Stormarn
Bad Oldesloe

Vermisste Ivonne Runge wird Fall für „Aktenzeichen XY“

Mit diesem Foto von Ivonne Runge fahndet die Polizei nach der vermissten 39-Jährigen. Bisher gibt es keine heiße Spur

Mit diesem Foto von Ivonne Runge fahndet die Polizei nach der vermissten 39-Jährigen. Bisher gibt es keine heiße Spur

Foto: Polizei

Seit fast einem Jahr ist die 39-Jährige aus der Nähe von Bad Oldesloe verschwunden. Nun sucht die Polizei im Fernsehen nach Zeugen.

Bad Oldesloe.  Es ist ein mysteriöser Fall, der die Polizei in Stormarn seit fast einem Jahr beschäftigt. Und es ist ein Fall, bei dem die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft bisher weitgehend im Dunkeln tappen : Ende Oktober 2017 wurde die 39 Jahre alte Ivonne Runge aus dem Travenbrücker Ortsteil Schlamersdorf bei der Polizei vermisst gemeldet. Trotz intensiver Suche, unter anderem mit Leichenspürhunden, gibt es bis heute keine Klarheit über das Schicksal der Frau. Es ist fraglich, ob sie noch lebt oder ob sie Opfer eines Kapitalverbrechens geworden ist.

Nun wollen die Ermittler mit Hilfe der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ einen Schritt weiterkommen und erhoffen sich von der breiten Öffentlichkeit neue Hinweise in dem Fall. Ausgestrahlt wird die Sendung am morgigen Mittwoch, 19. September, um 20.15 Uhr im ZDF.

Die bis heute mysteriöse Geschichte rund um das Verschwinden von Ivonne Runge beginnt am Mittwoch, 25. Oktober 2017, in der Nähe von Bad Oldesloe. Die 39-Jährige ist am Abend auf dem Nachhauseweg und wird, so berichteten es später Freunde von ihr, von einem Autofahrer am Ortseingang von Schlamersdorf abgesetzt. Von dort wollte sie zu Fuß weitergehen. Denn ihr Haus liegt nur einige Hundert Meter entfernt von dieser Stelle. Doch dann verliert sich die Spur der Frau. Aus welchem Grund sie an diesem Abend nicht direkt nach Hause geht, ist unklar. Weder Familie noch Freunde oder Bekannte wissen etwas über ihren Verbleib.

Freunde starten große Suchaktion im Internet

Am nächsten Tag geht ihr Lebensgefährte zur Polizei. Er war in Sorge, weil er sie nicht mehr erreichen konnte. Parallel zu den Ermittlungen der Polizei starten Freunde eine große Suchaktion im Internet. Die verzweifelten Hilferufe und Vermisstenmeldungen in den sozialen Netzwerken werden Hunderte Male geteilt. Gesucht wird nach einer schlanken, knapp 1,70 Meter großen Frau mit langen blonden Haaren, die zum Zeitpunkt ihres Verschwindens eine olivgrüne Kapuzenjacke sowie schwarze Turnschuhe mit lilafarbenen Streifen getragen haben soll.

Die Polizei fahndet unter anderem mit Leichenspürhunden nach der Vermissten. „Mehrere in Betracht kommende Areale wurden intensiv abgesucht“, sagt Ulli Fritz Gerlach von der Polizeidirektion in Lübeck, wo derzeit die Ermittlungen geführt werden.

Nach Tagen der erfolglosen Suche geht die Polizei von einem Verbrechen aus. Die Lübecker Staatsanwaltschaft leitet ein entsprechendes Ermittlungsverfahren „wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes zum Nachteil der vermisst gemeldeten 39-jährigen Frau“ ein. Zum Schutz der Ermittlungen machen die Behörden so gut wie keine Angaben zum Stand des Verfahrens.

Ihr Ex-Freund gerät vorübergehend unter Verdacht

Anfang November dann scheint es , als seien die Beamten auf eine heiße Spur gestoßen. Ins Visier der Ermittler gerät ein ehemaliger Lebensgefährte von Ivonne Runge. „Ein Anfangsverdacht richtet sich gegen den Mann“, sagte Oberstaatsanwältin Ulla Hingst damals dem Abendblatt. Er wurde am Freitag, 3. November 2017, von Polizei und Staatsanwaltschaft vernommen. „Doch er hat den Tatvorwurf bestritten“, so Ulla Hingst. „Da der Verdacht bislang nicht verdichtet werden konnte, wurde der Beschuldigte nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen.“ Worin sich der Anfangsverdacht begründete und welche Tatsachen den Mann wieder entlasteten, darüber macht die Staatsanwaltschaft keine weiteren Angaben. „Zum Schutz der laufenden Ermittlungen“, wie Ulla Hingst erneut betont.

Während die Suche durch Freunde per Internet und mit Handzetteln intensiviert wird, hält sich die Polizei mit einer Öffentlichkeitsfahndung noch zurück. Die Ermittler ziehen auch in Betracht, dass Ivonne Runge „untergetaucht“ sein könnte. Dann wäre es ein „gewöhnlicher Vermisstenfall“.

Zwei Autos, die eine wichtige Rolle gespielt haben könnten

Von dieser Linie weicht die Polizei dann am Freitag, 10. November, ab. „Im Zuge der laufenden Ermittlungen hat sich nun der Verdacht eines Tötungsdeliktes verdichtet“, sagte ein Sprecher der Lübecker Mordkommission, die den Fall mittlerweile übernommen hat. Nun veröffentlichen die Beamten auch ein Foto, das Ivonne Runge zeigt. Und die Bilder zweier Autos, die beim Verschwinden der Frau eine Rolle gespielt haben könnten. Zum einen ist es das Auto der 39-Jährigen, ein blaues Opel Astra Cabriolet. Das andere Fahrzeug ist ein weißer Kia Sorento, über dessen mögliche Rolle sich die Ermittler nicht weiter äußern.

Diese beiden Autos sind es auch, die jetzt in der Fernsehfahndung eine Rolle spielen werden. „Wir suchen dringend Zeugen, denen in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober eines der Autos im Bereich Bad Oldesloe und Umgebung aufgefallen ist“, sagt Polizeisprecher Gerlach. Ivonne Runge könnte sich nach ihrem Verschwinden, so heißt es im Aufruf der Polizei, in Bad Oldesloe oder den nahe gelegenen Orten Schlamersdorf und Rümpel aufgehalten haben.

Eine der Spuren führt direkt in die Ortschaft Schlamersdorf

Eine Spur, über die bisher noch nichts bekannt war, hat die Beamten auch direkt nach Schlamersdorf geführt. „Vor diesem Hintergrund werden weitere Zeugen gesucht, die am 14. Januar 2018 oder Tage davor in der Ortschaft Schlamersdorf verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet haben“, sagt Gerlach. Die Lübecker Staatsanwaltschaft hat für Hinweise, die zum Auffinden von Ivonne Runge führen, eine Belohnung von 5000 Euro ausgelobt.

Während und nach der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ wird bei der Polizeidirektion Lübeck ein Hinweistelefon unter der Rufnummer 0451/13 10 eingerichtet. „Zeugen können sich aber auch bei jeder anderen Polizeidienststelle melden“, so Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach.