Stormarn
Glinde

Islamisten-Treffen abgesagt – Polizei vermutete Krawall

Die Organisation „Realität Islam“ setzt sich stark für die umstrittene Aktion „Deine Stimme gegen das Kopftuchverbot ein.

Die Organisation „Realität Islam“ setzt sich stark für die umstrittene Aktion „Deine Stimme gegen das Kopftuchverbot ein.

Foto: Ha / HA

Polizei spricht von „Unstimmigkeiten“ zwischen Vermieter und Organisation. Verfassungsschutz hatte auf Versammlung aufmerksam gemacht.

Glinde.  Die Organisation „Realität Islam“ hat ihr für Sonnabend geplantes Treffen in Glinde kurzfristig gestoppt. „Der Vermieter hat die angemieteten Räumlichkeiten vor wenigen Stunden abgesagt“, schrieben die Islamisten am Wochenende auf ihrer Facebook-Seite. Die Suche nach einer Alternative sei erfolglos geblieben. Die Polizei spricht von „Unstimmigkeiten zwischen dem Vermieter und der Organisation“.

Das Treffen sollte um 17 Uhr in der Gala Events Hall beginnen, einer Veranstaltungshalle neben dem Entrée-Hotel an der Straße Am Sportplatz. Dort riefen am Wochenende einige besorgte Glinder an. „Mehrere Anwohner haben nachgefragt, was bei uns los sei“, sagt ein Hotelmitarbeiter. „Wir hatten mit den Veranstaltungsplänen aber absolut nichts zu tun. Für die Vermietung der Halle sind wir nicht zuständig.“ Der Hamburger Sezer Atilanok kümmert sich darum. Er widerspricht auf Abendblatt-Anfrage der Darstellung der Islamisten. „Ich habe keine Ahnung, was da los war“, sagt er. „Aber die haben abgesagt.“ Genaueres will er zu dem geplanten Treffen und dem Kontakt mit der Organisation nicht sagen. „Ich will nicht darüber reden“, so Atilanok.

Auf Facebook-Seite hatten mehr als 500 Menschen zugesagt

Der Hamburger Verfassungsschutz hatte am Freitag auf die Versammlung aufmerksam gemacht, weil sie einen verfassungsfeindlichen Charakter habe. Die Behörde begründete dies mit „großen ideologischen Schnittmengen zur verbotenen islamistischen Hizb ut-Tahrir (HuT)“. Zudem steckt „Realität Islam“ hinter der Online-Petition „Deine Stimme gegen das Kopftuchverbot“ an den Deutschen Bundestag.

Bei der Veranstaltung in Glinde sollte auch Raimund Hoffmann auftreten. Er gilt als bekanntester Vertreter der Gruppe und weist laut Verfassungsschutz „starke Bezüge zu der islamistischen und mit einem Betätigungsverbot belegten Partei Hizb ut-Tahrir auf“. Die Behörde rechnete mit „mindestens mehreren hundert Teilnehmern“. Auf der Facebook-Seite der Gruppe hatten mehr als 500 Menschen zugesagt.

Der Abend in Glinde ist ruhig verlaufen

Der Verfassungsschutz informierte auch die Polizei in Glinde, die daraufhin nach Abendblatt-Informationen Unterstützung für Sonnabendnachmittag anfordern wollte. Noch im Laufe des Tages war laut Polizei unklar, ob die Veranstaltung vielleicht in letzter Minute doch noch abgehalten würde, wenn sich Vermieter und Organisation einigten. Die Beamten machten sich zudem für den Fall bereit, dass es wegen der Absage zu Auseinandersetzungen mit den Islamisten in Glinde kommen könnte. Doch der Abend verlief ruhig. „Es ist nichts passiert“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.