Stormarn
Siek/Hoisdorf

Wie korrektes Parken zu mehr Staus führen kann

So war es jahrelang gängige Praxis: Das Auto ist auf dem Seitenstreifen der Straße Am Schwarzen Berg geparkt, die Fahrbahn ist für den fließenden Verkehr frei. Dagegen geht jetzt ein Kontrolleur vor.

So war es jahrelang gängige Praxis: Das Auto ist auf dem Seitenstreifen der Straße Am Schwarzen Berg geparkt, die Fahrbahn ist für den fließenden Verkehr frei. Dagegen geht jetzt ein Kontrolleur vor.

Foto: Marc R. Hofmann / HA

Wer vorschriftsmäßig sein Auto auf der Fahrbahn abstellt, behindert den Verkehr. Im Amt Siek wird kontrolliert. Anlieger sind sauer.

Siek/Hoisdorf.  Autos parken auf der Fahrbahn einer Anwohnerstraße, hinter ihnen eine lange Schlange wartender Fahrzeuge. Morgens um 8 Uhr herrscht Hochbetrieb Am Schwarzen Berg in Hoisdorf. Anwohner fahren ortseinwärts, bringen ihre Kinder in Grundschule oder Kita, und kurz darauf ortauswärts, zur Arbeit nach Ahrensburg oder Hamburg. So auch Anna Maslennikow. Ihr Weg ist nun mühsamer geworden, seit das Amt Siek als eines der ersten im Kreis die Verkehrsüberwachung selbst übernommen hat.

Seit Oktober werden Parkverstöße kontrolliert

Denn gemäß Straßenverkehrsordnung ist das, was hier und in vielen anderen Städten und Gemeinden in Stormarn geduldete Praxis war, verboten: das Parken auf dem Grünstreifen. Seit Oktober kontrolliert ein eigens eingestellter Mitarbeiter des zuständigen Amtes, zu dem neben Siek und Hoisdorf auch Brunsbek, Braak und Stapelfeld gehören, den ruhenden Verkehr. Bargteheide und Oststeinbek haben ebenfalls eine solche Vereinbarung geschlossen. Danach fließen 70 Prozent der Einnahmen an die Bußgeldstelle nach Bad Oldesloe, die in Kommunen unter 20.000 Einwohnern für das Verfahren zuständig ist. Die restlichen 30 Prozent bekommen die Gemeinden, die im Gegenzug die Überwachung nun mit ihrem eigenem Personal organisieren.

Anwohnerin Anna Maslennikow sagt: „Die Autos auf dem Grünstreifen haben doch vorher niemanden gestört.“ Nachdem in den vergangenen Wochen kontrolliert und entsprechend geparkte Fahrzeuge aufgeschrieben wurden, standen sie anschließend auf der Straße. „Das behindert den Verkehr viel mehr“, sagt Maslennikow. Ein paar Tage nach der Kontrolle stünden viele jedoch schon wieder auf dem Grünstreifen.

Anlieger machen sich bei Politik und im Internet Luft

Beim Ortstermin des Abendblatts steht nur noch ein Wagen auf der Straße. Kaum ist er geparkt, sorgt er für Irritationen bei einer Anwohnerin. Sie ruft: „Wollen Sie ein neues Auto?“, und spielt damit auf den Verkehr an, der sofort abbremsen muss. Ein Eindruck, den auch Mitglieder einer Hoisdorf-Gruppe bestätigen, die sich im Internet Luft machen. „Was soll der Blödsinn, die Autos parken dort seit Jahren“, schreibt eine Nutzerin. Eine andere berichtet von morgendlichen Hupkonzerten. Nur wenige äußern sich positiv, erhoffen sich verkehrsberuhigende Effekte: „Vielleicht heizen die Leute dann nicht mehr so durch den Ort.“

Für Bürgermeister Dieter Schippmann (Dorfgemeinschaft Hoisdorf, DGH) ist das eine unbefriedigende Situation: „Auch bei mir sind schon allerhand Klagen aufgelaufen.“ Als Schwerpunkte sind ihm die Straßen Am Schwarzen Berg, Achtern Diek und Bahnhofstraße in Hoisdorf genannt worden. Gerade Am Schwarzen Berg sei die Situation mitunter gefährlich. „Wegen der Sperrung des Oetjendorfer Kirchenwegs fährt hier im Moment der Bus durch.“ Entsprechend eng werde es, wenn Fahrzeuge auf der Straße geparkt sind. Zumindest hier und in der Bahnhofstraße will er sich dafür einsetzen, dass das Parken auf dem Seitenstreifen offiziell erlaubt wird. „Das Verkehrsaufkommen ist mittlerweile auch bei uns so hoch, dass das Sinn ergibt.“

Jetzt sollen Parkmarkierungen aufgebracht werden

Ins Rollen gebracht hatten den Stein die Sieker. Seit sie eine Ortsumgehung haben, darf in der Hauptstraße im Ort geparkt werden. Wie nach Straßenverkehrsordnung üblich jedoch nicht in engen Kurven, an Einmündungen und Grundstückseinfahrten. Daran hielten sich viele Sieker jedoch nicht. So wurde die Hauptstraße zwischen Edeka-Markt und ehemaligem Landhaus zur Traube zu einer Art Slalom-Parcours für Anlieger, aber auch die Feuerwehr. Bauausschussvorsitzender Götz Reppel (SPD) sagt: „Darum wollten wir unbedingt eine Überwachung.“

Nach der kurzen Zeit jetzt seien jedoch noch keine positiven Effekte spürbar. Bürgermeister Andreas Bitzer (CDU) erklärt, warum: „Wir wollen zusätzlich noch Parkmarkierungen auftragen, um deutlich zu machen, wo Fahrzeuge abgestellt werden dürfen.“ Das sei vielen offenbar nicht klar. Das Vorhaben wollen die Gemeindevertreter am Donnerstag absegnen. Danach muss noch der Kreis zustimmen. Erst wenn dieser klar gekennzeichnete Bereich überwacht sei, rechne er mit einer Verbesserung der Situation, so Bitzer. „Ausweichprobleme sind mir bisher in Siek nicht bekannt“, sagt der Bürgermeister auf Anfrage. Viele Einwohner hätten sich ob der Parkverstöße zwar überrascht, aber auch einsichtig gezeigt.

Erster Erfahrungsaustausch heute im Amtsausschuss

Das Amt Siek bestätigt unterdessen einen Schwerpunkt der Verkehrsverstöße in besagter Hauptstraße in Siek und im Gewerbegebiet in Stapelfeld. Die genannten Straßen in Hoisdorf seien hingegen noch nicht besonders aufgefallen. Sehr wohl jedoch der Unmut der Bürger. „Ich parke seit 30 Jahren so“, sei eine der Rückmeldungen gewesen, sagt Leif Jacob vom Ordnungsamt in Siek. Für die Anlaufproblematik hat er Verständnis, sagt jedoch auch: „Wenn wir Gewohnheitsrecht akzeptieren, können wir die Kontrollen ganz bleiben lassen.“ Eine Verlagerung der Verkehrsproblematik sei ihm noch nicht bekannt.

Einen ersten Erfahrungsaustausch soll es auf der heutigen Sitzung des Amtsausschusses in Siek geben. Sie ist öffentlich.

Amtsausschuss im Amt Siek, Hauptstraße 49, heute, 17.30 Uhr.