Stormarn
Köthel

Ehepaar schreibt ein Buch zum deutschen Umsturz

Für ihr Buch über die Novemberrevolution 1918 recherchierten Heidi und Wolfgang Beutin in der heimischen Bibliothek, in Archiven und bei Kollegen.

Für ihr Buch über die Novemberrevolution 1918 recherchierten Heidi und Wolfgang Beutin in der heimischen Bibliothek, in Archiven und bei Kollegen.

Foto: Harald Klix

Heidi und Wolfgang Beutin aus Köthel analysieren die Novemberrevolution von 1918. Heute lesen sie in Trittau aus ihrem Buch.

Köthel.  Wichtige Entscheidungen werden in der Familie Beutin am Esstisch getroffen. Dort berieten Heidi und Wolfgang Beutin in ihrem Haus am Dorfrand von Köthel auch über die Anfrage der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (wbg) aus Darmstadt, ein Buch über die Novemberrevolution in Deutschland vor 100 Jahren zu schreiben. Jene turbulenten Wochen, die am Ende des Ersten Weltkriegs mit dem Sturz der Monarchie den Start in eine moderne Demokratie markierten.

Der Verlag war auf die Stormarner gekommen, weil sie sich bei Tagungen und auch in früheren Werken intensiv mit dem Thema befasst hatten. Die Anforderungen waren klar: Das Buch sollte die komplexen Zusammenhänge wissenschaftlich darstellen, aber zugleich gut lesbar sein. „Die Herausforderung war, verständlich zu schreiben, ohne dabei zu oberflächlich zu werden“, sagt der promovierte Germanist, Historiker und Schriftsteller Wolfgang Beutin (84). „Und zugleich alles mit Quellen zu belegen“, ergänzt Ehefrau Heidi (73). Die Wissenschaftspublizistin ist auch Fraktionsvorsitzende der Linken im Stormarner Kreistag.

Zu Beginn eine Recherche auf dem heimischen Dachboden

Gut eineinhalb Stunden habe er mit der Cheflektorin telefoniert und über Stilfragen verhandelt, so Wolfgang Beutin. Dann reichten die Stormarner eine Textprobe ein – und durften sich an die Arbeit machen. Die begann mit Recherchen auf dem heimischen Dachboden, aber auch bei hilfsbereiten Kollegen und in etlichen Archiven. Die einzelnen Kapitel teilte das Paar untereinander auf.

Die fertigen Texte lasen sich die beiden gegenseitig vor. „Da gab es schon die eine oder andere leidenschaftliche Diskussion um die thematische Einordnung“, sagt Heidi Beutin mit einem Lächeln. „Jeder hat seine Zeilen natürlich vehement verteidigt.“ Am Ende wurde am großen Esstisch direkt vor der Küche aber immer eine Lösung gefunden.

Buchtitel stammt aus einem Satz von Kurt Eisner

Die Beutins untersuchten insbesondere die Rolle der deutschen Intellektuellen bei der Novemberrevolution. Sie stellen Bürgerliche, Pazifisten, Linksradikale und Kommunisten vor, unter anderem Thomas Mann, Kurt Tucholsky, Ernst Jünger, Victor Klemperer, Rosa Luxemburg und Clara Zetkin. Die Autoren beleuchten auch die Entwicklung in Hamburg.

„Acht-Stunden-Arbeitstag, Betriebsräte und das Frauenwahlrecht waren nur einige Errungenschaften der Revolution“, sagt Wolfgang Beutin. Der Buchtitel stammt aus einem Satz von Kurt Eisner, dem ersten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern, der bei einem Attentat am 21. Februar 1919 ums Leben kam: „Der Ton der Fanfaren einer neuen Freiheit, das fröhliche Herz will sich wieder betätigen.“

„Fanfaren einer neuen Freiheit“, Heidi und Wolfgang Beutin, wbg Academic, ISBN 978-3-534-27045-3, 49,95 Euro.
Lesung Di 27.11., 19.30, Wassermühle Trittau, Am Mühlenteich 3, Eintritt frei