Gegen Jonas A. hatte es bis 2014 bereits mehrere Verfahren gegeben, unter anderem wegen Bedrohung, Körperverletzung, der Verbreitung von Propagandamaterial verfassungsfeindlicher Organisationen sowie besonders schwerem Diebstahl. Alle Verfahren wurden allerdings eingestellt.

Im aktuellen Fall wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt, da er zum Tatzeitpunkt erst 20 Jahre alt war. Im Falle einer Verurteilung als Erwachsener hätten ihm mindestens sechs Monate Haft gedroht. A. kann noch Berufung gegen das Urteil beim Landgericht Lübeck einlegen.