Stormarn
Kritik der Woche

Autorenlesung in Trittau: Keine Angst vor dem Älterwerden

Britta Zeidler (l.) lässt sich nach der Lesung in der Wassermühle das Buch von Greta Silver signieren.

Britta Zeidler (l.) lässt sich nach der Lesung in der Wassermühle das Buch von Greta Silver signieren.

Foto: Elvira Nickmann

In Trittau macht Bestsellerautorin Greta Silver ihren Zuhörern Lust aufs Älterwerden. Hier kommen zehn Tipps für ein erfülltes Alter.

Trittau.  Greta Silver weiß sich gut in Szene zu setzen. Zur Lesung aus ihrem jüngsten Buch „Wie Brausepulver auf der Zunge“ kommt sie perfekt gestylt in die Wassermühle Trittau. Das Publikum ist vorwiegend weiblich. Nach grauer Maus sieht an diesem Abend keine der Frauen aus, die erwartungsvoll nach vorn blicken. Vielleicht liegt es daran, dass aktive und aufgeschlossene Menschen genau der Zielgruppe der Autorin entsprechen oder daran, dass die Anwesenden Silvers Ratschläge bereits verinnerlicht haben. Denn genau darum geht es in ihrem Buch und bei dieser Lesung: um eine „Inspiration für Lebensfreude pur“.

Die Hamburgerin wagte mit 48 Jahren einen Neuanfang

Die Autorin steigt szenisch ein. Sie beschreibt, wie ein lauter Knall sie nachts in Panik versetzte, weil sie befürchtete, ein Einbrecher sei in der Wohnung. Am nächsten Morgen dann die Entdeckung: Ein Regalbrett war heruntergefallen und hatte den Lärm verursacht. „Stell dir vor, du machst dich dein Leben lang verrückt, und 95 Prozent der befürchteten Dinge treffen überhaupt nicht ein“, sagt Silver. Lachen im Publikum – schon komisch, wie Menschen ticken, oder?

An diesem Punkt habe sie begriffen, dass sich Angst nicht lohnt, führt die Autorin weiter aus. Seitdem lebe sie größtenteils angstfrei. „Mit Angst kann man uns in bestimmte Richtungen drängen und beeinflussen“, gibt sie zu bedenken. Und nennt ein Beispiel: die Politik der amerikanischen Regierung.

Selbstständig im Bereich Inneneinrichtung

Eine Lesung im herkömmlichen Sinn ist das nicht. Eher ein Motivationsvortrag nach dem Motto: Ich habe viel erreicht – und du kannst das auch. Solche Ratgeber gibt es wie Sand am Meer. Das Geheimnis von Silver liegt darin, dass sie aus eigener Erfahrung heraus die stark wachsende Gruppe der Älteren anspricht.

Die Hamburgerin lebt einen Traum, den viele träumen, startete mit 48 Jahren richtig durch. Sie machte sich selbstständig im Bereich Inneneinrichtung, Public Relations, Journalismus und Projektmanagement und dazu noch Karriere als Best-Ager-Model. Tat nicht, was die Gesellschaft von ihr erwartete, sondern was sie wollte.

Videos wurden mehr als 1,5 Millionen Mal angeschaut

Der Name ihres YouTube-Kanals „Zu jung fürs Alter“ ist Programm. Dass sie in ihren etwa 400 Videos Themen anspricht, die den Nerv der Zeit treffen, zeigt die Zahl der Aufrufe: mehr als eineinhalb Millionen.

In der Trittauer Wassermühle redet Greta Silver frei, geht nur zum Stehpult, wenn sie kleine Passagen aus ihrem Buch vorliest. „Ich reiße verschiedene Punkte an, die in meinem Leben passiert sind und im Buch in die Tiefe gehen“, sagt sie.

Die Zeitspanne zwischen 30 und 60 sei genauso lang wie die zwischen 60 und 90 Jahren. Sie vergleicht Alter mit einem Start-up-Unternehmen, zu dem Wissen und Vorfreude gehörten. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt sie ins Publikum. Es geht um so Grundlegendes wie Liebe, Mut, Selbstverwirklichung, Einsamkeit, Verantwortung und positives Denken. Um Themen, die viele Menschen ansprechen.

So wie Besucherin Britta Zeidler (49) aus Wesenberg: „Greta ist immer inspirierend, auch für jüngere Menschen“, sagt sie. „Durch sie bin ich dabei durchzustarten.” Sie traue sich mehr zu, probiere einfach aus. Das hat sich ausgezahlt: Inzwischen hat Zeidler ihre eigene Firma.

Zehn Ratschläge von Greta Silver für ein erfülltes Alter

1. Talente: Jetzt ist Zeit, dir deiner Talente bewusst zu werden und sie zu nutzen. Dazu zählen auch ein ausgleichendes Wesen oder die Fähigkeit, eine schöne Atmosphäre zu schaffen. Das macht glücklich.

2. Verletzungen: Verzeihst du anderen, wirst du frei, weil du ihnen die Macht über deine Gefühle entziehst. Liebe: Liebe dich selbst. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern befähigt, andere zu lieben und ihnen zu helfen.

3. Träume: Das Alter lässt Raum für Dinge, die wir schon immer mal tun wollten.

4. Vorsicht: Der eigene Anspruch steht oft im Weg. Beim Erlernen eines Instruments muss das Ziel nicht gleich ein Auftritt in der Elbphilharmonie sein.

5. Rückschläge: Manchmal beginnst du etwas und stellst dann fest, dass es nicht das Richtige war. Verbuche die Erfahrung als Erfolgserlebnis. So weißt du, was nicht zu dir passt, und musst später nicht sagen, hätte ich‘s doch versucht.

6. Einsamkeit: Nicht verkriechen, aktiv angehen. Ob ehrenamtliche Tätigkeiten, Gründen einer Interessengruppe oder Freunde bitten, zum Treffen weitere Bekannte einzuladen: Viele Wege führen aus der Einsamkeitsfalle.

7. Alter: Das Alter ist ein Ritterschlag. Vorher war Pflicht, jetzt kommt die Kür: Warum soll ich mich wie 70 verhalten, wenn ich mich wie 30 fühle? Bestimmt nicht wegen der Nachbarn.

8.Verantwortung: Übergib niemand anderem die Verantwortung für dein Befinden und deine Gesundheit. Du bist dafür zuständig, das macht dich unabhängig. Oder trägt jemand deine Wünsche in einen Terminkalender ein?

9. Positives Denken: Achte auf deine Gedanken, du kannst sie mehr beeinflussen, als du denkst.

10. L oslegen: Wenn nicht jetzt, wann dann? Habe Mut, Neues auszuprobieren.