Stormarn
Versammlung

Asbest in Reinbeker Schule: Das bewegt die Eltern

Martin und Michaela Höck kurz vor dem Beginn des Elternabends. Ihre Söhne besuchen die siebte und zehnte Klasse.

Martin und Michaela Höck kurz vor dem Beginn des Elternabends. Ihre Söhne besuchen die siebte und zehnte Klasse.

Foto: Barbara Moszczynski

Nach der Sperrung des Reinbeker Schulzentrums wegen Asbest-Alarms hatten Eltern bei einem Treffen viele Fragen an die Stadtverwaltung.

Reinbek.  Die rund 140 Stühle waren allesamt besetzt, auch dahinter und seitlich standen Eltern, die in Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder sind. Sie hatten viele Fragen auf der nichtöffentlichen Versammlung an die Reinbeker Verwaltung um Bürgermeister Björn Warmer, der das Schulzentrum Mühlenredder am 5. Dezember nach dem Fund von krebserregenden Asbestfasern gesperrt hatte. Die Stimmungslage an diesem Abend im Sachsenwaldgymnasium beschreiben mehrere Erwachsene dem Abendblatt so: nicht aggressiv, sachlich und fernab von Hysterie.

Was kann ich tun? Und wie erkenne ich, wenn mein Kind erkrankt ist? Diese Fragen standen laut Anwesenden neben jenen, wie es jetzt weitergeht etwa in Sachen Sanierung, im Fokus. Auch Martin und Michaela Höck waren gekommen. Das Ehepaar hat zwei Söhne auf der Schule. Sie besuchen die siebte und zehnte Klasse, waren in Räumen mit unauffälliger Asbest-Konzentration untergebracht. „Ich mache mir gar nicht so große Sorgen, aber natürlich sind die Werte beängstigend“, sagt der Vater, der auch Elternvertreter ist.

Eltern fordern Abriss der Schule

Das Paar wollte auch wissen, wie die Lehrer mit der Situation umgehen? Als gelernter Maurer weiß Martin Höck, dass verbauter Asbest eigentlich nur bei mechanischer Einwirkung zum Problem wird. Er sagt: „Woher die hohen Messwerte kommen, muss definitiv geklärt werden.“ Auch ein Facharzt des Kreises sei vor Ort gewesen. „Er hat von der Möglichkeit gesprochen, dass sich Kinder untersuchen lassen können und nannte das Röntgen der Lunge“, berichtet Höck. Er werde seine Kinder vorerst aber nicht zum Arzt schicken.

Elternvertreterin Sylvia Hansche hat fünf Kinder, drei waren bereits auf der Gemeinschaftsschule und haben ihren Abschluss gemacht. Ihr zwölfjähriger Sohn besucht derzeit die sechste Klasse. Sie sagt: „Die Stadt muss die Schule einfach abreißen, eine halbe Schule ist ja kein befriedigender Zustand.“ Die Mutter ist mit der Organisation des Unterrichts unzufrieden, kritisiert, es finde gar kein richtiger Unterricht statt. „Mein Sohn bekommt erst abends die Information, wo er am nächsten Morgen Schule hat. Er war erst im Container, dann in der Grundschule und nun in der VHS.“

Kritik, dass Eltern so spät informiert wurden

Auch das NDR-Fernsehen war vor Ort, filmte im Vorfeld der Veranstaltung. Ein Vater sagte zu seinen Erwartungen an den Abend in die Kamera: „Meine erste Frage ist, warum ich das alles erst aus den Medien erfahren habe. Man hätte zuerst mit den Eltern reden sollen. Und ich möchte wissen, warum die Messungen unterblieben sind, warum nichts passiert ist.“ Sein Sohn sitze seit zwei Jahren in einem der am meisten belasteten Räume. Der Vater möchte wissen: „Wie gefährlich ist das? Was für Langzeitschäden sind zu erwarten?“ Viel geredet werde in der Familie nicht über das Problem Asbest. „Wir sind mit der täglichen Organisation zu sehr beschäftigt“, sagt er, der Sohn müsse jetzt in die Nachbargemeinde Wentorf zur Schule. Die Politik solle dafür sorgen, dass es vernünftig weitergehe für die Schüler.

Eine Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte, kritisiert die Stadt: „Eine wichtige Immobilie derart verwahrlosen zu lassen, ist mehr als nur ein Skandal. Es ist die Missachtung von Bildung und von Kindern.“