Stormarn
Kommunalpolitik

Warum hält Ahrensburg an Radwege-Pflicht fest?

Jürgen Hentschke vom ADFC-Stormarn unterwegs in Ahrensburg

Jürgen Hentschke vom ADFC-Stormarn unterwegs in Ahrensburg

Foto: Lea Pölkow / HA

Schlechte Radwege in Ahrensburg. Grünen-Politiker übermittelt Fragenkatalog an Verwaltung. Laut ADFC sind ein Dutzend Straßen betroffen.

Ahrensburg.  Die Grünen wollen, dass sich der Ahrensburger Bau- und Planungsausschuss in einer seiner nächsten Sitzungen mit dem Thema Radverkehr beschäftigt. „In Ahrensburg sind viele Radwege in keinem guten Zustand und zudem sehr schmal“, sagt der Stadtverordnete Benjamin Stukenberg. „Trotzdem werden fast alle als benutzungspflichtig ausgewiesen.“ Im restlichen Stormarn und in Hamburg sei das anders. Stukenberg: „Einzig Ahrensburg geht einen Sonderweg.“ Die Fraktion möchte wissen, warum das so ist und hat einen neunteiligen Fragenkatalog an die Verwaltung geschickt.

Beim Radwege-TÜV des Abendblattes war Ahrensburg mit Schulnote 5 durchgefallen. Bei dem Test hatte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) gefordert, dass die Benutzungspflicht für Radwege überprüft und gegebenenfalls aufgehoben wird und Schilder in Ahrensburg abgebaut werden. Denn seit 1997 sieht die Straßenverkehrsordnung das Radfahren auf der Fahrbahn als Regelfall vor. Nur in Ausnahmefällen dürfen Radwege als benutzungspflichtig gekennzeichnet werden. Laut ADFC sind die entsprechenden blauen Schilder in Ahrensburg aber noch an einem Dutzend Radwegen zu finden.


Hamburger/Lübecker Straße (L 82):
Auf der viel befahrenen Strecke sollte die Benutzungspflicht nach Einschätzung des ADFC erhalten bleiben. Allerdings müssten die bestehenden Radwege auf der gesamten Länge grundsaniert werden, sagt Jürgen Hentschke, stellvertretender ADFC-Kreisvorsitzender. „Sie sind zu schmal und zu holprig.“
Stormarnstraße: Der ADFC plädiert dafür, die Benutzungspflicht aufzuheben und Radfahrern die Wahl zu lassen, wo sie fahren möchten. „Die Verkehrsführung auf dem Radweg ist unübersichtlich und gefährlich, zum Beispiel am Kreisel Fritz-Reuter-Straße“, sagt Hentschke.
Wulfsdorfer Weg: Benutzungspflicht aufheben, meint der ADFC. „Der Radweg ist in einem dermaßen schlechten Zustand, dass das Befahren eine Gefahr darstellt“, sagt Hentschke. Auf der Fahrbahn sei es sicherer.
Bahnhofstraße:
Gleiches gelte für die Bahnhofstraße, sagt er. „Benutzungspflicht macht hier keinen Sinn.“
Manhagener Allee: Hentschke hofft, dass sich die Verhältnisse für Radfahrer nach dem geplanten Straßenumbau verbessern. „Die derzeitige Verkehrsführung mit den vielen Verschwenkungen des Radwegs an den Straßeneinmündungen entspricht nicht unseren Vorstellungen“, sagt der Experte. „Radfahrer können hier nicht zügig fahren.“ Eine Benutzungspflicht sei wegen des hohen Verkehrsaufkommens aber sinnvoll.
Bahntrasse/Beimoorweg: Die Benutzungspflicht sollte laut ADFC beibehalten werden, der Radweg müsse aber erneuert werden. Schlecht sei auch, dass Radfahrer im Verlauf des Weges die Straßenseite wechseln müssten, sagt Hentschke. Insbesondere mit dem neuen Gewerbegebiet Beimoor-Süd II ergebe es Sinn, in Zukunft einen Radweg auf beiden Seiten in Erwägung zu ziehen.
Hagener Allee:
„Im Waldgebiet gibt es im Unterschied zur restlichen Straße noch auf einem Stück Radweg eine Benutzungspflicht“, sagt Hentschke. Er ist dafür, dass Radfahrer überall auf der Fahrbahn fahren und die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Autofahrer durchgängig auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert wird.
Manfred-Samusch-Straße/Reeshoop/Bünningstedter Straße:
Die Strecke Richtung Ammersbek ist laut ADFC in vielen Bereichen in einem schlechten Zustand. Aufgrund des hohen Lkw-Anteils sei es aber sinnvoll, an einer Benutzungspflicht festzuhalten. „Dafür muss der Radweg aber baulich verändert werden“, sagt Hentschke.