Stormarn
Bad Oldesloe

So soll Stormarns erstes Hospiz aussehen

Der Entwurf zeigt das von den Architektinnen Doris Rickmers und Karina Lund gestaltete Hospiz für Bad Oldesloe. Es soll auf 1500 Quadratmetern zwölf Plätze für Sterbende bieten

Der Entwurf zeigt das von den Architektinnen Doris Rickmers und Karina Lund gestaltete Hospiz für Bad Oldesloe. Es soll auf 1500 Quadratmetern zwölf Plätze für Sterbende bieten

Foto: Lund&Rickmers / Finn Fischer

Zwölf Plätze soll das Haus zum Sterben in Bad Oldesloe bieten. Am Freitag starten die Bauarbeiten. Eröffnung für 2019 geplant.

Bad Oldesloe.  Beim Kreisel links in den Sandkamp, dann über die stillgelegten Bahnschienen und bis es nicht mehr weitergeht. Es ist die Wegbeschreibung zu dem Grundstück, auf dem bald das erste stationäre Hospiz im Kreis Stormarn stehen wird. Am kommenden Wochenende ist der offizielle erste Spatenstich auf dem Grundstück im Oldesloer Gewerbegebiet.

Er markiert den Beginn der Bauarbeiten. Dann wird hier Sekt gereicht. Der verantwortliche „Lebensweg“-Verein erwartet viele Gäste aus Verwaltung und Lokalpolitik. Sponsoren, Freunde, Wegbegleiter – kommen darf jeder.

Kurz vor Beginn der Bauarbeiten steht „Lebensweg“-Mitglied Gundula Thilker auf der Wiese am Ende des langen Sandkamps. Schwer vorstellbar, dass hier neben dem städtischen Bauhof, einer Autowerkstatt und einer Stahlfirma einmal ein Hospiz entstehen soll, in dem Sterbende ihre letzten Wochen in dieser Welt verbringen werden.

Verein hat sich mit der Lage arrangiert

„Wir haben uns damit angefreundet und sind überzeugt, dass dieser Ort der richtige ist“, sagt die gebürtige Rheinländerin. Seit einiger Zeit engagiert sich die 60-Jährige im Verein Lebensweg, der seit 2012 an der Hospiz-Idee feilt. „Wir hatten auch ein zentraleres Grundstück im Auge, aber das hat nicht geklappt“, sagt Gundula Thilker. Der Verein hat sich mit den Gegebenheiten arrangiert. Es ist ruhig, es gibt Natur, ein Wanderweg ist in der Nähe. Vielleicht lasse sich, so Gundula Thilker, auch mit dem nahen Hotel kooperieren: Angehörige könnten dort hin und wieder unterkommen.

Mehr als 15 Jahre lang hat Gundula Thilker ein Alten- und Pflegeheim in Hamburg geleitet. Wegen ihres Berufes war die Pädagogin daher auch mit dem Thema Tod und Sterben konfrontiert. „Es war Alltag und doch irgendwie nicht alltäglich, wenn ein Mensch gestorben ist“, sagt sie. In ihrer Zeit im Altenheim hat die Pädagogin viel von den Bedürfnissen der Sterbenden und ihrer Angehörigen mitbekommen.

Bislang bieten Organisationen wie der Hospizverein Ahrensburg oder der ambulante Hospizdienst Oldesloe Hilfe für Betroffene und Angehörige. Die ausgebildeten Sterbebetreuer kommen zu schwer kranken Menschen nach Hause, ins Krankenhaus oder in die Pflegeeinrichtungen. Für die stationäre Sterbebegleitung mussten Stormarner bislang nach Hamburg oder Lübeck ausweichen. Dabei gibt es eine große Nachfrage nach stationären Hospizplätzen.

Der Bau wird rund 3,5 Millionen Euro kosten

Die ersten Patienten können 2019 einziehen. Das Gebäude wird 1500 Quadratmeter Grundfläche haben und zwölf Plätze bieten. Das Grundstück hat 5000 Quadratmeter. Der Bau wird rund 3,5 Millionen Euro kosten.

Das Oldesloer Hospiz schließt eine Versorgungslücke. „Sterbende haben Bedürfnisse und vieles davon können Pflegeheime schon aus personellen Gründen nicht leisten“, sagt Gundula Thilker. Um an einen Platz in einem stationären Hospiz zu kommen, braucht es ein Attest vom Arzt – eine Bescheinigung, dass der Betroffene innerhalb der nächsten Wochen sterben wird. Das klingt morbide, ist aber gängige Praxis und auch nötig. Vergleichbar sei das mit einer Pflegestufe.

Doch was passiert, wenn ein Hospiz-Bewohner doch nicht stirbt? Auch das gibt es, wie Gundula Thilker sagt: „Es kommt durchaus vor, dass Menschen im Hospiz wieder aufblühen und sich ihr Gesundheitszustand bessert.“ Dann geht es in der Regel zurück in eine Pflegeeinrichtung. Das habe sie allerdings nur einmal in ihrer Zeit als Heimleiterin erlebt.

Verein ist für Betrieb auf Spenden angewiesen

Gesellschafter des neuen Hospizes sind die „Lebensweg“-Stiftung mit einem Kapital von 18.500 Euro, das Palliativnetz Travebogen beteiligt sich mit 6500 Euro, die Sparkassen-Sozialstiftung Stormarn mit 25.000 Euro. Die Sparkasse Holstein unterstützt das Vorhaben außerdem mit Darlehen. 300.000 Euro Zuschuss gibt es von der Deutschen Fernsehlotterie. Beim Land wurden außerdem Fördermittel beantragt. Der „Lebensweg“-Verein ist bislang einziger Antragsteller, die Chancen auf Geld aus Kiel stehen also gut.

Dennoch wird der Verein dauerhaft auf Spenden angewiesen sein, um die Betriebskosten decken zu können. Viele Privatpersonen und Unternehmen unterstützen die Hospiz-Pläne. Seit Dezember gehört auch die Sparkasse Holstein zum Kreis der Förderer. Das Geldinstitut hat die mit einer Million Euro ausgestattete Sparkassen-Hospizstiftung gegründet, um Geld für den Betrieb zu beschaffen. Das ist nötig, weil sich ein Hospiz nicht selbst tragen kann.

Der Spatenstich (Freitag, 21. September, 11 Uhr, Sandkamp 28) ist eine öffentliche Veranstaltung. Der Verein Lebensweg hofft auf viele Besucher. Gundula Thilker: „Wir wollen mit einer Menschenkette den Grundriss des Hospizes bilden.“