Stormarn
Stadtentwicklung

Wie Trittau zu einer Marke werden will

Ziehen an einem Strang: Die AG Ortsmarketing mit Projektleiterin Regina Schroeder und Janne Borchers (2. und 3. v. l.) von der Agentur Cima.

Ziehen an einem Strang: Die AG Ortsmarketing mit Projektleiterin Regina Schroeder und Janne Borchers (2. und 3. v. l.) von der Agentur Cima.

Foto: Elvira Nickmann

Gemeinde möchte Betriebe und Neubürger anziehen und den Tourismus fördern. Einwohner sollen mitreden und eigene Ideen einbringen.

Trittau.  Trittau startet eine Attraktivitätsoffensive. Dafür hat die Gemeinde 20.000 Euro Anschubfinanzierung im Nachtragshaushalt 2018 bereitgestellt. Die Leitfragen zu dem Prozess fasst Bürgermeister Oliver Mesch so zusammen: „Wo stehen wir, wo liegen unsere Stärken und wo wollen wir hin?“ Um das zu klären und möglichst viele Bürger, Vereine, Gewerbetreibende und Besucher des Ortes mitzunehmen, hat sich Trittau jetzt professionelle Unterstützung geholt. Die Cima Beratung und Management GmbH aus Lübeck begleitet, berät und unterstützt die Gemeinde auf dem Weg zum neuen Imageprofil.

Der Startschuss zum Vorhaben war ein öffentliches Bürgermeistergespräch im vergangenen Jahr, zu dem Mesch auch Vertreter der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck und des Stadtmarketings Mölln eingeladen hatte. In der Folge entstand die Arbeitsgemeinschaft (AG) Ortsmarketing, der Vertreter aller Fraktionen, der Gewerbegemeinschaft Trittau und der Verwaltung angehören.

Fünf Agenturen stellten Marketingstrategien vor

Etwa fünfmal hat sich die Gruppe bisher getroffen. Ihre Mitglieder diskutierten verschiedene Aspekte und beschäftigten sich mit den Ortsmarketing-Konzepten, die fünf Agenturen bei diesen Runden vorstellten. Die Wahl fiel schließlich auf die Cima, deren griffiger Slogan „Wir können. Wir machen. Für Menschen“ lautet und die mehr als 30 Jahre Erfahrung im Ortsmarketing vorweisen kann.

Doch bevor es losgehen kann, müssen Ziele und Stategien definiert werden. Cima-Projektleiterin Regina Schroeder beschreibt das Vorgehen so: „Wir schauen uns wie aus der Vogelperspektive an, was die Gemeinde auszeichnet und besonders macht.“ Zur Analyse der Stärken, aber auch der Schwächen hat die Agentur eine Umfrage entwickelt, die auf den Ort zugeschnitten ist. Seit etwa zwei Wochen können die Fragebogen auf der Website www.trittau.de (Reiter Ortsmarketing) online beantwortet werden. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, sie auszudrucken und an die Verwaltung zu senden oder dort abzugeben.

Für Jugendliche wurde Extra-Fragebogen erarbeitet

Die Befragung erfolgt anonym, von den persönlichen Daten werden lediglich Geschlecht und Geburtsjahr erfasst. Für Jugendliche bis 18 Jahre steht ein gesonderter Fragebogen zur Verfügung. „Wir gehen mit den Flyern, die auf die Aktion hinweisen, noch an die Schulen. Dann sprechen wir auch mit den Vereinen und fragen nach deren Ideen und Wünschen“, sagt Regina Schroeder. Ganz nach der Devise: Je mehr sich beteiligen, desto umfassender werden die Bedürfnisse verschiedener Interessengruppen abgebildet, können Anregungen und Ideen aus der Bevölkerung ins Konzept einfließen. Schroeder sagt: „Wir wollen das Rad ja nicht neu erfinden.“

Sabine Paap (Grüne) ist Mitglied der AG. Sie versteht das Ortsmarketing als Werbestrategie für die gesamte Gemeinde: „Es geht um den Ort, das Lebensgefühl, die Identität und beispielsweise auch den Tourismus.“ Um Fragen wie: „Sind wir familienfreundlich, was kann man hier nett erleben, warum fahre ich hierher, was kaufe ich hier ein, was ist das Besondere an Trittau?“ Als Beispiel für ein solches Alleinstellungsmerkmal nennt Paap das Freibad. Sie mahnt aber auch an, dass eine nachhaltige ökologische Entwicklung Teil des Konzepts sein müsse.

Alle Beteiligten sollen dasselbe Ziel vor Augen haben

In diese Richtung geht bereits das Fahrradverkehrskonzept, das die Gemeinde in Auftrag gegeben hat. Die ökologische Bedeutung der angrenzenden Hahnheide, insbesondere als Erholungsgebiet, könnte mehr in den Fokus gerückt werden.

Laut Schroeder sollen die Umfrage-Ergebnisse der Arbeitsgruppe im Februar vorgestellt werden. Dann geht es darum, die Zielsetzung zu konkretisieren, denn: „Der Prozess soll dazu führen, dass alle Akteure mit der gleichen Zielvorstellung loslegen“, sagt die Projektleiterin. „Dieses Ziel kennen wir ja noch nicht“, erläutert Mesch. In jedem Fall gehe es darum, das Gute herauszustellen und zu entwickeln.

Prozess soll dauerhaft weiterentwickelt werden

Alle Fraktionen hätten sich zu einem dauerhaften Prozess bekannt, der weitergeführt werden müsse. „Am Ende soll eine Struktur stehen. Uns fehlt eine Stelle oder Institution wie ein Stadtmanagement, die sich um das Marketing kümmert. Das kann eine Agentur übernehmen, ein Angestellter oder Ehrenamtliche.“ Der Ort wachse rapide und diese Entwicklung müsse in vernünftige Bahnen gelenkt werden.

Welche Richtung Trittau künftig nimmt, soll in neuen Leitlinien festgeschrieben werden. Zum Zeitplan sagt Schroeder: „Die finale AG soll noch vor den Sommerferien tagen. Danach geht es los.“ Für Bürgermeister Mesch ist Trittau ein Edelstein: „Wir müssen ihm nur noch den Schliff geben.“