Stormarn
Bad Oldesloe

Stormarner Autoren feiern mit einer Lesung

Sprecher des Autorenkreises, der kein Verein sein will (v. l.): Leslie Leuzinger (77), Maik Neubacher (45) und Jens Westermann (92)

Sprecher des Autorenkreises, der kein Verein sein will (v. l.): Leslie Leuzinger (77), Maik Neubacher (45) und Jens Westermann (92)

Foto: Sebastian Knorr

Vor 70 Jahren trafen sich die Stormarner Schriftsteller zum ersten Mal, zum Jubiläum erscheint ein neues Buch von ihnen.

Bad Oldesloe.  Als sich Stormarner Autoren am Donnerstag, 9. Juni 1948, in Bad Oldesloe treffen, ist der Zweite Weltkrieg drei Jahre vorbei. Das Leben im ländlichen Stormarn ist von Entbehrungen geprägt, viele Flüchtlinge hat es hierher verschlagen, es herrschen Armut und Hunger. Nachkriegszeit auch für die Schriftsteller: Texte sind jetzt nicht gefragt, zumal solche von heimatlichen Dichtern.

Die „Not der Zeit“ habe die regionalen Autoren 1948 zum Zusammenschluss zum Stormarner Schrifstellerkreis „gezwungen“, heißt es in einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1952 über die lose Gemeinschaft von Autoren, die bis heute aktiv ist. Einmal im Monat kommen sie derzeit in Ahrensburg zusammen, 15 Mitglieder. Hier streiten sie über Prosa und Lyrik auf Platt und Hochdeutsch, feilen gemeinsam an Formulierungen und streiten über Inhalte. Einmal im Jahr geht es dann zur Werkschau auf die Bühne, so auch am kommenden Sonnabend im Oldesloer Kultur und Bildungszentrum (KuB).

Der Eintritt zur Lesung im Kulturzentrum ist kostenlos

An diesem Sonnabend ist die Lesung zudem eine Jubiläumsfeier: „70 Jahre und kein bisschen leise“, lautet der Titel. Da darf dann auch die Textsammlung, die jährlich zur Werkschau herausgegeben wird, etwas opulenter ausfallen. Rund 140 Seiten mit Texten der vergangenen zehn Jahre dick. Das Buch wird im Anschluss zur Lesung verkauft. Im Schriftstellerkreis kommen unterschiedliche Autoren zusammen, ebenso unterschiedlich sind die Texte: Kurzgedichten zu Jahreszeiten und Natur, Märchen über thailändische Thronprinzen, plattdeutsche Geschichten oder ein Ahrensburg-Krimi, der rund um das 150-jährige Kreisjubiläum im Kultur-Milieu spielt.

Literarisch sind die Werke von unterschiedlicher Qualität, überraschend, vielseitig und vor allem regional. Negativ sticht dagegen eine unkritische Würdigung „sogenannter völkischer Märchen“ von Hans Friedrich Blunck heraus. Blunck hatte als Heimatautor im Nationalsozialismus Karriere gemacht und eine Zeit lang in Hoisdorf gelebt.

Heimat ist ein schwieriger Begriff

Da fällt dann auch auf, dass Heimat ein ebenso gern genutzter wie schwieriger Begriff ist – damals und heute. Politisch sei man sich im Schrifstellerkreis nicht immer einig, sagt der 92-jährige Jens Westermann, der vor 35 Jahren mit einer Geschichte von einer Nachkriegswitwe zum Autorenkreis kam. „Wichtig ist, dass man sich streiten kann – und sich dann später wieder die Hand geben.“

Jens Westermann hat unter anderem die Geschichte „Blutsbrüder“ zur aktuellen Werkschau beigetragen. Sie handelt von einer Schulfreundschaft zwischen Helmuth und dem jüdischen David, die durch die Nazi-Zeit beendet wurde – und ihrem späten Wiedersehen in Amerika. Ein Text gegen das Vergessen des Holocaust.

Lesung Sa 6.10., 18.00, KuB (großer Saal), Beer-Yaacov-Weg 1, Eintritt frei