Stormarn
Theoter ut de Möhl

Krisentreffen im Streit um das Glinder Theater

Mitglieder des Theoter ut de Möhl vor dem Bürgerhaus am Glinder Markt. Sie sind sauer ob der langen Sperrung ihrer Räume im Keller.

Mitglieder des Theoter ut de Möhl vor dem Bürgerhaus am Glinder Markt. Sie sind sauer ob der langen Sperrung ihrer Räume im Keller.

Foto: Susanne Tamm / BGZ

Das Plattdeutsche Ensemble kann seine Räume im Glinder Bürgerhaus nicht mehr nutzen. Die Stadt zahlt Miete an Verein zurück.

Glinde.  Seit rund acht Monaten können die Mitglieder des Theoter ut de Möhl ihre Probenbühne samt Theaterwerkstatt im Untergeschoss des Glinder Bürgerhauses wegen Brandschutzmängeln nicht nutzen. Sie haben eine Zwangspause eingelegt und geplante Stücke abgesagt. Noch viel schlimmer: Sie bangen um die Zukunft ihres Vereins, sind mächtig sauer.

Im Mittelpunkt der Kritik steht die Verwaltung um Bürgermeister Rainhard Zug, weil es nicht vorangeht und ein Bauantrag für die Mängelbeseitigung beim Kreis nicht zeitig eingereicht wurde. Am Montagnachmittag gab es im Rathaus ein Krisentreffen mit Vereinsvorstand Wolfgang Pohlmann, zu dem der Verwaltungschef geladen hatte. Dabei diskutierte Zug kurz- und mittelfristige Lösungswege mit dem Chef des Theaters.

An einem Tag in der Woche wird im Festsaal geprobt

Dieses zahlt für die Räume eine monatliche Miete in Höhe von 75 Euro. Das bereits in 2018 überwiesene Geld, 900 Euro, erhält der Verein jetzt zurück. „Und solange unten noch gesperrt ist, kann das Theater die Bühne im Festsaal nutzen. Über weitere Räume wurde gesprochen“, sagt Zug. Details wollte er nicht nennen.

An einem Tag in der Woche können die Schauspieler im Festsaal auch jetzt schon proben. „Wir haben aber im besten Fall drei Produktionen parallel, dann reicht das nicht aus“, sagt Vorstandsmitglied Johannes Ratzek. Dazu verweist er auf die Drehbühne des Vereins. „Sie besteht aus 30 Teilen. Die kann man nicht immer so schnell auf- und abbauen.“ Beim Weihnachtsmärchen Rumpelstilzchen (3. bis 5. Dezember) im Festsaal kommt diese auch zum Einsatz. Für das Stück haben die Künstler unter anderem in Pohlmanns Wohnzimmer und im Keller eines Mitstreiters geprobt. „So etwas werden wir nicht wieder machen“, sagt der Theaterchef, dessen Verein derzeit 65 Mitglieder zählt.

Für April geplante Premiere steht kurz vor der Absage

Die Wut der Ehrenamtler bekam Glindes Bürgermeister auf der Bauausschusssitzung vor zweieinhalb Wochen zu spüren, als ihn Pohlmann verbal angriff und der Verwaltung „schlampiges Arbeiten“ attestierte. Hintergrund war Pohlmanns Annahme, dass der Bauantrag bereits im Juli oder August bei der Kreisbehörde in Bad Oldesloe auf dem Tisch liegt. Er bezog sich dabei auf Aussagen von Rainhard Zug. Tatsächlich wurde das Schriftstück erst drei Monate später und auf Nachdruck des Theatervereins abgeschickt. Zug entschuldigte sich und sprach von „Organisationsverschulden“. Das Glinder Bauamt habe das Architekturbüro, welches für das Einreichen zuständig ist, nicht genug kontrolliert.

Jetzt ist Zug in ständiger Abstimmung mit dem Kreis, um dem Theater schnellstmöglich eine Rückkehr in seine Räume zu ermöglichen. Pohlmann wünscht sich dafür den 1. Januar. Er sagt: „Wir stehen ganz kurz vor dem Exitus, uns fehlen die Einnahmen. Wir müssen ja in Vorleistung treten. Uns kostet so eine Produktion zwischen 3000 und 5000 Euro.“ Man könne keine Vorbereitungen für den Bühnenbau treffen, weil die Werkstatt nicht nutzbar sei. Im Keller lagern 600 Kostüme. Eine für April geplante Premiere steht kurz vor der Absage. Bitter für Glinde ist die Tatsache, dass das beim Kreis eingereichte Brandschutzkonzept abgelehnt wurde. „Wir haben Probleme mit der Deckenhöhe“, sagt Zug. Außerdem gehe es bei der Sanierung um Fluchtwege und eine Brandschutztür. Sofern das Konzept mit dem Kreis abgestimmt sei, müsse der Bau beschleunigt werden.

Mehr als 3000 Gäste sahen 2017 die Aufführungen

Eines steht aber schon jetzt fest: Zu Beginn des neuen Jahres sind die Arbeiten nicht abgeschlossen. Wann das der Fall sein könnte, dazu will sich Zug nicht äußern. Er sagt: „Allein die Lieferzeiten für Türen liegen zwischen sechs und acht Wochen.“ Man sei aus dem Gröbsten noch nicht raus.

Der Theaterverein wurde 1985 gegründet und ist eine feste Größe in der 18.700 Einwohner zählenden Stadt. Er bereichert das kulturelle Leben durch seine Vielfalt. 2017 brachten die Ehrenamtler jeweils drei Vorstellungen hoch- und plattdeutsches Theater auf die Bühne. Dazu war das Sketchteam bei Vereinen und Weihnachtsfeiern aktiv. Nicht zu vergessen die sieben Vorstellungen vom Märchen Aschenputtel im Dezember. All das sahen 3129 Zuschauer. Auch initiiert der Verein die Musikveranstaltung „Glinde rockt“, wurde für sein ehrenamtliches Engagement von der Stadt ausgezeichnet.