Stormarn
Bargteheide

Wie Schüler für Forschung begeistert werden

Schülerin Lisanne Löher (Mitte) diskutierte mit IHK-Vicepräses Arno Probst (v. l.), Wirtschaftsminister Bernd Buchholz, Philipp Murmann (Geschäftsführer Zöllner Signal GmbH und Präsident des Forschungsforums Schleswig-Holstein) sowie Thomas Straubhaar (Ex-Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts). 

Schülerin Lisanne Löher (Mitte) diskutierte mit IHK-Vicepräses Arno Probst (v. l.), Wirtschaftsminister Bernd Buchholz, Philipp Murmann (Geschäftsführer Zöllner Signal GmbH und Präsident des Forschungsforums Schleswig-Holstein) sowie Thomas Straubhaar (Ex-Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts). 

Foto: Melissa Jahn

Prominent besetzte Diskussionsrunde im Bargteheider Kopernikus-Gymnasium. Unternehmen sollten junge Talente binden und fördern.

Bargteheide.  „Ich hatte einen Physikbaukasten und gönnte mir das Fach später sogar als Leistungskurs“, sagt Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). „Zu meinem Gesamtdurchschnitt haben die Noten jedoch nicht beigetragen.“ Warum die sogenannten Mint-Fächer vermeintlich schwer sind und wie der Nachwuchs trotzdem an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik herangeführt werden kann, war Thema einer Podiumsdiskussion der IHK Lübeck. Bereits zum fünften Mal luden Thomas Straubhaar, Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) sowie IHK-Vicepräses Arno Probst in der Veranstaltungsreihe „FOKUS Wirtschaft“ zu dem Thema „Jugend forscht – Fachkräfte für unsere Region“ ein – diesmal in das Kopernikus-Gymnasium in Bargteheide.

Im Publikum dabei: drei Schüler, die es mit einer Konstruktion zur alternativen Stromgewinnung im Wettbewerb „Jugend forscht“ bis auf die Landesebene geschafft haben. „Wir hatten die Idee lange im Kopf und viel Zeit investiert, um sie voranzubringen“, sagt Philipp Özren. „Nun wollen wir ein Unternehmen gründen, weil die Nachfrage groß ist.“ Noch steht der Prototyp im Garten von Mitstreiter Daniel Börmann. Nach dem Abitur planen sie, mit ihrer eigenen Firma durchzustarten. Ihr Rat an junge Nachwuchsforscher: „Macht eure eigenen Erfahrungen und lasst euch nicht abschrecken.“

Gymnasium im Bereich der Mint-Fächer gut ausgestattet

Aber genau das ist gar nicht so einfach, sagt Wirtschaftsminister Buchholz. Insbesondere für Frauen. Denn irgendwo auf dem Weg zwischen Schule und Job gehe ein Großteil der potenziellen Arbeitskräfte verloren. „Frauen werden von stärkeren Selbstzweifeln geplagt“, so der Minister. „Wir brauchen Mentoren, die sie in ihrem Tun bestärken, weil ihre Noten in Wirklichkeit sogar besser sind, als die der Jungen.“

Das Kopernikus-Gymnasium ist im Bereich der Mint-Fächer gut ausgestattet, sagt Schulleiterin Brigitte Menell. Die Schule ist im Mint-EC-Schulnetzwerk und gehört mit zwei weiteren Schulen des Kreises neuerdings zum Zusammenschluss der Schülerforschungszentren. „Nachmittags sind unsere naturwissenschaftlichen Räume für Gruppen geöffnet“, so Menell. „Auch auswärtige Schüler haben nach Anmeldung die Möglichkeit, unter anderem Stoffe zu röntgen.“

Aber was fehlt, um mehr Schüler für die Forschung zu begeistern? „Naturwissenschaften und Menschen, die sie betreiben, müssen stärker gewürdigt werden“, sagt die Schulleiterin. „Wir brauchen Vorbilder, an denen sich die Schüler orientieren können.“

Unternehmen können an Schulen sowie Unis gehen

Dies bestätigt auch Thomas Straubhaar und warnt gleichzeitig: „Alles, was nicht wirklich kreativ ist, wird in Zukunft von künstlicher Intelligenz ersetzt werden.“ Es gehe darum, Neugier zu wecken und jungen Menschen ein breites Spektrum für ihre Berufswahl aufzuzeigen.

Unternehmen haben die Möglichkeit, verstärkt an Schulen sowie Unis zu gehen und diese einzuladen, sagt Interviewpartner Philipp Murmann, Geschäftsführer der Zöllner Signal GmbH und Präsident des Forschungsforums Schleswig-Holstein e. V. „Sie könnten ihre Labore öffnen und dort die Praxis zeigen.“ Es müsse ein Umdenken stattfinden, die Unternehmen sollten an jungen Talenten dranbleiben. „Wir müssen uns auf den Weg machen, statt uns permanent zu beklagen“, so Buchholz.