Stormarn
Historischer Fund

Briefe erzählen vom jungen Otto von Bismarck

Ernst von Bismarck (l.) und Dr. Rüdiger Kass, Vorsitzender der Otto-von-Bismarck-Stiftung, unterzeichnen die Schenkungsurkunde.

Ernst von Bismarck (l.) und Dr. Rüdiger Kass, Vorsitzender der Otto-von-Bismarck-Stiftung, unterzeichnen die Schenkungsurkunde.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Original-Korrespondenzen des „Eisernen Kanzlers“ wurden Stiftung geschenkt. Sie sollen Teil einer geplanten Ausstellung werden.

Friedrichsruh.  Wie war er, der junge Otto von Bismarck, der später als erster Kanzler des Deutschen Reiches in die Geschichtsbücher eingehen sollte? Einblicke geben heute vor allem Briefe, die er an seinen Freund aus Studienzeiten adressierte. Dokumente, die weit mehr als ein Jahrhundert überdauerten und nun ihren Weg ins Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung fanden.

Eric von Bismarck, Sohn des früheren WDR-Intendanten Klaus von Bismarck, überreichte der Stiftung in Friedrichsruh 13 original erhaltene Korrespondenzen im Namen vom Schenker Jost Reinhold. Dieser hatte die Briefe Jahre zuvor in einer Auktion ersteigert. „Er wird auch der stille Spender von Mecklenburg genannt“, sagte dessen Vertrauter Eric von Bismarck.

Wo die Originale waren, hat jahrelang keiner gewusst

In den Stiftungsarchiven lagen die Schriftwechsel des „Eisernen Kanzlers“ bereits als Kopien von Abschriften. „Wo sich die Originale befunden haben, hat jahrelang niemand gewusst“, sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Professor Dr. Ulrich Lappenküper.

1912 waren sie jedenfalls noch in Besitz der Tochter Gustav Scharlachs und wurden als Buch herausgebracht. Gustav Scharlach war ein Göttinger Studienfreund Otto von Bismarcks, an den ein Großteil der Briefe adressiert ist. Sie sind heute eine zentrale Quelle über die jungen Jahre des ehemaligen Reichskanzlers. Gustav Scharlach erzählte er, wie er sich sein Leben nach dem Studium vorstellt. Und er ließ sich 1833 über den Adel auf dem Land aus – damals lebte er auf Gut Kniephof in Pommern: „Sie essen nicht, und trinken nicht (…), was thun sie denn? Sie zählen ihre Ahnen.“

Ein der Wissenschaft bisher unbekannter Brief ist dabei

Auch ein in der Wissenschaft bisher unbekannter Brief an die Witwe von Kaiser Wilhelm I. zählt zu der Schenkung. Wenige Monate nach dem Verlust ihres Mannes gratulierte von Bismarck ihr im September 1888 zum 78. Geburtstag. „Vielleicht ahnte er das kommende Unheil und versuchte auf vorsichtige Weise, die Königin mit diesem Schreiben für sich einzunehmen“, meint Stiftungsvorsitzender Dr. Rüdiger Kass. Doch weniger als zwei Jahre später folgte der Rücktritt des Reichskanzlers.

Die Briefe sollen in die von der Stiftung herausgegebene „Neue Friedrichsruher Ausgabe“ eingepflegt werden und Teil einer geplanten Dauerausstellung werden. „Aber um dafür Platz zu haben, brauchen wir erstmal einen Neubau“, sagte Rüdiger Kass. Jetzt schon können Besucher sich ein von Jost Reinhold zusammengestelltes Buch mit den Bismarck-Briefen vor Ort in der Stiftungsbücherei in Friedrichsruh ansehen – in Sütterlin und in lateinische Schrift „übersetzt“.