Stormarn
Perspektiven

Reinbek: Der Mensch als Thema in der Kunst

Wo soll welches Bild hängen? Stefan Oppermann und Heinke Both nahmen sich im Vorfeld zu ihrer Ausstellung viel Zeit für den kreativen Prozess

Wo soll welches Bild hängen? Stefan Oppermann und Heinke Both nahmen sich im Vorfeld zu ihrer Ausstellung viel Zeit für den kreativen Prozess

Foto: Elvira Nickmann

In einer gemeinsamen Ausstellung zeigen Stefan Oppermann und Heinke Both ihre Werke unter dem Titel „Ansichtssache Mensch“ im Schloss.

Reinbek.  Schlicht und zentriert auf einem Blatt Papier, so stellt der Hamburger Künstler Stefan Oppermann den Besuchern der Ausstellung „Ansichtssache Mensch“ seine „Erfindungen für eine bessere Welt“ vor. Noch bis Sonntag, 14. Oktober, zeigen er und seine Kollegin Heinke Both aus Trittau gemeinsam ihre Werke im Reinbeker Schloss .

Die beiden haben einst zeitgleich an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg bei Professor Friedrich Einhoff studiert. Ihren Bildern ist das jedoch nicht anzusehen, denn sie sind durch einen jeweils ganz individuellen Stil mit hohem Wiedererkennungswert geprägt.

Trotz aller Unterschiede haben die beiden Künstler ein gemeinsame Thema: der Mensch. Sie widmen sich ihm aus verschiedenen Perspektiven. Bei seinen Zeichnungen, die im Erdgeschoss hängen, geht Oppermann nach eigenen Angaben sachlich und ohne Emotionen zu Werke.

Eine eingehende Betrachtung der Werke lohnt sich

Die kleineren sind mit Fettstift, die Größeren mit Nerostift gestaltet. „Die Grautöne entstehen durch die Körnung des Papiers“, erläutert der Maler. Trotz seiner nüchternen Herangehensweise weisen viele der skurrilen Objekte humorvolle Details auf, während die Figuren oft bis auf austauschbare Prototypen reduziert sind.

Ob diese rätselhaften Erfindungen, die Oppermann abbildet, überhaupt einen Nutzen haben könnten oder schlicht fantastischen Ursprungs sind, verrät er nicht. Nur der Verweis auf die heutige Welt und der Anstoß zu überdenken, mit welchen Dingen wir uns umgeben, sind ihm zu entlocken.

Der Betrachter sieht Objekte, deren Sinn sich nicht auf den ersten Blick erschließt und vermutlich auch nicht erschließen soll. Hier ist Mitwirkung gefragt, denn diese Werke wollen entdeckt werden. Das gilt auch für die Bilder, die Oppermann im Obergeschoss ausstellt und die sich mit der Innenwelt des Menschen beschäftigen.

Verfremdete Porträts berühren den Betrachter

Die vielschichtigen und verfremdeten Porträts aus der Hand von Heinke Both haben eine intensive Ausstrahlung. Wer sich auf sie einlässt, entdeckt in den fragmentierten Darstellungen jene gebrochenen Ebenen, aus denen sich eine Persönlichkeit zusammensetzt, weniger physisches als psychisches Abbild innerer Prozesse. Durch viel Schwarz teils in düsterer Anmutung. Einlassen bedeutet im Fall von Boths Werken aber auch Emotionen zulassen, sich dafür öffnen, berührt zu werden – von einem Blick, einem Ausdruck einer Identität.

Besucher der Ausstellung sollten genügend Zeit mitbringen. Für alle, die den Besuch mit einem persönlichen Gespräch mit Heinke Both und Stefan Oppermann verbinden möchten, ergibt sich dazu Gelegenheit: am Sonntag, 9. September, sind die Künstler vor Ort.

Ausstellung bis So 14.10., geöffnet Mi–So 10.00–17.00, Künstler stehen für Gespräche bereit am So 9.9., 14.00–17.00, Schloss Reinbek, Schlossstraße 5, Eintritt 3,–