Stormarn
Geschichte

Ausstellung zur Novemberrevolution im Bismarck-Museum

Revolution in Berlin: Bewaffnete vor einem zerstörten Haus am Alexanderplatz (wohl Frühjahr 1919)

Revolution in Berlin: Bewaffnete vor einem zerstörten Haus am Alexanderplatz (wohl Frühjahr 1919)

Foto: Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh

Was geschah im Herbst 1918? Schau eröffnet am Sonntag mit Empfang und Festvortrag. Sie läuft bis Mai 2019.

Friedrichsruh.  Für die letzten Schritte hat Maik Ohnezeit weiße Handschuhe übergestreift. Sein Nachname ist heute Programm. Kommenden Sonntag wird im Bismarck-Museum in Friedrichsruh eine Sonderausstellung zur Novemberrevolution eröffnet. Noch steht im Ausstellungsraum nichts außer einer verpackten Kiste – mitten im Raum. Ein Haustechniker installiert gerade einen Schaukasten, Gemälde lehnen an der Wand. „Gerade erst eingetroffen“, sagt Dr. Ohnezeit, Historiker und Kurator, der durch den Raum wuselt.

Anlass der Schau ist das 100. Jubiläum der Novemberrevolution 1918. Jenem Aufstand von Soldaten und Arbeitern also, der in Kiel als Matrosenaufstand mit Ungehorsam gegenüber den Admiralen der Marine begann und in Berlin mit Einführung der parlamentarischen Demokratie endete. Dessen Ergebnis kennen wir als die Weimarer Republik: Die Zeit zwischen den Kriegen, in der Wilhelm II. nichts mehr zu sagen hat, der letzte deutsche Kaiser.

Verfassungsänderung einen Monat vor der Revolution

So ist zumindest die gängige Auffassung der Geschichte, bei der für Historiker Ohnezeit mindestens ein Vorwort fehlt: „Die Einführung der parlamentarischen Demokratie kam nicht urplötzlich“, sagt der Kurator, „vorher war keine Wüste.“ Stattdessen habe es schon vorher Sand im Getriebe der Monarchie gegeben. Zeugnis dafür sind die Oktoberreformen, eine Verfassungsänderung einen Monat vor der Revolution. „Sie ist weitgehend vergessen“, sagt Ohnezeit. Auch deshalb hat er mit der Schau auf sie einen Schwerpunkt gesetzt.

Die Oktoberreform hatte das Deutsche Reich in eine parlamentarische Monarchie umgeformt: einer Staatsform, in der Politiker und Kaiser sich die Macht teilen sollten. Das Signal sollte nach innen und außen verstanden werden: Mit uns könnt ihr verhandeln, wir werden jetzt Demokratie, ein Frieden ist möglich. An der Spitze des Kabinetts stand Prinz Max von Baden, der erste und letzte Reichskanzler der Monarchie. Einen Monat lang. Dann kamen die Aufstände.

Zur Einordnung gitb es Rück- und Ausblick

„Der ganze Frust richtet sich gegen das Militär, das zu Kriegszeiten allgegenwärtig ist, gegen die Offiziere, die das System repräsentieren“, sagt Ohnezeit, „dass sich das System gerade von innen heraus reformiert, wurde nach außen nicht sichtbar.“

Neben Oktoberreform und Novembersturz bekommen Besucher der Ausstellung zur Einordnung auch einen knappen Rückblick in die Kaiserzeit und einen Ausblick auf die Weimarer Republik.

Historiker Karl-Heinrich Pohl spricht zur Eröffnung

Erfahrbar wird die Geschichte dabei vor allem durch viele Bilder: Postkarten ebenso wie Gemälde. Von ausgestellten Stimmzetteln lässt sich zudem auf die Entwicklung im Wahlrecht schließen. Und schließlich sind auch viele Dinge aus dem Alltag zu sehen – auch solche, die in Zeiten der Revolution zu Waffen wurden. Besonders skurril: eine Granate aus einem Schal, der mit einer Kordel umwickelt ist. Sie ist derzeit noch verpackt und wird bis Sonntag in einem der beiden Ausstellungsräume drapiert. Zur Eröffnung ab 11 Uhr wird dann der Historiker Karl-Heinrich Pohl sprechen, der als Professor an der Uni Kiel lehrt.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. Mai 2019 und wird von einem Programm aus Vorträgen, Buchvorstellungen, Lesungen und Filmvorführungen begleitet. Außerdem gibt es einen 147 Seiten starken Katalog, der bei der Stiftung erworben werden kann.

„Geburtstag der deutschen Demokratie?“ So 14.10., 11.00., Bismarck-Museum, Am Museum 2, Eintritt frei, Öffnungszeiten und aktuelle Veranstaltungen im Internet auf www.bismarck-stiftung.de