Stormarn
Kommunalpolitik

Barsbütteler Frauenrunde will für Politik begeistern

Mitglieder des interfraktionellen Frauentreffs: Gabriela Wurst (buntes Oberteil, v.l. im Uhrzeigersinn), Heike Brost, Karin Eickenrodt, Annegret Schlatermund, Marion Meyer, Greta-Marie Danzenbächer, Angela Tsagkalidis. Auf dem Foto fehlen Anja Fritsch, Martina Sönnichsen und Jessica Wörmann.

Mitglieder des interfraktionellen Frauentreffs: Gabriela Wurst (buntes Oberteil, v.l. im Uhrzeigersinn), Heike Brost, Karin Eickenrodt, Annegret Schlatermund, Marion Meyer, Greta-Marie Danzenbächer, Angela Tsagkalidis. Auf dem Foto fehlen Anja Fritsch, Martina Sönnichsen und Jessica Wörmann.

Foto: René Soukup

Die interfraktionelle Gruppe sucht Mitstreiterinnen. Der Eintritt in eine Partei ist keine Pflicht. Treff ist einzigartig im Kreis.

Barsbüttel.  Politik soll weiblicher und damit vielfältiger werden. Auch das haben sich zehn Barsbüttelerinnen aus vier Parteien für ihre Gemeinde zur Aufgabe gemacht. Sie sind Mitglieder des interfraktionellen Frauentreffs, der sich vor Kurzem gegründet hat. Eine solche Gruppe gibt es nirgendwo sonst in Stormarn. Dass die 13.700-Einwohner-Kommune dieses Alleinstellungsmerkmal hat, geht auf die Initiative der SPD-Ortsvorsitzenden Marion Meyer zurück. Sie sagt: „Wir hoffen auf weitere Mitstreiterinnen, die sich politisch engagieren. Die Wahl der Partei ist dabei zweitrangig.“

Wer mitmachen will beim Frauentreff, muss aber nicht zwingend einer der Organisationen angehören. „Man kann sich auch in Arbeitsgruppen einbringen, um etwas zu bewegen“, so Meyer. Die 53-Jährige ist seit 2014 politisch aktiv und inzwischen in den Kreisvorstand der Sozialdemokraten aufgerückt. Auch beruflich setzt sie sich für die SPD ein, arbeitet im Büro des Stormarner Landtagsabgeordneten Martin Habersaat. Die Idee, eine Gruppe nur für Frauen zu installieren, kam ihr beim Blick auf die Zahl der weiblichen Mitglieder in den Ortsverbänden. Es sind ihr zu wenig. Bei den weiteren Überlegungen entschloss sich Meyer, den großen Bogen zu spannen und bei Frauen aus anderen Parteien anzufragen. Binnen weniger Tage hatte sie die Zusagen.

Runde will gemeinsam Ideen entwickeln

Zum Beispiel von Gabriela Wurst. Die 59-Jährige war früher bei den Grünen, ist aber ausgetreten. Trotzdem vertritt die Unternehmerin die Partei im Willinghusener Ortsbeirat. Sie sagt über die neue Gruppe: „Wir sind alle sehr wohlwollend, gemeinsame Ideen zu entwickeln, um diese in den Fraktionen durchzusetzen.“ Was den Frauen besonders wichtig ist: Bei ihren Treffen kommt jeder ausgiebig zu Wort, kann Vorschläge präsentieren. Keiner wird abgebügelt. Man begegnet sich auf Augenhöhe und ohne Misstrauen.

Annegret Schlatermund, seit mehr als 30 Jahren CDU-Mitglied und früher im Ausschuss für Schule, Kultur, Jugend und Sport (SKS) aktiv, fühlt sich in der Runde wohl. „Es ist hier erheblich angenehmer als mit den Männern in meiner Partei, vor allem entspannter.“ Da fühle man sich manchmal wie das fünfte Rad am Wagen. Schlatermund ist 75 Jahre alt und hat keine Ambitionen mehr auf Parteiämter. Sie kann frei reden und muss nicht fürchten, sich durch Äußerungen den Weg nach oben zu verbauen. Mit persönlicher Kritik an männlichen Kollegen halten sich die Damen zwar zurück, dennoch fällt das Wort Platzhirschgehabe im Zusammenhang mit dem Auftreten erfahrener Ortspolitiker. Namen werden nicht genannt.

„Frauen trauen sich, in unserer Gruppe mehr zu reden als in den Ausschüssen“, sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Angela Tsagkalidis. „Als Neuling in den politischen Gremien ist man mit Wortmeldungen zurückhaltender aus Angst, etwas Falsches zu sagen.“ Tsagkalidis leitet den SKS-Ausschuss und ist sich nicht zu schade, während der Sitzung und trotz vorherigen studierens der Verwaltungsvorlagen bei Unkenntnis Fragen an die Rathausmitarbeiter zu stellen.

Es wird viel gelacht, die Teilnehmer duzen einander

„Das finde ich gut, weil es zeigt, dass die Kollegin umfassend informiert werden möchte, bevor sie eine Entscheidung bei Abstimmungen trifft“, sagt Karin Eickenrodt von der Wählergemeinschaft Bürger für Barsbüttel (BfB), die seit der Kommunalwahl im Mai stärkste politische Kraft in der Gemeinde ist. Eickenrodt mischt in der BfB seit 23 Jahren mit, ist Gemeindevertreterin und wünscht sich in Ausschüssen „eine bessere Arbeitsatmosphäre und dass wieder mehr diskutiert wird“. Beim Frauentreff herrscht eine lockere Stimmung. Es wird viel gelacht, die Teilnehmer duzen einander. Von Aggressivität keine Spur, auch wenn Meinungen auseinanderklaffen. Auf dem Tisch des kroatischen Restaurants an der Hauptstraße, in dem die Politikerinnen einmal im Monat zusammenkommen, stehen drei Flaschen Wasser, zwei Gläser Wein und ein Alsterwasser, dazu reicht der Gastwirt leckere Speisen.

Mit von der Partie ist auch Heike Brost. Die Barsbüttelerin gehörte einer Interessengemeinschaft an, kämpfte erfolglos für den Erhalt der Parkanlage hinter ihrem Grundstück. Die Machtlosigkeit war für die 54-jährige Kinderkrankenschwester eine Triebfeder, sich in einer Partei zu engagieren. Jetzt ist sie SPD-Gemeindevertreterin. In dem Gremium sitzen sieben Frauen und 16 Männer. Den Schritt in die Politik hat Brost nicht bereut, sagt: „Es ist ein spannendes Gebiet, und ich erweitere meinen Horizont.“ Den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Volksvertretern beschreibt sie so: „Wir sprechen eine andere Sprache, bewegen uns mehr auf der emotionalen Ebene.“

Die Frauen wollen sich aber nicht als Emanzengruppierung verstanden wissen, es geht ihnen um Verbesserungen und den Fortschritt in Barsbüttel. „Wir arbeiten zum Beispiel langfristig darauf hin, über eine Website Mitfahrgelegenheiten für Frauen etwa nach Hamburg zu organisieren“, sagt Marion Meyer. Eine Homepage ist in Arbeit, für die Startseite gibt es einen Entwurf. Ein Name für die Gruppe muss noch gefunden werden. Interfraktioneller Frauentreff wird sie nicht heißen.

Kennenlerntermin für Interessierte am 18. Januar

Meyer kündigt für die Website einen Mängelmelder an. Barsbütteler sollen dort zum Beispiel Müllprobleme im Ort kommunizieren. Diese Informationen werden dann an die Verwaltung weitergeleitet. „Wir fangen klein an, werden uns aber auch großen Themen wie Wohnungsbau widmen“, sagt Barsbüttels SPD-Vorsitzende. Demnächst werde das Thema Kinderarmut fokussiert. Am Freitag, 18. Januar, lädt die Frauengruppe um 19 Uhr in Willinghusen in der Rhababerkate (Lohe 5) Interessierte zu einem Kennenlernen.

Und was sagen Barsbütteler Politiker zur Damenrunde? SPD-Fraktionschef Hermann Hanser: „Ich finde diese Treffen sehr positiv, weil Frauen in der Politik anders und zum Teil besser miteinander umgehen. Nicht so verbissen und rechthaberisch wie manche Männer.“ Joachim Germer, der mit Angela Tsagkalidis die Grünen-Fraktionsspitze bildet, sieht es ähnlich: „Es ist klasse, wenn dadurch das Selbstbewusstsein der Damen gestärkt wird.“


Sieben Frauen in der Gemeindevertretung

23 Sitze hat die Barsbütteler Gemeindevertretung, sieben davon besetzen Frauen. Die Grünen stellen drei Vertreter und mit Angela Tsagkalidis sowie Greta-Marie Danzenbächer zwei weibliche. Für die Wählergemeinschaft Bürger für Barsbüttel (acht Sitze) gehören Karin Eickenrodt, Heike Müller und Hedwig Wieczorreck dem Gremium an. Die SPD verfügt über sechs Sitze. Stimmberechtigt sind Marion Meyer und Heike Brost. Die CDU hat fünf Personen in der Gemeindevertretung und ausschließlich Männer. Die FDP stellt mit Siemer Rosenwinkel einen Vertreter.