Stormarn
Bank-Geheimnisse

Ein akribischer Arbeiter mit Überzeugungskraft

Detlef Bösch (r.) im Gespräch mit Abendblatt-Redakteur René Soukup auf der Bank in seinem Garten

Detlef Bösch (r.) im Gespräch mit Abendblatt-Redakteur René Soukup auf der Bank in seinem Garten

Foto: Lea Pölkow / HA

In unser Serie treffen wir Stormarner auf ihrer Lieblingsbank. Heute: Detlef Bösch, Vorsitzender der Bürger-Stiftung Barsbüttel.

Barsbüttel.  Er ist ein Menschenfänger. Und zwar im positiven Sinn. Den Begriff würde Detlef Bösch zwar nie für sein Handeln verwenden, doch er passt zur früheren beruflichen Tätigkeit des Elektroingenieurs als Vertriebler beim Philips-Konzern und seinem Einsatz heutzutage für das Gemeinwohl. Der 74 Jahre alte Barsbütteler sagt über die Zeit in seinem Job: „Ich hatte die Fähigkeit, technisch komplizierte Sachverhalte so zu erklären, dass Menschen bereit waren, für entsprechende Produkte Geld auszugeben.“ Sein Spezialgebiet: Equipment für das Militär.

An Überzeugungskraft hat er nicht verloren, der Vorstandsvorsitzende der Bürger-Stiftung Barsbüttel, die er vor sieben Jahren mitgegründet hat. Damals waren es vier Aktive. Inzwischen ist die Zahl auf 152 angewachsen, die sich ehrenamtlich vor allem für das Zusammenleben von Jung und Alt engagieren.

Bank am Teich umgeben von vielen Blumen

Detlef Bösch, aufgewachsen in Harburg und seit 1989 sesshaft in Barsbüttel, nutzt jede Gelegenheit zur Rekrutierung: „In der Nachbarschaft ist keiner vor mir sicher.“ Er ist ein Glücksfall für die Gemeinde, hat in mehreren Bereichen gewirkt, Ämter in Vereinen übernommen. Dafür wird Bösch am Freitag, 21. September, um 19 Uhr in der Aula der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule in einer Sondersitzung der Gemeindevertretung mit dem Barsbütteler Ehrenpreis ausgezeichnet.

„Spätestens eine halbe Stunde vorher werde ich gewiss aufgeregt sein“, sagt der Ehrenamtler, während er entspannt auf seiner Lieblingsbank im Garten seines Einfamilienhauses sitzt. Direkt unter einem Zwetschgenbaum und neben einem liebevoll angelegtem Teich sowie umgeben von vielen Blumen.

Paten helfen Schülern, andere verschönern Grünflächen

Der Garten ist sein Rückzugsort, wenn er mal abschaltet. Sein kleines Paradies, das Bösch mit seiner Frau Monika (72) teilt. Auch sie ist in der Bürger-Stiftung aktiv, verschönert als Grünpatin gemeindeeigene Flächen. Die beiden sind seit 51 Jahren verheiratet, haben einen Sohn und zwei Töchter.

Buxtehude, Bremen, Bergisch- Gladbach: Die Karriere erforderte mehrere Umzüge. Ein Arbeitsplatzwechsel nach Hamburg-Wandsbek ermöglichte die Rückkehr in den Norden. „Ich empfinde mich von der Mentalität her als Hanseat, bin ernst und verschlossen“, sagt Bösch. Er habe lange gebraucht, um sich an die Spitze von Organisationen zu trauen. In den 90er-Jahren war er für zwei Saisons Jugendwart im örtlichen Tennisverein, später dann Pressesprecher. In dieser Funktion halfen ihm Erfahrungen aus seiner Tätigkeit im Bereich Öffentlichkeitsarbeit bei einer Philips-Tochter.

Viele Projekte für die Bürger-Stiftung

Von 2006 bis 2011 war Bösch Sprecher des Bürgervereins. Er war Mitglied im Seniorenbeirat und sechs Jahre bis Februar 2014 Vorsitzender der Barsbütteler Liedertafel, die inzwischen ein Frauenchor ist. Nun singt er im Kirchenchor.

Sein „Baby“ ist jedoch die Bürger-Stiftung, die mehr als ein Dutzend eigene Projekte kreiert hat. Da sind zum Beispiel Lernpaten in den Grundschulen, Senioren, die Kinder in Schulbussen begleiten, Grün- sowie 50 Integrationspaten. Sie helfen Flüchtlingen, sich in ihrer neuen Heimat zurechtzufinden. 70 weitere Helfer bezeichnet Bösch als „stille Reserve“. Auf diese würde er wieder zurückgreifen, sollte die Zahl der Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten in Barsbüttel steigen.

Gemeinsam bis zu 20.000 Stunden Ehrenamt pro Jahr

Bis zu 20.000 Stunden pro Jahr hat die Bürger-Stiftung laut Bösch zeitweise investiert, momentan sind es 13.000. Vornehmlich engagieren sich ältere Menschen. Der jüngste Ehrenamtler ist gerade volljährig geworden. Alle sind während ihres Einsatzes versichert, „etwa so wie bei einer Berufsgenossenschaft“, sagt der Vorsitzende und definiert das Wirken seiner Mitstreiter so: „Wir geben Zeit und Herz.“

Detlef Bösch hatte zuvor das Netzwerk Jung&Alt ins Leben gerufen und Lernpaten an Schulen gebracht. „Dahinter stand die Idee, dass sich Generationen gegenseitig helfen“, sagt er. „Dann habe ich festgestellt, dass wir eine Organisation brauchen.“ Also gründete er mit Gleichgesinnten die Barsbütteler Bürger-Stiftung, die Teil der Bürger-Stiftung Stormarn ist.

Auch die Gemeinde gibt der Stiftung Geld

Zwischen 1000 und 2000 Euro sammeln die Barsbütteler per anno an Spenden, 2000 Euro steuert die Gemeinde derzeit bei. Davon wurden unter anderem Warnwesten für Kindertagesstätten angeschafft oder auch Insektenhotels bezuschusst.

Derzeit schließt sich der Kreis in Sachen Philosophie der Stiftung, wenn auch nur langsam. Inzwischen sind auch Siebtklässler der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule für ein halbes Jahr als Zeitspender unterwegs. Jeweils eine Klasse besucht im Fach Soziale Kompetenz einmal pro Woche für zwei Stunden Kitas oder auch die Tafel. Das Lern-Projekt wird von der Bürger-Stiftung begleitet. Bösch hatte es initiiert. Er sagt: „Ich hoffe, die jungen Menschen für unsere Organisation begeistern zu können.“ Zwei Jahre habe die Vorplanung gedauert, Schule und Verwaltung mussten überzeugt werden.

Auf Kreuzfahrten erkundet das Ehepaar die Welt

All das gehört zu Böschs Tätigkeit als Vorstand, „die vom Aufwand ein Halbtagsjob ist“, so der Rentner. Er ist nicht nur Ideengeber und Feuerwehrmann bei Kommunikationsproblemen, sondern zuständig für Datenverwaltung und die Finanzabwicklung mit der Dachstiftung, die auch das Bankkonto führt.

Bösch ist einer, der akribisch arbeitet. Diese Tugend war ihm auch als Sportler eigen. Als Leichtathlet und Fußballer. Er sagt: „Ich war in meiner Mannschaft Linksaußen und der einzige, der sich vor Spielen 30 Minuten warmgelaufen hat.“ Seine Gegenspieler seien regelmäßig ausgewechselt worden. Für ihn soll es an der Spitze der Bürger-Stiftung dagegen weitergehen. Im kommenden Jahr endet die zweite Amtszeit. Bösch will weitermachen, solange es die Gesundheit zulässt.

Erholung vom Alltag gönnt er sich mit seiner Frau auf Kreuzfahrten. Das Paar war auf großen Schiffen in Asien, Dubai und Mittelamerika, hat das Baltikum und die Kanaren besucht. Demnächst geht es wieder auf Tour. „14 Tage Karibik, das ist meine Lieblingsgegend“, sagt Bösch. Dann wird er wieder viele fremde Menschen treffen. Sollte einer von denen in Barsbüttel oder Umgebung wohnen, wäre es nicht verwunderlich, wenn die Bürger-Stiftung demnächst Zuwachs bei den Aktiven hat.