Stormarn
Wohnungsbau

Reinbeker Politiker sind entsetzt über Grundstücksdeal

Günther-Herder Alpen (Grüne) setzt sich gegen Wohnungsbau auf einer der letzten Gemeinbedarfsflächen in Reinbek ein.

Günther-Herder Alpen (Grüne) setzt sich gegen Wohnungsbau auf einer der letzten Gemeinbedarfsflächen in Reinbek ein.

Foto: BGZ

Verwaltung will Areal in Schönningstedt an Investor verkaufen. Forum 21 kritisiert zu niedrigen Preis, Grüne lehnen Wohnungen ab.

Reinbek.  Bis 2030 müsste Reinbek 170 neue Wohnungen bauen, um den Bedarf zu decken – jedes Jahr. Doch Freiflächen sind rar. In der Überplanung einer der letzten städtischen Flächen in Schönningstedt sind jetzt allerdings Stadt und ein potenzieller Bauherr übers Ziel hinausgeschossen. Eine Vorlage für den Finanz- und Hauptausschuss hat massive Kritik ausgelöst und Bürgermeister Björn Warmer veranlasst, das Papier zurückzuziehen.

„Ich war davon ausgegangen, dass die Pläne bereits bilateral ausführlich besprochen und mit der Politik kommuniziert wurden“, sagte Björn Warmer auf eine Anfrage im Hauptausschuss. Weil das noch nicht so weit war, habe er die Vorlage zurückgezogen. Anfang des Jahres wolle er sie jedoch wieder „aufrollen“.

Verwaltungsvorlage stößt auf Widerstand

Darum geht es: Auf der Suche nach Wohnbauflächen hat die Verwaltung 2015 einiges in Augenschein genommen, darunter ein Areal östlich des Kindergartens an der Oher Straße in Schönningstedt. Darauf könnte sich Kai Dusenschön vorstellen, Mietwohnungen und Doppelhäuser zu bauen. Der Reinbeker Landwirt sammelt zurzeit mit Geschäftspartner Hauke Schröder Erfahrungen als Bauherr des Neubaugebiets Schröders Koppel in Neuschönningstedt. Seine neuen Pläne stießen im Rathaus auf fruchtbaren Boden in der Vorlage „Grundstücksangelegenheit“.

Gegen die „Anhandgabe eines städtischen Filetgrundstückes“ an einen Reinbeker hat unter anderem Heinrich Dierking (Forum 21) sofort protestiert. „Vereinbart werden soll bereits heute ein Quadratmeter-Preis im unteren zweistelligen Euro-Bereich – nach meiner Einschätzung ein Schnäppchen-Preis“, sagt Dierking und fügt hinzu: „Es ist nicht erkennbar, ob ein Vergabeverfahren und mit welchem Ergebnis durchgeführt worden ist.“

Die Kritik teilt Günther-Herder Alpen (Grüne), der die Anfrage im Hauptausschuss stellte: „Die Politik hat überhaupt noch nichts zu dieser Fläche entschieden.“ Auch gebe es keinerlei Beschlüsse für das städtische Grundstück. Es handele sich um eine der wenigen Gemeinbedarfsflächen, die Reinbek noch hat. „Für uns verbietet sich die Freigabe für Wohnungsbau.“

Politik uneins über Bebauung

Patrick Ziebke (CDU) erklärt für seine Fraktion: „Grundsätzlich stehen wir der Wohnbebauung hier positiv gegenüber.“ Aber eine Entscheidung könne erst getroffen werden, wenn feststehe, welchen Anteil der Soziale Wohnungsbau und auch barrierefreie Wohnungen haben. Beim Areal handelt es sich um ein Grundstück der Stadt und ein Privatgrundstück.

Die SPD würde gern an die guten Erfahrungen mit Kai Dusenschön als Investor anknüpfen: „Er ist der Stadt mit dem Belegungsrecht für Mietwohnungen entgegengekommen. Das Projekt in Neuschönningstedt läuft gut“, sagt Fraktionschef Volker Müller.

Kai Dusenschön lässt sich vom Echo nicht abschrecken: „Ich stehe für das Projekt in Kontakt zu Politikern.“ Für Februar plant er einen Info-Abend im Stadtteil Schönningstedt.