Stormarn
Kritik der Woche

Alice im Wunderland im Kleinen Theater Bargteheide

Herzkönigin (Philine Spanger, M.) mal wieder außer Rand und Band: Herzogin (Nadja Bultmann) und Alice (Pauline Kahlke) gehen in Deckung.

Herzkönigin (Philine Spanger, M.) mal wieder außer Rand und Band: Herzogin (Nadja Bultmann) und Alice (Pauline Kahlke) gehen in Deckung.

Foto: Elvira Nickmann

Kritik der Woche: Neues Regieduo inszeniert den Klassiker „Alice im Wunderland“ mit 20-köpfigem Ensemble am Kleinen Theater.

Bargteheide.  Großer Trubel im Kleinen Theater Bargteheide: Viele Kinder und Erwachsene sind zur Vorstellung von „Alice im Wunderland“ gekommen. Der Stoff ist herausfordernd in der Umsetzung. Das Stück sei der Wunsch des Publikums gewesen, sagt Julia Loeser, die mit Melanie Weirather das Regieduo bildet. Eine mutige Entscheidung, haben sich die Regisseurinnen doch erst Ende April bei der Theaterwerkstatt kennengelernt und gleich eine neue Gruppe mit 20 Kindern und Jugendlichen übernommen.

Bevor es losgeht, gibt Monika Spanger, Vorsitzende der Theaterwerkstatt, den Zuschauern noch einen Rat: „Träumen Sie jetzt einfach.“ Ganz nach der Devise: Man muss nicht immer alles verstehen. Das Verstehen ist am Anfang auch gar nicht so leicht. Nicht immer sind die Stimmen der Schauspieler in den hinteren Reihen gut zu hören.

Aber die Bilder sprechen für sich: Alice (Pauline Kahlke) schreibt in einem Klassenzimmer eine Strafarbeit, weil sie im Unterricht vor sich hingeträumt hat. Nebelschwaden ziehen auf, ein weißes Kaninchen hüpft vorbei. „Ich komme zu spät“, ruft es, und wirft einen Blick auf seine Taschenuhr. Ein Kaninchen mit Uhr? Das muss Alice genauer erkunden! Also hinterher und hoppla, hinein in den Kaninchenbau.

Weißes Kaninchen saust über Bühne und durch den Saal

Alice fällt lange und tief. Mit fluoreszierenden Farben, Schwarzlicht sowie Windgeräuschen wird eine Illusion des freien Falls direkt auf der Bühne geschaffen. Alice landet vor einer winzigen Tür. Jetzt machen Videoeinspielungen Unmögliches möglich: Die Zuschauer verfolgen, wie Alice schrumpft, wächst und erneut schrumpft. Und durch die Tür eine Wunderwelt betritt.

Bevölkert wird sie von harmlosen Figuren wie den Stinkepilzen Isolde und Petra, einer Raupe, die Yoga-Stunden gibt, lebendigen Statuen, einem Trupp Frösche und einer Tee trinkenden Runde aus Haselmaus, Märzhase und Hutmacher. Mit der Herzkönigin dagegen ist nicht gut Kirschen essen. Ihr liebster Befehl: „Kopf ab!“ Das weiße Kaninchen saust wie auf Speed durch Szenen, treppab, treppauf zur Bühne und durch den Saal. Darstellerin Mathilda Petersen liefert eine begeisternde Leistung ab.

Bezaubernde Kostümkreationen kommen gut zur Geltung

Hinreißend auch die Herzkönigin (Philine Spanger), die über die Bühne wütet und mit ihren impulsiven Ausbrüchen für viele Lacher sorgt. Originell das Duett von Babyschwein (Carla Cabanillas Giglok) und Herzogin (Nadja Bultmann), frei nach Prinzen-Hit „Du musst ein Schwein sein“. Bei so viel wundersamen Gestalten ist es gut, dass Alice mit ihrer besonnenen Art einen Ruhepol im Geschehen bietet.

Das Stück ist einfallsreich und grandios umgesetzt mit bezaubernden Kostümkreationen, die vor dem reduzierten Bühnenbild noch besser zur Geltung kommen. Alle Darsteller sind mit Feuereifer dabei. Mit ihrer ersten gemeinsamen Regiearbeit beweisen Loeser und Weirather, dass sie ein Glücksfall für Theaterwerkstatt und Publikum sind. Empfehlenswert.

„Alice im Wunderland“ Mi 30.1., 15.00, Kleines Theater, Hamburger Straße 3, Kinder 10,–/Erwachsene 13,–, Vvk. im Theater und über www.kleines-theater-bargteheide.de