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Cybermobbing: So schützen Sie Ihr Kind

Die Expertin rät: Eltern sollten gemeinsam mit ihren Kindern Regeln für die Smartphone-Nutzung festlegen und ein Auge auf die Kontakte haben

Die Expertin rät: Eltern sollten gemeinsam mit ihren Kindern Regeln für die Smartphone-Nutzung festlegen und ein Auge auf die Kontakte haben

Foto: Kerkez / Getty Images/iStockphoto

Rechtsanwältin Gesa Stückmann hält Vortrag an Barsbütteler Schule. Sie klärt Eltern auf und hat einige überraschende Fakten parat.

Barsbüttel.  Gesa Stückmann zeigt ein Standbild von einem Mann mit einer Kettensäge, der vor zwei Gefangenen steht. Im dazugehörigen Video, das auf den Smartphones der Schüler einer 6. Klasse kursierte, werden diese anschließend geköpft.

Internetfähige Handys bergen Gefahren – und das ist Kindern und Eltern oft nicht bewusst. Gesa Stückmann will das ändern. 2007 hat die Rechtsanwältin ihren ersten Fall von Cybermobbing unter Schülern vertreten. Seitdem hält sie bundesweit Vorträge in Schulen und Kindertagesstätten, um für den sicheren Umgang mit dem Internet zu sensibilisieren. Mit „law4school“ und dem Verein „Prävention 2.0 e.V.“ bietet sie Online-Seminare für jeweils 60 Euro Spende an. Zum „Webinar“ in der Barsbütteler Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule sind 60 Eltern gekommen. Zugeschaltet sind auch eine Kita aus Bamberg und eine aus Waren.

Smartphones sind Technik für Erwachsene

Gesa Stückmann hat eine klare Haltung: „Smartphones sind Technik für Erwachsene und haben bei Kindergarten- und Grundschulkindern nichts zu suchen.“ Erst ab der 5./6. Klasse sollten Kinder ein Smartphone bekommen, ausgestattet mit einer Prepaid-Karte und ohne Internet-Browser.

Ihr erster Cybermobbing-Fall stammt aus der Zeit von SchülerVZ – eine Art deutscher Facebook-Vorläufer. Eine Gruppe von 40 Kindern mobbte dort drei Monate lang zwei Sportler, daran beteiligte sich sogar der Trainer. Im Nachhinein seien die Täter erschrocken gewesen, wie sich die Hetze online gesteigert habe. „Früher ist Mobbing in direktem Kontakt entstanden und mit dem Verlassen der Schule bis zum nächsten Tag beendet gewesen.“ Die heutigen virtuellen Formen seien schlimmer, denn die Täter könnten sich hinter ihren Geräten verstecken – bei der Hetze über andere in WhatsApp-Gruppen, beim Missbrauch von Internet-Profilen oder beim Verbreiten von Geheimnissen, peinlichen Informationen oder Fotos. Mit Smartphone und Tablet seien die Peiniger in der Lage, ihre Opfer ununterbrochen zu quälen. Deshalb sollten solche Geräte nachts nicht im Kinderzimmer sein.

Internetmobbing ist strafrechtlich verfolgbar

Was tun, wenn das eigene Kind gemobbt wird? Die Expertin rät: Beweise sichern! Fotos der Chatverläufe machen oder den ganzen Chat per Mail an sich schicken. Dann den Betreiber auffordern, den Verlauf oder die Gruppe zu löschen. Zivilrechtliche Schritte sind die Abmahnung mit Androhung einer Geldstrafe im Wiederholungsfall sowie Unterlassungserklärung, zuzüglich Anwaltskosten und Schmerzensgeld.

Das Internetmobbing ist auch strafrechtlich verfolgbar. Eine Straftat nach § 201a StGB begeht zum Beispiel, wer Fotos aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich wie Wohnung, Garten, Umkleidekabine oder Toilette ohne Zustimmung des Abgebildeten verbreitet. Auch die Paragrafen 223 (Körperverletzung, 187 (Verleumdung), 185 (Beleidigung) und 240 (Nötigung) können greifen. Für die teils erheblichen Kosten haften nicht die Eltern, sondern der jugendliche Verursacher selbst. Ein Gerichtsurteil ist 30 Jahre vollstreckbar –auch dann noch, wenn der Täter erwachsen ist und eigenes Geld verdient.

Fotos aus dem Internet nur für den privaten Gebrauch

Welche Gefahren drohen im Netz? Zum Telefonieren werden Handys kaum noch genutzt, dafür wird im Internet gesurft, gechattet, Video geguckt und gespielt. Wer sein Kind mit vermeintlich altersgerechten Spielen und Apps ausstattet, kann sich nicht auf die Angaben der Hersteller verlassen. Trotz Alterskennzeichnung „USK ab 0“ oder „USK ab 6“ haben auch Erwachsene Zugang und können die Chatfunktion für sexuelle Kontaktanbahnung (Cyber-Grooming) nutzen. Auch wird dort Werbung gezeigt, die sich an weitaus Ältere richtet. Über Youtube oder die Youtube-Kids-App sind Gewalt- und Pornovideos zugänglich. Statt zu telefonieren wird auf Chat-Foren wie WhatsApp oder mit Bildern per Instagram oder Snapchat kommuniziert. Mit der gängigen Überzeugung, dass sich Schnappschüsse versandt über Snapchat nach wenigen Sekunden von selbst löschen, räumt die Anwältin auf. „Die Bilddateien bleiben auf den Handys erhalten“, sagt sie. Und dafür sei gar kein Screenshot - das Abfotografieren des eigenen Bildschirms - notwendig. Als Bespiel zeigt sie das Nacktbild eines Jungen. Einmal im Netz, immer im Netz ist die Regel, die auch für dieses Selfie gilt.

Fotos aus dem Internet dürfen für nur den privaten Gebrauch heruntergeladen werden, sie weiter zu verschicken ist strafbar. Eltern dürfen Fotos ihrer Kinder auch nicht einfach als Profilbild nutzen. Das Kind müsse zustimmen. Ein Facebook-Profil sollte gemeinsam eingerichtet werden, damit es nicht versehentlich öffentlich ist. Gesa Stückmann rät: „Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie immer für es da sind, egal was über die neuen Medien passiert – und dass Sie Internet und Smartphone nicht verbieten werden. Aber lassen Sie sich regelmäßig die WhattsApp-Kontaktliste zeigen.“ Es gehe nicht darum, zu erfahren, was geschrieben wurde, sondern mit wem. Telefonnummern würden heute leichtfertig weitergereicht. Ihr Tipp: „Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Regeln fest.“ Zum Beispiel mit einem Vertrag, wie er hier zu finden ist: http://mediennutzungsvertrag.de